Ja, wo samma denn? Möglichst authentisch soll das Oktoberfest am Karlsruher Messplatz auch in seinem vierten Jahr sein.
Ja, wo samma denn? Möglichst authentisch soll das Oktoberfest am Karlsruher Messplatz auch in seinem vierten Jahr sein. | Foto: jodo

Region feiert Oktoberfeste

Warum Imitationen des Volksfests boomen

30 000 Besucher wollen bei Karlsruher Oktoberfesten feiern

Haxen, Trachten und vor allem: Bier. Es gibt sie mittlerweile überall, lokale Versionen des Oktoberfests. Allein Karlsruhe wartet in diesem Herbst mit zwei Großveranstaltungen auf: Das vierte Jahr in Folge soll das „Oktoberfest Karlsruhe“ über 10 000 Besucher auf den Messplatz locken. Die Veranstalter des „Badischen Oktoberfests“ versuchen diese Zahl in der dm-Arena noch zu toppen – und rechnen mit bis zu 20 000 Feierwütigen. Warum das Wiesn-Geschäft auch außerhalb Münchens boomt? „Hier können die Besucher ordentlich Feiern, einen Ausgleich zum stressigen Alltag finden und die Tracht macht die Oktoberfeste noch zu etwas Besonderen“, sagt Richard Dorst, Geschäftsführer von CDS, Veranstalter des Badischen Oktoberfests. Doch von wegen nur „oans, zwoa gsuffa“ – auf Volksfesten spielt ein weiterer Punkt eine wesentliche Rolle, betont der Unterhaltungswissenschaftler Sacha Szabo vom Institut für Theoriekultur in Freiburg: „Hier versichert sich eine Gemeinschaft ihrer Identität.“

Prägt Oktoberfeste und ihre Besucher: Maßweise Bier. | Foto: dpa

Oktoberfeste außerhalb Münchens sind nicht neu

Der größte Rummelplatz der Welt findet seine Spiegelung nunmehr in jeder kleinen Stadt – wieder. Denn was sich im Ausland längst etabliert habe, nachdem etwa die Amerikaner die bayrische Gemütlichkeit als Synonym deutscher Kultur exportiert hätten, komme nun zurück, wie Szabo betont. „Historisch betrachtet ist das nichts Neues. Bereits um die Jahrhundertwende wurde in ganz Deutschland in Hallen nach bayrischer Kultur gefeiert, denn die galt als Gegenteil des preußischen Militarismus.“ Das erkläre auch, warum gerade das bayrische Original sich auf die Volksfeste im Allgemeinen übertrage – etwa auf den Cannstatter Wasen, der selbst eigentlich auf eine lange Tradition zurückblicken kann.  Während der Wasen als eines der größten Volksfeste Deutschlands jedoch umso beliebter wird, haben die kleinen Volksfeste bisweilen mit der bayrischen Übermacht der Oktoberfeste zu kämpfen. „Die Leute wollen eben spektakulär unterhalten werden“, begründet Dorst den Erfolg der Großevents.

Blau-weiß konkurriert mit rot-gelb

Die Beliebtheit zeigt sich beispielhaft am Vorverkauf der Karlsruher Oktoberfeste: Seit Januar läuft dieser für das Oktoberfest auf dem Karlsruher Messplatz. Bernd Noll, Geschäftsführer des Veranstalters Alpha-Marketing, kann über die Zwischenbilanz nicht klagen: „Die Samstage sind bald ausverkauft.“ Sein Erfolgsrezept: „Unsere Version soll authentisch sein und nah am Original, damit am Ende kaum Unterschiede zum Zelt in München aufkommen, bis auf die Sprache vielleicht.“ Auf dem Fest spielen echte Oktoberfest-Bands, auf den Teller kommt klassisch bayrischer Schmaus. Auch beim „Badischen Oktoberfest“ werden manche Kategorien schon knapp. Richard Dorst verfolgt jedoch ein etwas anderes Konzept: Rot-gelb statt blau-weiß heißt das Motto. Auf der Speisekarte stehen Schäufele und badischer Kartoffelsalat. Das Bier kommt aus badischer Traditionsbrauerei und der Sprudel aus dem Schwarzwald. „Was die Bayern können, können wir allemal“, sagt Dorst, der die Messe in einen authentischen Rummel verwandeln will. „Keiner soll mehr merken, dass er in einer Messehalle ist.“ Dafür sollen etwa verschiedene Buden und Jahrmarktstände sorgen. Auf der Freiburger Herbstmess sei das Prinzip überaus gut angekommen. Darum geht der Veranstalter mit dem Konzept in diesem Jahr auf Tour – da habe auch ein Halt in der ehemaligen badischen Residenz nicht fehlen dürfen.

Dieser Aspekt hat durchaus karnevaleske Züge

Dorst und sein Team wollen sich auch bezüglich der Kleidung vom Mainstream absetzen und Schwarzwälder Tracht tragen. Wie die aussieht? „Zum Beispiel wie Birgit Kraft, die Frau auf der Rothaus-Flasche. Wir akzeptieren aber auch Dirndl und Lederhosen“, sagt Dorst und lacht. Ohne letztere komme ohnehin wirklich keiner mehr zu den Oktober- und Volksfesten, betont auch Doll. „Das hat sich in den vergangenen Jahren einfach etabliert. Und wenn die Leute Spaß daran haben, warum nicht“, sagt der Veranstalter des Fests auf dem Messplatz. „Dieser Aspekt hat aber durchaus karnevaleske Züge“, sagt hingegen Unterhaltungswissenschaftler Sacha Szabo. Der echte, Traditionstracht tragende Bayer belächle teilweise die Mode als „Faschingsdirndl“. Hinter dem Trend stecke gesellschaftlich betrachtet jedoch mehr, meint der Experte. „Da findet eine Art ironische Rückversicherung statt, eine spielerische Reinszenierung klassischer Rollenbilder.“ Denn die Oktoberfeste seien auch heute noch etwas, das sie schon immer in Teilen waren: ein Heiratsmarkt.

Jenseits der Alltagssorgen

Eine explizite Zielgruppe können die Veranstalter indes nicht ausmachen – hier feiere, esse und trinke jeder mit jedem. Dass selbst Feiermuffel sich in der Gruppe enthemmt auf die Biertische begeben, liege am Rauschhaften, das den Festen und dem Jahrmarkt anheim liege, erklärt Szabo: „Diese Feste sind auch darum so beliebt, weil sie ein kurzes Jenseits der Alltagssorgen erlauben.“ Rauschbringer seien etwa auf dem Jahrmarkt die Achterbahn und auf dem Oktoberfest selbstredend der Alkohol. „Natürlich gibt es trotzdem den Fall, dass sich jemand mal deplatziert fühlt.“
Apropos Alkohol: Sehnsüchtig erwarten Fans des Oktoberfests alle Jahre wieder die Verkündung des Bierpreises – nach der die Maß in diesem Jahr bei 11,60 Euro liegt. Eigentlich gute Nachrichten für die Besucher, die eines der Feste fern des Freistaats besuchen: Sie kommen mit Maßpreisen von knapp neun Euro wesentlich günstiger weg.

Karlsruher Oktoberfeste:
Das Oktoberfest Karlsruhe schlägt seine Zelte am 23.,24. und 30. September sowie am 1. und 2. Oktober auf. Hier gibt es Tickets für die Veranstaltung auf dem Messplatz.
Wer es am 9.,10.,16. und 17. September lieber badisch-bayrisch mag, kann sich hier für das Badische Oktoberfest an der Messe einen Platz reservieren.