Der Ruf des Wachtelkönigs wurde in diesem Jahr in Hambrücken und Ubstadt-Weiher vernommen. In Bad Schönborn wurde eine ganze Familie mit Jungvögeln beobachtet.
Der Ruf des Wachtelkönigs wurde in diesem Jahr in Hambrücken und Ubstadt-Weiher vernommen. In Bad Schönborn wurde eine ganze Familie mit Jungvögeln beobachtet. | Foto: pr

Bundesweit bedrohte Vogelart

Wachtelkönig hat in Bad Schönborn Familie gegründet

Von Franz Lechner

Der Wachtelkönig kehrt zurück. Und hätte sich Günther Vay aus Bad Schönborn nicht über die komischen Geräusche gewundert, die er nachts aus den Wiesen vor seinem Schlafzimmer hörte, hätte es vielleicht niemand bemerkt. „Er hat die Stimmen mit seinem Smartphone aufgenommen und sie uns geschickt“, berichtet Herbert Geitner. Und der aus Bad-Schönborn stammende Vorsitzende des baden-württembergischen Landesverbands der Deutschen Waldvogelpfleger und Vogelzüchter (VDW) war sofort elektrisiert. Was Günther Vay aufgenommen hatte, war nämlich die Stimme des Wachtelkönigs, eines der seltensten und gefährdetsten Vögel Deutschlands.

„Ornithologische Sensation“

„Als wir daraufhin das Gelände gezielt verhört haben, konnten wir sogar drei verschiedene Vögel feststellen“, erzählt Geitner. Für den Ornithologen stand damit fest: „Crex crex“ – wie der Wachtelkönig wissenschaftlich heißt – ist zurück. „Das letzte Mal, das ich einen Wachtelkönig bei uns gesehen habe, war 1979, da hat ein Landwirt einen Vogel mit abgemähten Füßen zu mir gebracht“, erinnert sich der Vogelschützer, und ergänzt: „Die Rückkehr dieser bundesweit vom Aussterben bedrohten Vogelart in den Landkreis ist eine ornithologische Sensation.“
Das sieht Hans-Martin Flinspach von der Naturschutzbehörde im Landratsamt Karlsruhe genau so. „Wachtelkönige gehören zu stark bedrohten Bodenbrütern. Umso erfreulicher ist es, dass wir in diesem Jahr auch aus den Saalbachwiesen bei Hambrücken, aus Ubstadt-Weiher und aus dem Landkreis Rastatt Meldungen von balzenden Wachtelkönigen bekamen“, berichtet der amtliche Naturschützer.
Während es sich dabei aber wohl um erfolglose Brutversuche handelte, kam es in Bad Schönborn erstmals seit fast einem halben Jahrhundert zu einer erfolgreichen Familiengründung. „Ein Biologe konnte eine ganze Familie mit Jungvögeln beobachten“, berichtet Flinspach. Ein Glücksfall.

Wachtelkönig ist durch Mähmaschinen bedroht

Nicht umsonst hat die Bild-Zeitung den Wachtelkönig einmal als das Phantom der Naturschützer bezeichnet. Selbst dort, wo es sie noch etwas häufiger gibt – im Osten Deutschlands – bekommt die Vögel nämlich kaum jemand zu Gesicht. Hätte sich also Günther Vay nicht über die komischen nächtlichen Geräusche vor seinem Haus gewundert und hätte Geitner die Beobachtung nicht sofort an das Landratsamt gemeldet, wären die Tiere möglicherweise den Mähtod gestorben. „Neben dem Verlust der Wiesen ist das eine der Hauptursachen für den Rückgang des Wachtelkönigs“, sagt Geitner. So aber konnte Flinspach die betroffenen Landwirte gerade noch rechtzeitig darüber informieren, dass sich ein streng geschützter Gast auf ihren Wiesen häuslich niedergelassen hat.
„Bis auf einen waren die Landwirte alle sehr aufgeschlossen und verzichteten darauf, die betroffenen Flächen abzumähen“, sagt Flinspach, erfreut über die Mitarbeit. Und die wird wohl auch nächstes Jahr nötig sein. „Wir gehen davon aus, dass die Vögel auch nächstes Jahr wieder in Bad-Schönborn brüten werden“, sagt Geitner.