sitzende Wildkatze auf einer Wiese vor dem Wald bei Obergrombach
Sieht zahm aus, ist aber wild: In Bruchsal hat erstmals eine Wildkatze für die Fotokamera posiert. | Foto: Franz Lechner

Kleine Tiger auf dem Vormarsch

Erste Wildkatze in Bruchsal geknipst

Von Franz Lechner

Es ist wahrscheinlich die erste in Bruchsal fotografierte Wildkatze: Nur kurz sonnte sich das Tier vor dem Wald fast zwei Kilometer außerhalb von Obergrombach in der Abendsonne, dann verschwand es hastig in einem Getreidefeld. Zwar sind Wildkatzen nur durch einen genetischen Nachweis von ähnlich gemusterten Hauskatzen zu unterscheiden, aber der buschige Schwanz mit der deutlichen schwarzen Endbinde und vor allem das völlig verwaschene Fell, dem die bei graugemusterten Hauskatzen typische schwarze Zeichnung fehlt, sprechen deutlich für den wilden Verwandten der Hauskatze.

Die Wildkatze galt lange als ausgerottet

Eine Überraschung wäre es ohnehin nicht mehr, wenn auch in Bruchsals Wäldern Wildkatzen leben. Vor einigen Jahren galten die Tiere noch in ganz Baden-Württemberg als ausgerottet. Seit man näher nachschaut und durch mit Baldrian bestrichene Lockstäbe an Haarproben kommt, ist sie rings um Bruchsal an vielen Orten entdeckt worden. In Kraichtal-Unteröwisheim bei Gochsheim, in Graben-Neudorf, Dettenheim – warum also auch nicht in Bruchsal?

Vielleicht war die Wildkatze nie ganz weg

Zumindest in den Stadtteilen Heidelsheim, Ober- und Untergrombach gibt es noch die großen, zusammenhängende Waldareale, die Wildkatzen mögen. Ob sie sich tatsächlich erst in den letzten Jahren wieder ausgebreitet hat – wie viele Fachleute glauben – oder ob sie nie ganz verschwunden war, kann heute niemand mehr genau sagen. Meldungen von Wildkatzen gab es jedenfalls schon seit Jahrzehnten auch rund um Bruchsal immer wieder. Solange es keine wissenschaftlichen, also genetischen Nachweise gab, hat sie nur niemand ernst genommen.