Waldulmer Winzergenossenschaft
Wie geht es weiter mit der Winzergenossenschaft in Waldulm? Seit dem Scheitern der Gespräche über eine Zusammenarbeit mit Kappelrodeck ist das Personalkarussell in der WG nicht mehr zum Stillstand gekommen. | Foto: Obert (Archiv)

Kellermeister Danner geht 2017

Das Waldulmer Stühlerücken ist nicht zu Ende

Die Winzergenossenschaft Waldulm kommt nicht zur Ruhe. Jüngste Personalie im Kappelrodecker Teilort: Kellermeister Christian Danner wird nach nur drei Jahren an der Spitze das Haus verlassen und an einen anderen Betrieb in der Ortenau wechseln. Dies bestätigte Danner auf Anfrage. Er werde weiter als Kellermeister tätig sein, „aber nicht in der ersten Reihe“, sagte Danner, der seinen Wechsel zum 1. April kommenden Jahres ankündigt. Er gehe ohne Groll: „Ich war sehr gerne hier“. Eine Stellungnahme des Waldulmer geschäftsführenden Vorstands Michael Werner, der seine Aufgabe erst im vergangenen Jahr übernommen hatte, war nicht zu erhalten: Werner ist krankgeschrieben. Er könne bestätigen, dass der Geschäftsführer „im Moment“ krankgeschrieben sei, sagt dazu der Vorstandsvorsitzende Felix Lamm. Weiter gehende Fragen zur Zukunft des Geschäftsführers werde er nicht kommentieren, wie Lamm auf Nachfrage weiter betont.

Geschäftsführender Vorstand hält sich bedeckt

Es sind unruhige Zeiten bei der kleinsten Winzergenossenschaft in der nördlichen Ortenau. Seit 2011 der langjährige Geschäftsführer Bernhard Fischer sein Amt abgegeben hat, ist das Personalkarussell nie mehr zum Stillstand gekommen: Fischers Nachfolger Tino Schneider ging nach weniger als einem Jahr und lieferte sich danach ein unschönes und öffentlich ausgetragenes juristisches Duell mit der WG; Michael Böhly dann leitete die Geschichte der Genossenschaft bis 2015, bevor auch diese Verbindung auseinanderging. Und zu seinem Nachfolger Michael Werner hält man sich jetzt bedeckt – und schafft auf diese Weise Raum für Spekulationen.

Waldulmer stehen im Achertal allein da

Ähnlich unruhig die Situation im Keller: Urban Laible ging 2014, sein Nachfolger Christian Danner hat immerhin drei Herbste in Waldulm eingefahren, jetzt kehrt er dem Kappelrodecker Teilort Waldulm und seinen Weinerzeugern den Rücken. Die stehen ihrerseits vor enormen Herausforderungen. Seit dem brüsken Ende der 2010 aufgenommenen Gespräche über eine Zusammenarbeit der beiden nur 400 Meter auseinander liegenden Nachbargenossenschaften Kappelrodeck und Waldulm stehen die Waldulmer recht einsam da im Achertal. Die Kappelrodecker haben bekanntlich die Fühler längst nach Oberkirch ausgestreckt und sich auf diesem Wege dort verstärkt, wo sie Probleme sahen: Bei der Abfüllung und der Vermarktung. Und die Waldulmer blieben außen vor. Das Problem dabei: Bereits damals hatten beide Häuser die wachsenden Kosten für die Weinerzeuger beklagt, ein Trend der sich in den vergangenen Jahren gewiss fortgesetzt hat.

WG konzentriert sich auf Rotweine

Dazu kommen im oberen Achertal mutmaßlich strukturelle Probleme: Mit 82 Prozent Rotweinanteil haben die Waldulmer kaum Möglichkeiten, wechselndem Verbrauchergeschmack schnell zu folgen. Auch die Kostenstruktur scheint nicht optimal zu sein. Informationen, wonach die Waldulmer bei der Auszahlungsleistung, also der Frage was in Euro pro Hektar für die Winzer herauskommt, ganz am Ende der Skala in Baden liegen, blieben freilich ebenfalls unkommentiert. Weder der scheidende Kellermeister noch der Vorstandschef wollte sich dazu äußern. Christian Danner verteidigt allerdings die ungebrochene Konzentration auf Rotweine: Weil alle anderen Genossenschaften mehr und mehr auf weiße Sorten setzen, sei der Waldulmer Rote in diesem Herbst wieder „recht gesucht“.