Mit ZeppelineN begann vor über 100 Jahren die Baden-Badener Luftfahrtgeschichte. Zeppeline wurden im Ersten Weltkrieg auch zu Propagandazwecken eingesetzt.
Mit ZeppelineN begann vor über 100 Jahren die Baden-Badener Luftfahrtgeschichte. Zeppeline wurden im Ersten Weltkrieg auch zu Propagandazwecken eingesetzt. | Foto: Archiv Frasch

Flugplatz Baden-Baden

Vom Zeppelin bis zum Segelflug

Von Werner Frasch

Die aktuelle Diskussion um den Flughafen Baden-Baden in Oos zwingt geradezu zu einem Blick in die Baden-Badener Luftfahrtgeschichte: Mit dem Aufstieg des ersten Luftschiffs LZ 1, einem Zeppelin, am 2. Juli 1900 am Bodensee erlebte die Luftschifffahrt eine erste Blütezeit. Bald wurden an mehreren Orten Landeplätze und Luftschiffhallen projektiert. In der Kurstadt trieb der seit 1907 amtierende Oberbürgermeister Reinhard Fieser ein solches Vorhaben voran. Baden-Baden wollte damals beim Aufbau des Luftverkehrsnetzes ganz vorne dabei sein.

Verhandlungen mit Graf Zeppelin

Erste Verhandlungen mit dem Luftschiffpionier Graf Ferdinand von Zeppelin fanden im Mai 1909 statt. Bauherrin sollte die im November desselben Jahres in Frankfurt gegründete Deutsche Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG) werden, an der auch die Stadt Baden-Baden einige Anteile zeichnete. Die zeitgleiche Entwicklung von Luftschiffen in der Mannheimer Firma Schütte-Lanz stieß in der Kurstadt dagegen auf kein Interesse.

Als geeignet erschien das Gelände jenseits des Bahnhofs der damals noch selbstständigen Gemeinde Oos. Ausreichend ebene Flächen und Gleisanschlüsse zur Halle für die „silberne Zigarre“ waren von Vorteil. Der trotz seiner leichten Brennbarkeit anfangs als Traggas verwendete Wasserstoff konnte nur auf dem Schienenweg an die „Zeppelin-Tankstelle“ transportiert werden. Innerhalb von zwei Wochen wurden von den rund 260 Grundstückseigentümern des weitläufigen Areals alle enteignet und entschädigt, die nicht zum Verkauf bereit waren. Der Aufsehen erregende Rundflug eines Zeppelins im September 1909 sollte die letzten Zweifler überzeugen.

1910 Grundstein gelegt

Bereits im April 1910 wurde der Grundstein für die 157 Meter lange, 29 Meter breite und rund 28 Meter hohe Halle zwischen Ooser Land- und Kreithgraben gelegt. Bei ihrem Bau kam neueste Technik zum Einsatz. Zwei fahrbare Tragekräne verkürzten die Bauzeit der mit Asbestzementtafeln gedeckten Eisenkonstruktion auf elf Tage – ein Beispiel für den hohen Stand der Metallkonstruktionstechnik vor mehr als hundert Jahren. Ein Werkstattgebäude und ein Lager für 12 000 Kubikmeter Wasserstoffgas wurden außerdem errichtet. Die Pläne stammten von der Maschinenfabrik Augsburg-München (MAN).
Schlag auf Schlag ging es weiter. Im Juni 1910 kamen die Aktionäre der DELAG zu ihrer ersten Generalversammlung ins Kurhaus Baden-Baden – eine Reverenz an die Stadt mit dem ersten Passagierlufthafen Deutschlands. Kaum erwartet werden konnte die Inbetriebnahme des Flugplatzes. Dieses Ereignis sollte auch die Begeisterung für das kostspielige Vorhaben steigern. Ende Mai 1911 startete von Oos aus der erste Zuverlässigkeitsflug für Motorflugzeuge mit sieben Ein- und Doppeldeckern. Zum stattlichen Preisgeld für den Sieger gab es einen städtischen Zuschuss von 25 000 Mark. Eröffnet wurde die Festivität Ereignis mit einem Konzert, nächtlicher Illumination und einem Ball im Kurhaus

