Kinderkram
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Neues aus dem Elternleben

Wer’s nicht glaubt, der saugt

Im Alltag mit Kindern bekommt man häufig genug Gelegenheit, über verpasste Chancen nachzudenken. Beim Herauspulen kleinster Plastikteile aus dem Staubbeutel, nach dem Saugen eines Mädchen-Kinderzimmers, zum Beispiel. Dreizehneinhalb Minuten Lebenszeit kostete neulich die Extraktion eines daumennagelgroßen, weiß-pinken Kunststoffstücks aus dem Darm der Maschine. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das Teil als amerikanischer Getränkebecher mit Deckel, Strohhalm und einem geöffneten Ring an der Seite. Der dient dazu, das Trinkgefäß irgendwo anzuklipsen. Die Frage ist nur: Wo?
Die Nachfrage bei der Besitzerin bringt überraschende Einsichten. „Das gehört zu meinem Pony-Kino“, antwortet die junge Dame mit einer Selbstverständlichkeit, die jeden Neuankömmling auf diesem Planeten davon überzeugen muss, dass es an jeder Ecke Pony-Kinos gibt. Auf Drängen der Erziehungsberechtigten fördert die Tochter ein mittelgroßes Plastikgebilde zu Tage, das eine gefüllte Popcorn-Tüte darstellt. „Pony Cinema“ steht darauf und klappt man die Tüte in der Mitte auseinander, offenbart sich der Innenraum eines Hollywood-Glamour-Kinos mit Balkonloge und Samtsessel. „Aha“, kommentiert die Mutter mild amüsiert und hakt nach: „Wer soll denn da sitzen?“ Die Tochter (stirnrunzelnd, ob der parentalen Unwissenheit): „Na. Fallaballa natürlich.“ Spricht’s und hält ein Plastikpony mit Wallemähne in die Höhe. „Hier. Siehst Du?“ Mit einer geschmeidigen Handbewegung klippt das Fräulein den winzigen Getränkehalter an Fallaballas Ponybein und platziert das Ganze auf dem Logenplatz. „Jetzt kann sie Filme gucken.“
Ein Lichtspieltheater für Huftiere! Hätte man darauf kommen können, fragt man sich beim Weiterputzen und – als Geschäftsführerin einer Spielzeugfirma – wie hätte man reagiert, angesichts des euphorischen Entwicklers und seiner neuesten Idee? „Ein Kino, Chefin, in einer Popcorn-Tüte mit Getränkehalter und Loge. Nur für Ponys! Das wird DER Hit!“
Wahrscheinlich hätte keine halbwegs normal sozialisierte Westeuropäerin in Elternzeit auch nur einen Pfifferling auf die Idee gegeben. Geschweige denn einen müden Hongkongdollar investiert. Tja – das ist eben Pech! Und bei so wenig unternehmerischem Weitblick eigentlich auch kein Wunder, dass man immer noch am falschen Ende des Staubsaugers steht.