TEMPO, TEMPO! Viele Online-Angebote lassen sich nur bei schneller Datenübertragung nutzen.
TEMPO, TEMPO! Viele Online-Angebote lassen sich nur bei schneller Datenübertragung nutzen. | Foto: Warnecke

Datenturbo für daheim

Wenn das WLAN lahmt

Von Tobias Hanraths

Wer seine Geräte per Kabel vernetzt, hat in der Regel wenig Probleme mit schlechten Verbindungen. In den meisten Haushalten kommt aber WLAN zum Einsatz, viele Endgeräte lassen sich anders gar nicht mehr verbinden – und da wird es kompliziert. Denn mit der Drahtlosübertragung kommen zahlreiche Fehlerquellen ins Spiel.

Router gehört mitten in die Wohnung

Wie schnell das WLAN arbeitet, hängt oft von Kleinigkeiten ab. Als erste Reparaturmaßnahme empfiehlt das „c‘t“-Fachmagazin daher, den Router möglichst in der Mitte der Wohnung aufzustellen und mit der Ausrichtung der Antennen zu experimentieren. Internet-Speedtests wie speedof.me oder speedtest.net helfen bei der Netzwerkanalyse, für Tablets und Smartphones gibt es Gratis-Apps wie Wifi Analyzer (Android) oder Network Analyzer Lite (iOS).

 FREIE SICHT: Selbst ohne HIndernisse zwischen Router und Endgerät bereitet das WLAN-Signal manchmal Probleme. Foto: Gabbert

FREIE SICHT: Selbst ohne HIndernisse zwischen Router und Endgerät bereitet das WLAN-Signal manchmal Probleme. Foto: Gabbert

Selbst mit einem gut aufgestellten Router und optimal ausgerichteten Antennen kann es aber passieren, dass im WLAN nur ein Bruchteil der eigentlich möglichen Datenrate zur Verfügung steht. Ursache dafür können Funkstörungen sein. Denn die Übertragung im WLAN läuft über die Frequenzbänder 5 und 2,4 Gigahertz (GHz). „Gerade das 2,4-Frequenzband ist dafür aber eigentlich nicht so gut geeignet, weil dort auch viele andere Geräte funken“, erklärt Christian Bornkessel von der Forschungsgruppe HF- und Mikrowellentechnik an der TU Ilmenau.

Mikrowelle funkt dazwischen

Beispiele für solche anderen Geräte sind zum Beispiel Bluetooth-Kopfhörer und -Lautsprecher, und sogar die Mikrowelle. „Wenn die etwas älter ist und die Tür nicht mehr so dicht, kann es schon sein, dass sie das WLAN stört“, sagt Bornkessel. Aber gerade in Mehrfamilienhäusern stören weniger die eigenen Geräte, als die Router der Nachbarn. Denn deren WLAN arbeitet in der Regel auch mit dem 2,4-GHz-Band – und dort ist kaum Platz für viele Netze. „Mehr als drei Leute können da parallel kein separates WLAN betreiben, ohne sich gegenseitig zu stören, selbst wenn die Frequenzen optimal verteilt und ausgelastet sind“, erklärt Bornkessel.

WO LIEGT DAS PROBLEM? Wenn die drahtlose Verbindung lahmt, kann das viele Ursachen haben - manchmal ist der Nachbar die Fehlerquelle. Archifoto: Stache
WO LIEGT DAS PROBLEM? Wenn die drahtlose Verbindung lahmt, kann das viele Ursachen haben – manchmal ist der Nachbar die Fehlerquelle. Archifoto: Stache

Mit ein wenig Glück lassen sich die störenden Nachbar-WLANs umgehen, indem Nutzer im Menü des Routers manuell einen ungenutzten Kanal wählen. Ausprobieren hilft. „Viele Router machen das eigentlich automatisch, aber man kann sich darauf nicht immer verlassen“, sagt Bornkessel. Ansonsten bleibt nur die Flucht ins 5-GHz-Frequenzband. Hier gibt es erstens mehr Platz für Parallel-Netzwerke, zweitens insgesamt weniger Funkverkehr. Voraussetzung ist allerdings, dass der Router und alle Endgeräte das 5-Gigahertz-Frequenzband auch unterstützen.

Wenn die Decke zu dick ist

Wer auf dem Land oder im Einfamilienhaus lebt, hat solche Probleme in aller Regel nicht, muss sich dafür aber mit baulichen Hindernissen herumschlagen. „Ein weiterer Faktor ist die Dämpfung, zum Beispiel durch Stahlbetondecken oder gut thermoisolierte Fensterscheiben“, sagt Bornkessel. In solchen Fällen ist der Wechsel auf 5 GHz keine Lösung, sondern kontraproduktiv, warnt der Experte: „Mit der Frequenz steigt die Dämpfung noch.“

Stattdessen empfehlen die „c‘t“-Experten, das Netzwerk zu erweitern. Beste Lösung dafür sind sogenannte Access Points, die im Idealfall per Netzwerkkabel mit dem Router verbunden werden. Alternativ lassen sich die Zugangspunkte zum Beispiel auch per Powerline-Adapter durch die Stromleitung ansteuern, allerdings nicht mit der gleichen Geschwindigkeit wie per Spezialkabel. Ganz ohne Kabel geht der WLAN-Ausbau mit sogenannten Repeatern.

Veralteter Funkstandard

Deutlich schneller kann lahmes WLAN auch durch einen Wechsel des Funkstandards werden. Die besten Übertragungsraten bieten aktuell Router, die mit dem ac-Standard arbeiten, viele Geräte funken aber noch mit dem langsameren n-Vorgänger. Auch hier gilt jedoch: Sinnvoll ist der Wechsel nur, wenn auch die Endgeräte ac unterstützen. Außerdem muss dann auch der Internetanschluss schnell genug sein.

Doch selbst das beste und zuverlässigste Heimnetzwerk nutzt nichts, wenn der Anschluss alle Surferei ausbremst. Und das kann auch Kunden passieren, die schnelle Verbindungen gebucht haben. Denn häufig entspricht die tatsächliche Datenrate nicht dem versprochenen Wert. Das zeigt eine Studie der Europäischen Kommission: Durchschnittlich erreichen demnach innerhalb der EU Breitband-Internetzugänge nur 75 Prozent des gebuchten Tempos.

ENDKONTROLLE: Reicht die Geschwindigkeit trotz aller Bemühungen am Ende immer noch nicht, hilft nur ein Wechsel der Technologie oder des Anbieters. Foto: Warnecke
KONTROLLE: Reicht die Geschwindigkeit trotz aller Bemühungen am Ende immer noch nicht, hilft nur ein Wechsel der Technologie oder des Anbieters. Foto: Warnecke

Kabel- und Glasfaseranschlüsse sind demnach etwas zuverlässiger, DSL-Kunden stehen aber im Schnitt weniger als zwei Drittel der angepeilten Datenrate (63 Prozent) zur Verfügung. Ein Wechsel von Provider oder Technologie kann hier je nach Wohnort Wunder wirken.