Ebersteinburg ist immer wieder das Ziel von Wildschweinrotten, die die Wiesen bis an die Vorgärten verwühlen. Das Bild zeigt die Situation vor einem Jahr.
Ebersteinburg ist immer wieder das Ziel von Wildschweinrotten, die die Wiesen bis an die Vorgärten verwühlen. Das Bild zeigt die Situation vor einem Jahr. | Foto: Christiane Krause-Dimmock

Stadtwald Baden-Baden

Wildschweine fühlen sich sauwohl

Der Eindruck, den Wanderer und Spaziergänger derzeit haben, wird vom Baden-Badener Forstamtsleiter Thomas Hauck geteilt: „Subjektiv haben die von Wildschweinen verursachten Wühlschäden in den vergangenen Wochen stark zugenommen.“ Exakte Zahlen kann Hauck noch nicht liefern, denn die herbstlichen Drückjagden, bei denen es den besten Überblick über die Wildschweinpopulation gibt, finden erst im November statt.

Mehr Wildschweine

Erste Hinweise über die Entwicklung erwartet der Forstamtsleiter im Übrigen parallel in den nächsten Wochen, wenn entsprechende Schadensmeldungen beim Forstamt eingereicht werden. Eine Steigerung zu den Vorjahren ist nicht ausgeschlossen, denn dem Schwarzwild im Baden-Badener Stadtwald geht es seit Jahren buchstäblich „sauwohl“. Milde Winter mit wenig Schnee, dazu eine „Mast“ mit reichlich Eicheln, Bucheckern und Kastanien seit Jahren in Folge haben die Rotten  wachsen lassen.

Regelmäßig im Herbst, wenn es regnet fühlen sich die Schwarzkittel zudem auf die Wiesen eingeladen, um dort nach tierischem Eiweiß wie Würmern und Engerlingen zu graben – zum Verdruss der Feld- und Wiesenbewirtschafter.

Zäune sollen schützen

Die Stadt hat ihre wertvollsten Flächen schon vor Jahren durch Zaunanlagen vor den Heimsuchungen der Wildschweine gesichert, den Merkurgipfel

Mit Zäunen schottet die Stadt die wertvollsten Flächen vor Wildschweinen ab, unter anderen auch den Merkurgipfel.
Mit Zäunen schottet die Stadt die wertvollsten Flächen vor Wildschweinen ab, unter anderen auch den Merkurgipfel. | Foto: Bernd Kappler

mit seinen touristischen Einrichtungen schützt zum Beispiel ein Elektrozaun. Hauck schätzt, dass gesamtstädtisch eine höhere Summe im fünfstelligen Bereich in solche Schutzanlagen investiert werden musste, wobei das Meiste über das Konto des Gartenamtes läuft.
Was tun? – „Jagen“, sagt Thomas Hauck, wohl wissend, dass das nicht einfacher geworden ist. Ein Winter mit Schnee könnte da Wunder vollbringen, denn die Meister der Deckung sind ohne Spuren nicht leicht aufzuspüren.

Was wird aus Saufang?

Und was ist mit dem Thema Saufang? – Thomas Hauck macht nicht den Eindruck, als ob das städtische Forstamt hier noch große Lust auf eine Neuauflage des Pilotprojektes hat. Im vergangenen Jahr hatte man bekanntlich einen Antrag auf die Verlängerung des Versuchs gestellt, vom Forstministerium in Stuttgart dann den Rüffel bekommen, der Antrag sei zu spät gestellt worden. Entschieden sei aber bis heute noch nichts, bestätigt der Forstamtsleiter: „Wir warten.“

Jagd im Landesinteresse

Dabei liegt die Jagd auf Wildschweine nach wie vor im Interesse des Landes. „Aus Sicht der Landesregierung ist eine Reduzierung der Schwarzwildbestände dringend erforderlich, zum einen angesichts lokaler Schadensschwerpunkte, zum anderen angesichts des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in den baltischen Staaten“, schrieb die Landesregierung vor wenigen Tagen in einer Landtagsdrucksache. Minister Peter Hauk habe daher bereits mit Pressemeldung vom 19. August zur Intensivierung bei der Schwarzwildbejagung sowie zur Kooperation der betroffenen Akteure aufgerufen. Für eine effektive Schwarzwildbejagung bedürfe es der konstruktiven Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure. Dies seien neben den Jagdausübungsberechtigten die Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer sowie die jeweiligen Nutzungsberechtigten der Grundflächen, schrieb der Minister auf eine Anfrage im Landtag.