Wolfgang Werner vom Stutenseer Bauhof und Gewässerwart Walter Scheidle arbeiten am  Wehr in Friedrichstal. Das Wasserbaudenkmal ist 113 Jahre alt.
Wolfgang Werner vom Stutenseer Bauhof und Gewässerwart Walter Scheidle arbeiten am Wehr in Friedrichstal. Das Wasserbaudenkmal ist 113 Jahre alt. | Foto: Patric Kastner

Stutensee-Friedrichstal

Viel Einsatz für ein Wasser-Baudenkmal

Vorsichtig setzt der Schwerlastkran den Antrieb auf die Stahlträger – einer der letzten Schritte, bevor alles verschraubt wird. Hier, an der Pfinz-Heglach, dem Flüsschen außerhalb von Friedrichstal, wird das restaurierte Stauwehr wieder zusammengesetzt. Mitarbeiter des Stutenseer Bauhofs haben es in ihrer freien Zeit und über den Winter restauriert.
„Ich finde es erstaunlich. Es ist außergewöhnlich, dass die Mitarbeiter in Eigeninitiative das geschafft haben“, sagt Stutensees Bauhofleiter Frank Dochat. Federführend dabei waren Gewässerwart Walter Scheidle und Wolfgang Werner vom Bauhof. Auch jetzt sichern die beiden den Antrieb des Absperrwerks mit Schrauben und Muttern und ziehen alles mit einem überdimensionalen Schraubenschlüssel fest. Wo normalerweise das Flüsschen geruhsam in Richtung Friedrichstaler Mühle vor sich hinplätschert, herrscht reger Betrieb.

Mitarbeiter des Stutenseer Bauhofs fixieren die Mechanik des Stauwehrs.
Mitarbeiter des Stutenseer Bauhofs fixieren die Mechanik des Stauwehrs. | Foto: Patric Kastner

Reger Betrieb an ruhigem Flüsschen

Neben einem 22 Tonnen schweren Schwerlastkran stehen zwei Traktoren mit Anhängern, viele Geräte und etliche Werkzeugkisten sind rund um das Bauwerk verteilt. „Wir haben rund um Stutensee ein reiches Gewässernetz“, sagt Reiner Dick, Umweltbeauftragter der Stadt. Mit der Idee zur Restaurierung des Wasserbauwerks habe Scheidle bei ihm offene Türen eingerannt.
Das größte Absperrwerk im Abschnitt der Pfinz-Heglach sei ein erhaltenswertes kulturhistorisches Denkmal. Ein kleines Auslasswehr an der Seite des Kanals zeugt noch von der ursprünglichen Funktion: War das Wasser erst einmal aufgestaut, konnte man es einst das auf die Wiesen leiten. Im Gelände sind noch die ehemaligen Wassergräben zu erkennen. Wie viel Wasser auf die Felder floss, entschied vor etlichen Jahren der Gewässerwart.

Wehr stammt aus dem Jahr 1903

„Vor zwei Jahren haben wir das alte Wehr ausgebaut – es war total kaputt“, erklärt Walter Scheidle. Ein Blick auf die Tafel des Gewässerlehrpfades zeigt noch den maroden Zustand des Absperrwerks: der sogenannte Schütz verrottet und die Zahnstangen verrostet. Und nun sieht man dem Wehr nicht mehr an, das es mittlerweile schon 113 Jahre alt ist.
Die Zahnstangenmechanik wurde von einem Unternehmen in Bruchsal sandgestrahlt. Auch das Holz wurde erneuert. Witterungsbeständige Douglasie könnte jetzt auf 7,60 Metern Breite das Wasser aufstauen, sofern man das denn wollte.
„Hätten wir Eichenholz genommen, hätte es sich leicht verzogen“, betont Scheidle. Er deutet auf Einschnitte in den zementierten Stahlträgern des Bauwerks – Zeichen dafür, dass schon zuvor das Wehr repariert wurde.

 So sah das Wehr einmal aus.
Dieser Anblick existiert nur noch auf einer Schautafel. So sah das Wehr vor seiner Restaurierung aus. | Foto: Patric Kastner

Obgleich es an diesem herbstlichen Morgen sehr frisch ist, ist die Arbeit für die Mitarbeiter schweißtreibend. Mit einer Kurbel setzen sie die frisch gefetteten Zahlstangen in Bewegung. Danach klettert Scheidle in den Kahn und schraubt die Stützpfeiler ab – beim letzten erweist sich die Arbeit schwieriger als gedacht, aber es klappt, und der Kahn wird vom Kran wieder an Land gehievt.
Nach gut zweieinhalb Stunden ist die Arbeit getan, ein Stück Heimatgeschichte wurde vor dem Verfall bewahrt, und Scheidle nimmt die Handschläge der Kollegen entgegen.