Einweihung zur Großen Woche

Vier Wochen später war es dann so weit: Zur offiziellen Einweihung während der „Großen Woche“ schwebte am 21. August 1910 das 144 Meter lange erste Luftschiff der DELAG („LZ 6“), von der Werft in Friedrichshafen kommend, mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern in einer Höhe von 200 bis 300 Metern über die Stadt und wurde nach der Landung in Oos am betonierten Haltepunkt befestigt – ein Ereignis, das Tausende begeisterter Zuschauer anzog, die gegen Eintritt die Halle und den Zeppelin besichtigen durften.

Zwei Tage später startete das Luftschiff aus zur ersten offiziellen Passagierfahrt in Deutschland. In der komfortabel ausgestatteten Passagiergondel unterhalb des 16 000 Kubikmeter fassenden Flugkörpers saßen zwölf Personen und genossen einen Rundflug über den Schwarzwald.

Kurgast geht in die Luft

Am 10. September ging die Reise nach Stuttgart und zurück. Unter den Passagieren war mit „Fräulein Sophie Kiese aus Stuttgart“ auch der erste Kurgast, „der aus den Lüften zu uns herniederstieg“, wie das Badener Tagblatt berichtete. Der umjubelten „Luftschifferin“ sollten bald weitere folgen. Der praktische Nutzen der neuen Technik war erwiesen. Leisten konnten sich eine solche Lustfahrt allerdings nur gut Betuchte, kostete die kurze Reise doch mehr als das Dreifache eines durchschnittlichen Monatsverdienstes.

Kurz nach der spektakulären Rückkehr aus Stuttgart geschah am 14. September 1910 ein schrecklicher Unfall. Ein Arbeiter hatte in der Halle unsachgemäß mit Benzin hantiert. Durch eine Fehlzündung beim Start entstand eine Explosion, die den „LZ 6“ nach nur 34 Fahrten völlig zerstörte, die Halle zum Glück unbeschädigt ließ.

Erstes Ende 2014

Zum weiteren Ausbau des Verkehrsnetzes ab 1913 zwischen Baden-Oos, Düsseldorf, Berlin-Johannisthal, Gotha, Frankfurt am Main, Hamburg, Dresden und Leipzig wurden neue Luftschiffe eingesetzt. Im Sommer 1914 kam die zivile Luftschifffahrt in Baden-Oos zum Erliegen. Die prestigeträchtigen Transportmittel der mondänen Gesellschaft dienten jetzt zu Aufklärungs- und Bombardierungsflügen und in Oos wurden Zubehörteile für Kriegszeppeline produziert. Später diente das Gelände als Sammelplatz für unbrauchbar gewordene Kriegsflugzeuge. Ausgeschlachtet wurden etwa 3 300 Exemplare.

Dem Schicksal der Halle ist die Denkmalpflegerin Antje Gillich nachgegangen. In Heft 1/2014 des Nachrichtenblatts der Landesdenkmalpflege berichtet sie, dass der Versailler Friedensvertrag den Abbruch der Luftschiffhallen bis 31. Juli 1921 verlangte.

Halle gibt es immer noch

Die Ooser Halle ersteigerte ein Badener Bauunternehmer. Teilweise wieder aufgebaut wurde sie 1923 in Auggen. Dort steht „die älteste und größte noch erhaltene zivile Luftschiffhalle in Deutschland“ noch. Sie ist – wie die Denkmalpflegerin schreibt – mit der geplanten Stilllegung des Sägewerks allerdings „von Verwertungsabsichten betroffen“. In Oos selbst seien die letzten Reste des ehemaligen Zeppelin-Hangars 2006 beseitigt worden.

http://bnn.de/nachrichten/flugplatz-mit-ungewisser-zukunft