Baden-Marathon
Beim Start sind sie noch alle beieinander: Die Teilnehmer eines Marathon oder Halbmarathon. Knapp 8000 Teilnehmer haben sich für die Läufe beim Baden-Marathon am 25. September angemeldet. Foto: dpa

Karlsruher Lauf geht neue Wege

Von Pech und Glück beim Baden-Marathon

Die monatelange Vorbereitung auf seinen ersten Marathonlauf erschien Harald S. nicht so stressig wie die Schwierigkeiten bei der Anfahrt zum Baden-Marathon vor zwei Jahren. Der 46-Jährige aus dem Rhein-Neckar-Kreis musste zittern um seinen Start pünktlich um 9 Uhr an jenem September-Sonntag 2015. Das kam so: „Ich fuhr im Auto eines Kollegen mit, der für den Halbmarathon angemeldet war. Zwei Zuschauerinnen waren noch dabei. Es ging pünktlich los, wir fuhren in Walldorf auf die A 5. Und kurz vor Bruchsal sagte der andere Läufer: ’Oh, Sch…, ich habe meine Schuhe im Flur stehen lassen.’ Blitzschnell mussten wir entscheiden: Weiterfahren, damit wenigstens ich starten kann. Oder noch umkehren? Wir sagten uns: das schaffen wir noch. An der Raststätte Bruchsal ging’s raus, auf der anderen Seite wieder auf die Autobahn und tatsächlich zurück,“ erzählt Harald S.

Stress mit Schuhen oder Schranken

Die schon vorab schweißnassen Läufer verloren 40 Minuten, rasten nach Karlsruhe durch und schafften es irgendwie um 8.45 Uhr an der Europahalle zu sein. Zum Glück hatten einer von ihnen die Startunterlagen bereits am Tag zuvor geholt. Alles endete noch glücklich: Die vertrackte Anfahrt hinderte Harald S. nicht den Turbo zu zünden und unter vier Stunden ins Ziel zu kommen. Selbst der vergessliche Läufer fand zum Runner’s Heaven.

Die Geschichte macht verständlich, warum für den 34. Baden-Marathon am nächsten Sonntag zwar 1114 Marathonis über die 42,195 Kilometer, 4526 für die halbe Strecke und 2216 Teilnehmer des Teamlaufs angemeldet sind, aber eben keine 7956 Leute tatsächlich starten oder ins Ziel kommen werden. Es kann immer etwas dazwischen kommen.
Im Jahr 2013 wurden den Läufern eine natürliche Schranke gesetzt. Bei Kilometer 16 in Weiherfeld. Dort befindet sich ein Bahnübergang. Und der war morgens um 10 Uhr geschlossen. Wegen eines Güterzugs. Irgendwie war zwischen Marathon-Organisatoren und Deutscher Bahn eine Information auf der Strecke geblieben. Einige Läufer sprangen über die Schranken, was den Lokführer zu Warnsignal und Notbremsung veranlasste. Es dauerte zehn Minuten, bis der Weg für die besonders Schnellen wieder frei war. Entsprechenden verärgert zeigen sich ehrgeizige Tempoläufer.

Start und Ziel erstmals bei der Messe

Eine Wundertüte ist auf jeden Fall der Marathon 2016 für die Starter. Sie nehmen eine gänzlich neue Strecke unter die Füße. Weil die Europahalle Karlsruhe für größere Veranstaltungen nicht mehr nutzbar ist, wurde der Start an die Messe bei Rheinstetten verlegt. Der Pulk der Tausenden beginnt die gewünschte Tortur nicht mehr über den Brauer-Boulevard und die Kriegsstraße, sondern auf der B 36 Richtung Daxlanden. Statt ins Beiertheimer Stadion laufen die Teilnehmer in eine Messehalle über den roten Teppich ein. Die gesamten Strecken auf einer Karte oder aus der Vogelperspektive finden Sie hier
Dazwischen bleibt das gewisse Flair eines Stadtmarathons zwischen Häuserschluchten bestehen. Das ZKM passiert man nun in umgekehrter Richtung bei Kilometer 7, natürlich wird das Schlossareal nicht ignoriert und den Bahnübergang muss man immer noch überqueren.  Nur an den Oststädtern und Durlachern geht das Großereignis nun vorbei, weil keiner mehr vorbei läuft.
Vielleicht fällt manchen weniger Trainierten der neue Kurs sogar leichter? Die bislang im letzten Teil des Halbmarathon sehr eklige Brücke vor Bulach ist früher zu bezwingen und zwischen Kilometer 14 und 17 genießen alle die Passage durch die Günter-Klotz-Anlage. Mit hohen Zielen gehen die einen an den Start. Tausende aber wollen einfach durchhalten. Das drücken sie in manchen „Vereinsnamen“ aus, unter denen die Anmeldung läuft.

Lahm aber durstig

So finden sich in der Starterliste „Schweißperle“ und „Eirenmännl“, „Daxlander Wadenbeißer“, „Weinbergschnecken“ oder „Rennschnecken Siefersheim“. Lockerheit demonstrieren die Starter von „Lahm, aber durstig“ und „Lambrusco-Running.“ Doch gewürdigt werden möchten die echten „Amateure“ von den Zuschauern schon. Es war nicht gerade motivierend, dass der Verfasser dieser Zeilen einst bei Kilometer 7 in Durlach als fachmännischen Kommentar eines Mannes am Straßenrand zu hören bekam: „Jetzt komme die Longsome.“

Großereignis Baden-Marathon: Vier Wettbewerbe beginnen am nächsten Sonntag um 9 Uhr an der Messe. Der Baden-Marathon (gesponsert von Fiducia & GAD), der Halbmarathon mit Walking-Halbmarathon (Sponsor LBS) und der Team-Marathon (Sponsor AOK). Für alle Einzelwettbewerbe sind am nächsten Wochenenden noch Nachmeldungen möglich. Bislang sind knapp 8000 Teilnehmer angemeldet. Alle Sportler erfahren besondere Unterstützung durch den Tanzmarathon. Bei dieser Karlsruher Spezialität feuern Ensembles an zahlreichen Stellen die Läufer an.

 

Einen weiteren BNN-Bericht zum Karlsruher Marathon lesen Sie hier