Ärger mit dem Mobiliar, das einer seiner Mieter hinterließ, hat Vermieter Karlheinz Bogner aus Pforzheim. Er muss einen Entrümpler bezahlen, der nun die Sachen wegräumen soll.
Ärger mit dem Mobiliar, das einer seiner Mieter hinterließ, hat Vermieter Karlheinz Bogner aus Pforzheim. Er muss einen Entrümpler bezahlen, der nun die Sachen wegräumen soll. | Foto: Ehmann

Vermieter müssen einlagern

Pforzheim: Übrig bleibt ein Berg von Möbeln

Töpfe, Stühle, Kleidung: Der einzige, der fehlt in der Wohnung von Karlheinz Bogner ist der Mieter. Der ist nämlich gegangen, nachdem sein Vermieter wegen nicht bezahlter Miete einen Titel gegen ihn erwirkt hat. Übrig bleibt ein Berg von Möbeln und andere Habseligkeiten sowie viel Ärger, mit dem der 75-jährige Geschädigte jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Bogner fühlt sich „machtlos“ gegenüber dem Mann, dem er vor rund vier Jahren seine „schöne Zwei-Zimmer-Erdgeschosswohnung mit Gartenanteil“ vermietet hat. Seit etwa einem dreiviertel Jahr bleibe die Miete aus. „Ich habe gemahnt und gemahnt und gemahnt und dann einen Räumungsklage gemacht“, beschreibt Bogner, der sagt, er könne sich nicht erklären, wie es zu der Veränderung kam. Ergebnis ist, dass er jetzt einen Entrümpler bezahlen müsse. Von dem gut Sechzigjährigen und dessen Kinder erwartet Bogner jedenfalls nichts.

Auf den Müll geben, geht gar nicht

Kann er wohl auch nicht. „Wenn einer untertaucht, ist es schwierig“, sagt beispielsweise Lothar Girrbach. Dem Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Bau und Grund und gleichzeitig Vorstand beim Eigentümerverein Haus & Grund ist nicht fremd, was Bogner beschreibt. Etwa fünf ähnlich gelagerte Fälle pro Jahr zählt er bei 3.200 Wohnungen im Bestand von Bau und Grund. Es werde dann geräumt und eingelagert. Denn einfach auf den Müll geben, geht gar nicht, auch wenn jemand wie im Falle Bogners anscheinend ganz verzichtet.

Der Verlust wächst und wächst

Problem dabei für Vermieter: der Verlust aus der Immobilie wächst und wächst. Bogner bilanziert den Schaden durch seinen säumigen Mieter mittlerweile auf „mindestens 12.000 Euro“. Nicht darin enthalten sind Räumungskosten, die Girrbach bei einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit rund 2.000 Euro veranschlagt. Bei Bau- und Grund ist der Fall dann für geraume Zeit erledigt. Denn es gibt eigene Räume, in denen fremder Besitz ein bis zwei Jahre eingelagert werden kann. Die kosten nichts. Anschließend kommen die Hinterlassenschaften in der Regel auf den Müll.

Beim Einwohnermeldeamt nachforschen

„Abgeholt wird eigentlich nie“, sagt Girrbach. Und das hat viel mit den Ursachen zu tun, die Menschen auf das in der Regel Letzte verzichten lässt, das sie materiell noch besitzen. „Es sind Leute, die mit dem Leben nicht oder nicht mehr zurecht kommen“, meint Girrbach. Manche gäben sich auf, andere schlüpften bei Verwandten oder Freunden unter. Vermietern rät er, zunächst nachzuforschen, beispielsweise beim Einwohnermeldeamt, wo die Leute abgeblieben sind, die Girrbach zu einer Ausnahmegruppe zählt. Die meisten bemühten sich, ein Mietverhältnis ordentlich zu beenden, auch wenn kein Geld mehr da ist. Diese Erfahrung hat in gewisser Weise auch Bogner gemacht mit dem Haus, das er vor etwa 15 Jahren gebaut hat. Es sei bei 21 Wohnungen das erste Mal, dass er Entrümpeln muss.