Das Deutsche Rote Kreuz Karlsruhe ist ein kreisverband mit 37 500 Mitgliedern.
Das Deutsche Rote Kreuz Karlsruhe ist ein kreisverband mit 37 500 Mitgliedern. | Foto: dpa

37 500 Mitglieder

Wechsel beim DRK Karlsruhe

Es sind nur wenige, die dem Deutschen Roten Kreuz noch das verstaubte „Sani“-Image verpassen. Etwas altbackene Helfer, die mit Uniform und Kappe auf dem Sportplatz Dienst schieben. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist tatsächlich etwas ganz anderes: Ein wohlstrukturierter Großverein, dessen Stärke die rund 90 selbstständigen Ortsvereine und ein breites Angebot sozialer Dienstleistungen sind. Wie das eine mit dem anderen zusammenwirkt, wird deutlich am Beispiel der Notfallhilfen. In etwa 75 Ortschaften des Kreises und der Stadt Karlsruhe gibt es diese gut geschulten, eigenständig agierenden Gruppen, die Leben retten können. Die Notfallhilfen verfügen über einen Defibrillator und können nach Alarmierung dank ihrer räumlichen Nähe in kürzester Frist und noch vor dem Notarzt beim Patienten sein. Über 5 000 Einsätze gab es im vergangenen Jahr. Einer, der auf dieses gegen anfängliche Widerstände der Fachwelt eingeführte System besonders stolz ist, ist der 79-jährige Kurt Bickel. Der Rechtsanwalt aus Karlsruhe, hat nach 16 Jahren als Kreisvorsitzender den Stab weitergereicht. Kürzlich wurde der vormalige Innenminister Heribert Rech zum Nachfolger gewählt.

Das imponiert schon

Es ist viel Empathie dabei, wenn die beiden, die sich freundschaftlich verbunden sind, über das DRK sprechen. Der Mittsechziger Rech mit seiner noch jungen DRK-Historie zeigt sich beeindruckt von den Jugendlichen, die er etwa bei Leistungswettbewerben trifft. „Das imponiert schon, wie sich die jungen Leute da einsetzen.“ Besonders imponiert hat ihm das Ergebnis einer Aufgabe, als die Jugendrotkreuzler in einem Kurzvortrag darlegen sollten, wie sie Flüchtlingen helfen – „das waren zwölf-, 13-jährigen Jugendliche, und die haben ganz konkret und frei gesprochen“. Den sozialen Wert solchen Engagements fasst Kurt Bickel etwas rustikal zusammen: „Wer einmal einen Kameraden verbunden, haut keinem mehr auf die Schnauze.“ Für ihn ist die „bestimmende Konstante des Mitwirkens beim DRK die Menschlichkeit“.

Kurt Bickel war 16 Jahre Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Karlsruhe.
Kurt Bickel war 16 Jahre Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Karlsruhe. | Foto: Alabiso

Kurt Bickel kam in den späten neunziger Jahren in schwieriger Zeit beim DRK-Kreisverband Karlsruhe ans Ruder. Der Verein war am Rande der Zahlungsunfähigkeit, die Insolvenz drohte. Mit „eisernem Sparen“ und einer „guten Mannschaft“, für die immer wieder stellvertretend Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann erwähnt wird, zog Bickel den Karren aus dem Dreck. „Heute“, so kann Nachfolger Rech beruhigt erkennen, „stehen wir mit geordneten Finanzen da.“ Eine Erhöhung des Mindestbeitrags von 24 Euro, die vor etwa zehn Jahren für viel Wirbel sorgte, ist derzeit kein Thema, denn „sehr viele Mitglieder zahlen ohnehin deutlich mehr“.

