Gartenzwerge
GROSSE LEIDENSCHAFT für kleine Zipfelmützenträger: Max Kugler aus Waghäusel mit den verbliebenen Gartenzwergen in seinem Vorgarten. Der Diebstahl von neun Figuren macht ihm zu schaffen. | Foto: Schmidhuber

Diebstahl oder schräge Aktion?

Waghäusel: Das Rätsel um die neun Gartenzwerge

Es gibt sicher wichtigere Themen auf der Welt, und größere Kriminalfälle allemal. Aber für Figurensammler Max Kugler aus Waghäusel ist die Sache eine kleine Katastrophe: In stockdunkler Nacht sind aus seinem Vorgarten neun Gartenzwerge verschwunden. War es ein gewöhnlicher Diebstahl? Oder steckt die mysteriöse „Front zur Befreiung der Gartenzwerge“ dahinter?

Von Werner Schmidhuber

Gartenzwerge – in Deutschland mindestens seit der Goethezeit verbürgt – lassen wohl kaum jemanden kalt. Von manchen werden sie innig geliebt, von vielen bespöttelt und von wieder anderen als Inbegriff der Spießigkeit gehasst. Max Kugler aus Waghäusel-Wiesental gehört klar zur erstgenannten Kategorie. Er liebt seine Gartenfiguren und sagt: „Die Sache hat mich wirklich sehr traurig gemacht.“

Gartenzwerge gehen manchmal auf Reisen

Ganze neun, immerhin 40 Zentimeter große Gartenzwerge sind über Nacht aus seinem Vorgarten verschwunden. Wurden die Zipfelmützenträger in Wiesental einfach nur geklaut? Oder handelt es sich um eine Art Entführung? Immerhin ist seit dem Erfolg des Filmes „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ein Phänomen bekannt, das es nicht nur im Kino gibt: Zuweilen bekennt sich eine gewisse „Front zur Befreiung der Gartenzwerge“ (französisch: „Front de Libération des Nains de Jardin“) zu solchen Gartenzwerg-Aktionen. Per Bekennerbrief und Foto wird den rechtmäßigen Eigentümern dann mitunter der neue Aufenthaltsort der Zwerge verraten – meist in freier Natur, als „dem natürlichen Lebensraum des Gartenzwergs“. Oder die Figur grüßt gar von wechselnden Orten, ein Gartenzwerg auf Reisen gewissermaßen. Es ist verbrieft, dass die selbst ernannten Gartenzwergbefreier-Front erstmals 1996 in Frankreich in Erscheinung trat. Da hilft es auch nichts, dass bereits 1981 eine „Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge“ mit Sitz in Basel gegründet wurde.

GARTENZWERGE WECKEN EMOTIONEN: Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Dieser Gartenzwerg ist Teil eines Kunstprojektes.

Geklaut oder schräge Aktion?

Max Kugler aus Wiesental fehlt für solch schräge Aktionen jedes Verständnis. Er will einfach seine Gartenzwerge zurück. Besonders leidet er unter dem Verlust seines Lieblingszwergs: ein seltener Motorradfahrerzwerg. Vom ursprünglichen Ensemble aus zwölf 40-Zentimeter-Figuren, die liebvoll zwischen die Bepflanzung des Kuglerschen Vorgartens drapiert waren, sind nur noch drei Gartenzwerge verblieben. Zudem noch sechs Kleinzwerge und ein Baumzwerg, welche die Diebe haben stehen lassen. Wie ihre Auswahl zustande kam, darüber lässt sich nur spekulieren.

Max und Muschi blieben im Garten

Auch vergriffen sich die Übeltäter nicht an den weiteren rund 40 Figuren des Vorgartens, darunter Störche und Stacheltiere, Lämmer und Löwen, Max und Muschi, ein „Nasenbohrer“ und ein Nilpferd. Das Desinteresse der Diebe an den anderen Figuren könnte für eine „Gartenzwerg-Befreiungsaktion“ sprechen. Doch ein Bekennerschreiben liegt nicht vor. Und auch beim zuständigen Polizeirevier Philippsburg hat man keine Erkenntnisse über gehäufte Vorkommnisse im Zusammenhang mit Gartenzwergen.
Und Max Kugler vermutet, dass seine kleinen Freunde bereits in einem fremden Ziergarten gelandet sind oder auf einem Flohmarkt verscherbelt wurden. Auch der Motorradfahrerzwerg.

Weblink: Wikipedia-Artikel über die „Front zur Befreiung der Gartenzwerge„.