In einigen Tagen wird das Gerüst am Neuen Schloss verschwunden sein. Zur späteren Fassadenrenovierung wird dann ein anderes benötigt.
In einigen Tagen wird das Gerüst am Neuen Schloss verschwunden sein. Zur späteren Fassadenrenovierung wird dann ein anderes benötigt. | Foto: Bernd Kappler

Baden-Baden

Was wird aus Neuem Schloss?

Am Neuen Schloss in Baden-Baden werden bereits in einigen Tagen die letzten Teile des vor über fünf Jahren für die Sanierung des Daches errichteten Gerüstes verschwunden sein. Urlaubsbedingt hätten sich die Arbeiten etwas verzögert, sagte eine Mitarbeiterin der „Neues Schloss Management und Services GmbH“ am Mittwoch vor Ort. Bei dem Termin für die örtlichen Medienvertreter betonte sie, dass der Eindruck, am Projekt Neues Schloss gehe nichts voran, falsch sei. Hinter den Kulissen passiere sehr viel. Aufgrund der Komplexität brauche aber alles seine Zeit.

Vom Gerüst befreit zeigt sich bereits der Haupteingang am Neuen Schloss.
Vom Gerüst befreit zeigt sich bereits der Haupteingang am Neuen Schloss. | Foto: Bernd Kappler

Offenbar wird immer noch am Gesamtkonzept für das geplante Schlosshotel gefeilt. Der Durchbruch scheint aber noch nicht gelungen zu sein. Vermutlich – so jedenfalls die Einschätzung von Experten – stehen die Kosten und das Bemühen, diese überschaubar zu halten, im Mittelpunkt.

Rückblende in die jüngere Geschichte des Projekts: Nach der mit Millionenaufwand erfolgten Instandsetzung der Dächer und der Mauern am Schlossberg, hatte Schlossbesitzerin Fawzia Al-Hassawi im Mai 2014 den Abschluss eines 25-jährigen Betreibervertrages mit der weltweit operierenden Hotelgruppe Hyatt präsentiert und den Italiener Moreno Occhiolini als Projektentwickler vorgestellt. „Wir wollen schnell anfangen“, sagte Occhiolini damals. Fertigstellung des Luxushotels mit 146 Zimmern und Suiten sollte im Jahr 2017 sein. Eine 60-seitige Hochglanzbroschüre informierte über das Vorhaben.

Wie in den Folgemonaten zu hören war, werkelten Architekten und Hotelexperten am Konzept und optimierten Abläufe. Konkretes wurde nicht bekannt und von Projektentwickler Occhiolini hörte man nichts mehr. Stattdessen bat die Schlossherrin im August vorigen Jahres eine städtische Delegation unter Führung von OB Marget Mergen auf den Florentinerberg und stellte den Frankfurter Rechtsanwalt Thomas Wahlen als neuen Berater vor.

Wann kommt Gesamtkonzept?

Sie befasse sich derzeit intensiv mit der Zusammenstellung eines schlagkräftigen Teams an Fachleuten. Dieses soll sich direkt mit dem späteren Hotelbetreiber Hyatt wegen der Ausstattung abstimmen. Konkret: Die Architekten- und Planungsgruppe TSP mit Büros im Murgtal und in Berlin war mit der Überprüfung der bisherigen Planungskonzeption beauftragt worden.

Gegenüber den BNN hatte Thomas Wahlen Anfang dieses Jahres mitgeteilt, dass noch im März der Schlussbericht einer Expertengruppe vorliegen soll. Dann könnten Entscheidungen getroffen werden.
Im Juni stelle Fawzia Al Hassawi dann bei einem Besuch im Rathaus den Finanzchef der Al-Hassawi-Gruppe, Ravi Narayanan, vor und mit ihm den (neuen?) Architekten und Projektdirektor Bechir Belkhiria. Damals kündigte sie den baldigen Abbau des Gerüstes an und unterstrich, dass sie an ihrem Projekt festhalten werde.
Wann daran ein Knopf kommen wird, war allerdings auch gestern nicht zu erfahren.

Kommentar zum Thema

Wenn es ums Neue Schloss geht, muss man die Worte sorgsam auswählen. Euphorie gibt es schon lange nicht mehr. Zu lange dauert schon die unendliche Geschichte. Jetzt tut sich was: Das Gerüst kommt weg! – Ein neuer Anfang oder der Anfang vom Ende? Werden die Hotelpläne Wirklichkeit oder wird doch noch alles ganz anders? – Niemand weiß es genau.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, muss man wohl vor allem Mentalitäten studieren. Arabische und (!) deutsche. Für uns ist Zeit Geld, im Morgenland offenbar nicht. Dort herrscht die Einstellung, dass Privatsachen niemanden etwas angehen und an der Oos wird das Neue Schloss zur öffentlichen Sache erklärt. Lassen wir das mal dahingestellt und analysieren die Fakten nüchtern.

Da auch zwei Jahre nach der Präsentation eines Hotelbetreibers immer noch kein Gesamtkonzept für das Schlosshotel vorliegt, wagen wir den Schluss, dass augenscheinlich die Kosten das Hauptproblem sind. Und da bleibt es spannend: Bei welchem Betrag X ist Schluss? Eine Frage, die so schnell nicht geklärt sein wird.
Freuen wir uns unterdessen, dass die Schlossherrin von sich aus das Tor hat öffnen lassen, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es auf dem Schlossberg tatsächlich vorwärtsgeht. Ein kleines Signal, dem (aus ungeduldiger deutscher Sicht) deutlichere folgen sollten.