Ettlinger Antikriegsdenkmal: Der Schöpfer Oskar Alexander Kiefer wusste um die Schrecken des Ersten Weltkriegs.
Ettlinger Antikriegsdenkmal: Der Schöpfer Oskar Alexander Kiefer wusste um die Schrecken des Ersten Weltkriegs. | Foto: Archiv Weis

Ausstellung in Ettlingen

„Der Weltkrieg aus dem Blickwinkel von unten“

Von unserer Mitarbeiterin Lena Kube

„Das Schicksal der vielen Ettlinger, die im Ersten Weltkrieg auf den Schlachtfeldern ihr Leben ließen oder schwer verletzt nach Hause zurückkehrten und das der unter Kriegsfolgen leidenden Bevölkerung darf nicht in Vergessenheit geraten“, meint Katherine Quinlan-Flatter. Die gebürtige Engländerin, die seit Jahren in Ettlingen wohnt, hat mit enormer Energie und Akribie die Ausstellung „Ettlinger im Ersten Weltkrieg“ inhaltlich vorbereitet und gestaltend aufgebaut. Die Ausstellung wird heute um 19 Uhr im Ettlinger Schloss gemeinsam mit der deutsch-französischen Wanderausstellung „Menschen im Krieg 1914 – 1918 am Oberrhein“ eröffnet. „Die beiden Ausstellungen nähern sich der Thematik ,Erster Weltkrieg’ nicht aus dem Blickwinkel des Militärhistorikers oder der Sicht des Staates, sondern aus dem Blick von unten, der von den Geschehnissen betroffenen Menschen“, erläutert Dorothee Le Maire, Leiterin des Stadtarchivs Ettlingen. Quinlan-Flatter habe in ihrer historischen Recherche, insbesondere durch das Lesen vieler Feldpostbriefe von jungen Ettlingern, die an der Front gewesen seien, viel Neues über persönliche Schicksale zutage gefördert. Nicht zuletzt durch zahlreiche Leihgaben Ettlinger Bürger kann ein umfangreicher Einblick in das Leben der Menschen zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges geboten werden. Viele Fotos, Briefe und Gegenstände, die von dieser Zeit erzählen können, lagen viele Jahrzehnte in Kellern, Speichern und Archiven und galten teilweise als verschollen. Jetzt werden sie im Ettlinger Schloss in einer ganz besonderen Ausstellung gezeigt.

Er schreibt wie eine eingebetteter Kriegsberichterstatter

Katherine Quinlan-Flatter betreibt seit drei Jahren einen Online-Blog über die Ettlinger Stadt zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Mit diesem gewann sie 2014 den Kulturpreis der Stadt Karlsruhe. Ihr schönster Fund bei den Recherchearbeiten sei die Entdeckung von Feldpostbriefen im Keller der Landesbibliothek Speyer gewesen, in welchen der junge Medizinstudent Theodor Kiefer von seinem Alltag an der Front berichtet. Theodor Kiefer ist ein Bruder des berühmten Oskar Alexander Kiefer, Schöpfer des Antikriegsdenkmals am Ettlinger Rathaustorbogen. „Er schreibt wie ein eingebetteter Kriegsberichterstatter“, ist Quinlan-Flatter ganz begeistert von der Kieferschen Feldpost. Zwölf der Briefe werden transkribiert ausgestellt und lassen die Besucher die Gedanken und Schilderungen des Arztes noch einmal nacherleben. In Ettlinger Nachlässen wurden zudem Fotonegative gefunden, die noch nie zuvor entwickelt oder veröffentlicht wurden. Experten untersuchten die Bilder und konnten zu einem großen Teil die Orte der Aufnahmen ausfindig machen.
In einem weiteren Zimmer wird die Heimat und das Alltagsleben der Ettlinger Bürger zwischen den Jahren 1914 und 1918 gezeigt.

Weltkrieg: Direkte Einblicke ins damalige Leben

Auszüge aus Kriegstagebüchern bekannter Ettlinger wie Richard Barth, Redakteur der Ettlinger Zeitung „Mittelbadischer Kurier“ sowie des Heimatforschers und katholischen Ettlinger Dekans Augustin Kast gewähren den Besuchern einen Einblick in die damaligen Lebensumstände. Die detaillierten Beschreibungen des Alltags in der Heimat und an der Westfront erschrecken und faszinieren zugleich. Geschichten und Briefe von Ettlinger Krankenschwestern eröffnen einen Blick auf die fürchterliche Arbeit der Sanitätsdienste an menschlichen Körpern.

Service

Die Ausstellungen des Stadtarchivs in Kooperation mit dem Museum Ettlingen im Schloss läuft bis zum 30. Oktober. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11 Uhr bis 18 Uhr. Führungen durch die Ausstellung, insbesondere für Gruppen, können unter Telefon (0 72 43) 10 14 67 angefragt werden.
Links zu der Ausstellung „Ettlinger im Ersten Weltkrieg“ im Internet wie folgt: www.ettlingenww1.blogspot.de oder www.thesommereports.blogspot.de oder www.thekieferbrothers.blogspot.de.