ZURÜCK IN DIE VERGANGENHEIT: In "Civilization VI" werden Völker von der Frühzeit in die Zukunft geführt. Es kommt auf wirtschaftliches Denken, diplomatisches Geschick und manchmal auch militärische Durchsetzungskraft an.
ZURÜCK IN DIE VERGANGENHEIT: In "Civilization VI" werden Völker von der Frühzeit in die Zukunft geführt. Es kommt auf wirtschaftliches Denken, diplomatisches Geschick und manchmal auch militärische Durchsetzungskraft an. | Foto: 2K Games

Spieletest "Civilization VI"

Von der Steinzeit bis zum Marsflug

Von Benedikt Wenck

Spieler der „Civilization“-Reihe kennen das nur zu gut: Man findet einfach kein Ende. Und mit dem sechsten Teil gibt Entwickler Firaxis den Fans der Aufbaustrategie Stoff für viele neue Runden.
Am Grundprinzip wurde nichts geändert. Man beginnt mit einem Siedler und einer Kriegertruppe im Jahr 4000 vor Christus und muss ein Imperium aufbauen. Das geschieht mit dem Bau von Städten, Gebäuden, Weltwundern und Armeen. Mit der Zeit begegnet man anderen Zivilisationen, handelt und trifft Abkommen mit ihnen – oder man lässt die Waffen sprechen und zieht gegen sie in den Krieg.

WEITERENTWICKELT: "Civilization VI" kommt mit unverändertem Spielprinzip, aber auch mit vielen Neuerungen im Detail. Screenshot: 2K Games
WEITERENTWICKELT: „Civilization VI“ kommt mit unverändertem Spielprinzip, aber auch mit vielen Neuerungen im Detail.                                        Screenshot: 2K Games

Gewinnen kann man in „Civilization VI“ auf mehrere Arten. Etwa durch kulturelle Dominanz, Eroberung der anderen Kulturen – oder, indem man auf dem Mars landet. Weil eben dieses Grundprinzip gleich geblieben ist, stecken die Innovationen im Detail. Hier hat sich viel getan, schon optisch. „Civilization VI“ hat einen deutlicher an Comics angelehnten Stil gewählt als in den vorhergehenden Teilen. Das sieht man vor allem an den Staatsoberhäuptern anderer Zivilisationen: Die Augen sind größer, die Nasen etwas knubbeliger. Die Landschaft ist auch etwas bunter als in den vorherigen Teilen. Das mag manchen Fan etwas stören, man gewöhnt sich aber schnell an den anderen Look.

FLÄCHENNUTZUNGSPLAN: Statt einzelner Städte werden ganze Bezirke aufgebaut und entwickelt. Spieler müssen deshalb viel vorausschauender planen. Screenshot: 2K Games
FLÄCHENNUTZUNGSPLAN: Statt einzelner Städte werden ganze Bezirke aufgebaut und entwickelt. Spieler müssen viel vorausschauender planen. Screenshot: 2K Games

Taktisch hat sich vor allem beim Städtebau einiges geändert. Das Prinzip der Bezirke wurde eingeführt: Über das Stadtmenü kann man einen Bezirk auf die Karte setzen, der sich spezialisiert – zum Beispiel einen Hafen oder ein Industriegebiet. Darin kann der Spieler dann Gebäude wie Leuchttürme oder Fabriken bauen. Auch Weltwunder werden so auf der Karte platziert und nehmen ein ganzes Feld ein, das sonst bewirtschaftet werden könnte. Durch Synergie-Boni zwischen den Feldern kann man diesen Verlust durch kluges Setzen der Gebäude aber ausgleichen. Insgesamt ist kluge Stadtplanung nun deutlich wichtiger als in den Vorgängern.

GUT GEPLANT IST HALB GESIEGT: Wunder-Bauwerke nehmen in "Civilization VI" nun ganze Geländefelder ein, die nicht mehr bewirtschaftet werden können. Screenshot: 2K Games
GUT GEPLANT IST HALB GESIEGT: Wunder-Bauwerke nehmen ganze Geländefelder ein, die nicht mehr bewirtschaftet werden können.                    Screenshot: 2K Games

Nach wie vor werden auch mit Arbeitern Geländefelder verbessert, doch auch hier ist einiges anders. Die Arbeiter schaffen nur eine bestimmte Zahl von Aktionen. Ein Trupp kann zum Beispiel drei Bauernhöfe bauen, dann löst sich die Einheit auf. Straßen werden nun von Händlern gebaut, die man in andere Städte schicken kann. Bewegt sich der Händler weiter, erscheint unter ihm eine Straße.  Bei der Erforschung von Technologien gibt es jetzt sogenannte Heureka-Momente. Werden bestimmte Bedingungen erfüllt, bringt das die Erforschung der entsprechenden Technologie einen großen Schritt nach vorne. Auf diese Weise werden Mini-Quests eingeführt, die das Spiel für Neulinge etwas zugänglicher machen. Es gibt nun auch zwei Technologiebäume: einen für Forschung und einen für die Entwicklung von Politiken, die verschiedene Boni geben.

STÄDTEBAU: Über das Stadtmenü kann man einen Bezirk auf die Karte setzen, der sich dann spezialisiert - zum Beispiel einen Hafen oder ein Industriegebiet. Darin kann man Gebäude wie Leuchttürme und Fabriken bauen. Screenshot: 2K Games
STÄDTEBAU: Über das Stadtmenü kann man einen Bezirk auf die Karte setzen, der sich dann spezialisiert – zum Beispiel einen Hafen oder ein Industriegebiet. Darin kann man Gebäude wie Leuchttürme und Fabriken bauen. Screenshot: 2K Games

Stark verändert hat sich auch das Diplomatie-System: Es fühlt sich deutlich detailreicher an als im Vorgänger. In „Civilization V“ konnte es passieren, dass man in der Antike einen Krieg erklärt hat und die anderen Zivilisationen dies bis zum Spielende nicht vergessen wollten. Weitere diplomatische Handlungen wurden so quasi unmöglich. Nun gibt es Casus-Belli-Kriege, die man unter bestimmten Bedingungen erklären kann. Die betroffene Nation wird einem das weiterhin übel nehmen, die anderen Zivilisationen drücken dann aber ein Auge zu.

NEUER STIL: Grafisch hebt sich "Civilization VI" deutlich von den Vorgängern ab. Die Weltkarten sind detaillierter und in neuer Comic-Anmutung designt. Screenshot: 2K Games
NEUER STIL: Grafisch hebt sich „Civilization VI“ deutlich von den Vorgängern ab.  Karten sind detaillierter und in  Comic-Anmutung gezeichnet. Screenshot: 2K Games

Insgesamt hat Firaxis der Reihe mit „Civilization VI“ eine angenehme Kur verpasst. Kleine Fehler wie eine nicht ganz passende Übersetzung oder wenig aussagekräftige Icons dürften später mit Updates beseitigt werden. Generell macht der sechste Teil im Vergleich zum Vorgänger einen kompletteren Eindruck. Ein Problem von „Civilization V“ war, dass wichtige Elemente wie Religion, Handel, Tourismus oder Spionage im Grundspiel nicht enthalten waren. Dies ist bei „Civilization VI“ anders: Das Spiel fühlt sich schon in seiner Grundversion rund an. Alle Mechaniken, die man auch aus dem Vorgänger kennt, sind da – sogar die großen Kunstwerke.
„Civilization VI“ ist für PC erschienen, kostet rund 60 Euro und ist für Spieler ab 12 Jahren freigegeben. Eine Mac-Version soll noch erscheinen.