Selbstständige Ortsvereine

Als einen in der Struktur des Kreisverbands entscheidenden Punkt sieht Bickel „die Selbstständigkeit der Ortsvereine“. Wer eigenverantwortlich arbeiten könne, engagiere sich ganz anders als einer, dem „von oben“ alles vorgegeben wird. Das werde besonders im ländlichen Raum in der Zusammenarbeit mit den Rathäusern deutlich. Dort sei zum einen das ehrenamtliche Wirken im DRK ausgeprägter als in der Stadt und zudem – so Bickel – genieße der Ortsverein als „Reservearmee des Bürgermeisters“ zusammen mit den Freiwilligen Feuerwehren hohes Ansehen aufgrund hoher Verfügbarkeit und Leistungsbereitschaft in vielen Einsätzen. Selbstständig handelte Bickel auch als Kreisvorsitzender beim Elbe-Hochwasser 2002. Für ihn war klar: „Da müssen wir helfen.“ Eine informatorische Anfrage beim Landesverband brachte den Hinweis, den Bundesverband konsultieren zu müssen. Bickel konsultierte nicht, er entschied: „Das machen wir.“ Und noch am gleichen Abends starteten 35 DRK-Fahrzeuge und 250 Mann aus der Region in den Osten. Dort packten die Rotkreuzler an, wo es nötig war. Für Evakuierte und Helfer bereiteten sie täglich 5 000 Essen zu. Für Bickel war dies ein Einsatz, „den ich nie vergessen werde“.

Über 330 hauptamtliche Mitarbeiter

Der DRK-Kreisverband Karlsruhe ist stark verwurzelt im Rettungsdienst und im Krankentransport – da sind auch viele der insgesamt über 330 hauptamtlichen Mitarbeiter beschäftigt. Das Hausnotrufsystem für ältere und pflegebedürftige Menschen ist technisch ausgeklügelt und erfreut sich bei knapp 3 000 Anschlüssen starker Nachfrage. Blutspenden, Sanitätsdienst, Sozialarbeit – die Tätigkeitsfelder sind breit gestreut. Zudem hat das DRK Karlsruhe eine Medizinakademie gegründet, die über Youtube auf starkes Interesse stößt.

Heribert Rech war Innenminister des Landes Baden-Württemberg. Er hat jetzt den Vorsitz beim DRK-Kreisverband Karlsruhe übernommen.
Heribert Rech war Innenminister des Landes Baden-Württemberg. Er hat jetzt den Vorsitz beim DRK-Kreisverband Karlsruhe übernommen. | Foto: Alabiso

Dennoch bleiben Herausforderungen für die Zukunft. Für den neuen Vorsitzenden Heribert Rech geht es dabei um die Folgen des demografischen Wandels. „Die werden ganz schnell auf uns zukommen“, betont er und macht dabei auf zwei Dinge aufmerksam. „Zum einen geht es um den Kreisverband selbst. Wir brauchen junge Mitglieder und junge Aktive. Zum anderen sind es unsere Tätigkeitsfelder. In der Seniorenarbeit wird immer mehr auf uns zukommen, denn es wird einfach immer mehr ältere Menschen geben, die in irgendeiner Form Hilfe benötigen.“ Dieses Thema in die Bevölkerung hinein zu vermitteln, sieht Rech als eine zentrale Aufgabe an. Dass es dabei allein nicht bleibt, weiß der neue Vorsitzende. Stetig wiederkehrend sind beispielsweise Diskussionen um Geld oder Einsatzzeiten, etwa wenn es um den Rettungsdienst geht. Der langjährige Politiker Rech – er war 24 Jahre Mitglied des Landtags – sagt zwar, er müsse sich in all diese Themen noch einarbeiten, doch ist das Führen komplizierter Verhandlungen und das Durchsetzen von Zielen für ihn kein Neuland. Dabei wird ihm auch zugute kommen, dass er gut vernetzt ist.
Kurt Bickel ist „sehr froh“, dass Rech ihn im Kreisvorsitz beerbt. Der wiederum verweist auf die „großen Verdienste“ des Vorgängers. Auf dessen freundschaftlichen Rat will nicht verzichten.

www.drk-karlsruhe.de
www.youtube.com (Kanal: drkkvka)