Für den Fortbestand  der Ispringer Otto-Riehm-Schule möchte sich Bürgermeister Volker Winkel auch weiterhin
einsetzen. Dazu wirbt er auch für eine Fortsetzung der Kooperation mit der Schule am Winterrain.	Foto: Ochs
Für den Fortbestand der Ispringer Otto-Riehm-Schule möchte sich Bürgermeister Volker Winkel auch weiterhin einsetzen. Dazu wirbt er auch für eine Fortsetzung der Kooperation mit der Schule am Winterrain. Foto: Ochs

Interview mit Volker Winkel

„Wir müssen neue Baugebiete erschließen“

Auf Ispringens Gemeindeoberhaupt Volker Winkel kommen ereignisreiche Wochen zu: Am 5. Februar bewirbt sich der 59-Jährige um eine zweite Amtszeit. Ab heute können Bewerber ihre Unterlagen im Rathaus abgeben. Die öffentliche Kandidatenvorstellung findet am 26. Januar statt. Im Gespräch mit den Pforzheimer-Kurier-Redakteuren Tassilo Pfitzenmeier und Torsten Ochs blickt Winkel auf die vergangenen acht Jahre zurück und gibt einen Ausblick, welche Projekte er im Falle seiner Wiederwahl noch anpacken möchte.

Herr Winkel, Sie haben bereits im Februar gesagt, dass Sie Ihren Hut für eine zweite Amtszeit im den Ring werfen: Offensichtlich mussten Sie nicht lange überlegen …

Winkel: … Nein. Das stand für mich nie in Frage. Ich wollte mich so früh wie möglich festlegen, auch weil meine Mitarbeiter in der Verwaltung wissen wollten, wie es für sie weitergeht.

Und vermutlich auch, weil Sie einige größere Projekte nicht nur anfangen, sondern auch zu Ende bringen möchten …

Winkel: Richtig. Wir haben einige große Investitionen hinter uns. Da ist zum Beispiel die Sanierung des Hallenbades (600 000 Euro), die mehrfache Erweiterung der Friedhofsanlage (500 000 Euro), die Gestaltung und Ausstattung von Spielplätzen (170 000 Euro) oder der Rathausumbau (370 000 Euro). Die Schaffung einer kommunalen Kindertagesstätte hat einen Umbau der Otto-Riehm-Schule in der Turnstraße notwendig gemacht.

Wie sieht der Bedarf an U3-Plätzen in Ispringen aus?

Winkel: Er ist für den Moment gedeckt. Wir möchten trotzdem an der Hauptstraße einen neuen Kindergarten errichten. Hier besitzt die Gemeinde ein geeignetes Grundstück. Dabei könnten weitere U3-Plätze geschaffen werden.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Was möchten Sie unbedingt umsetzen?

Winkel: Der Fortbestand unserer Schule ist mir sehr wichtig. Es ist weiterhin das Ziel, dass es eine Kooperation zwischen der Otto-Riehm-Schule und der Schule am Winterrain gibt. Ich bin froh, dass die Schulleitungen hinter dieser Idee stehen.

Wenn Ispringen Schulstandort bleiben soll, muss die Gemeinde für Familien attraktiv bleiben. Wo möchten Sie da ansetzen?

Winkel: Klar ist, wir müssen neue Baugebiete erschließen. Unser Slogan lautet: bürgernah, naturnah und stadtnah. Entlang der Kraichgaustraße oder am Rothenrain könnten neue Gebiete entstehen.
Zumal das Wohngebiet „Mahler“ an seine Kapazitätsgrenzen gekommen ist …
Winkel: Im ,Mahler‘ wohnen rund 700 Personen, das sind mehr als zehn Prozent der Ispringer Einwohnerschaft. Von privater Seite wurde dort vieles gemacht. Jetzt sind wir am Zug und verbessern die Infrastruktur, legen Abwasserleitungen, optimieren den Straßen- und Parkbereich. Die Anwohner sehen: Da passiert was. Die Stimmung dort hat sich merklich verbessert.

Wie ist eigentlich die Stimmung zwischen Ihnen und Ihrem Vertreter, Wolfgang Ballarin? Es ist kein Geheimnis, dass es da immer mal wieder knirscht …

Winkel: Wenn wir uns persönlich begegnen, dann gehen wir respektvoll miteinander um. Richtig ist aber auch, dass Wolfgang Ballarin keinen Hehl daraus macht, meine erneute Kandidatur nicht unterstützen zu wollen.

Er sagte, dass er mit Ihrer Amtsführung unzufrieden ist. Glauben Sie, dass Ballarin gegen Sie antritt?

Winkel: Wolfgang Ballarin hat zumindest angegeben, dass er nicht für das Amt des Bürgermeisters kandidieren will. Und von einem möglichen Gegenkandidaten weiß ich noch nichts Konkretes.

Sie haben 2010 die Bürger nach ihren Wünschen und Ideen befragt. Was hat sich alles getan und was ist noch geplant?

Winkel: Damals haben sich schnell Projektgruppen gebildet, die zum Teil noch heute aktiv sind. Denken Sie etwa an das Schachbrett auf dem Dorfplatz oder an den neuen historischen Rundweg, der bald eingeweiht wird. Geplant ist auch noch ein Wanderweg, der um den Ort führt. Ich bin froh, dass die Bürger sich so engagieren und an der Gemeindeentwicklung mitwirken. Und solange ich im Amt bin, wird es auch die Möglichkeit dazu geben.

Wie viele Flüchtlinge leben derzeit in Ispringen?

Winkel: Momentan sind rund 80 Flüchtlinge hier untergebracht. Bezeichnenderweise werde ich manchmal gefragt: „Haben wir in Ispringen eigentlich auch Flüchtlinge?“ Das zeigt, dass es keine Probleme gibt und das Zusammenleben funktioniert. Die Flüchtlinge werden bei uns auch so gut wie möglich in die Gemeinschaft eingebunden, etwa durch gemeinsame Veranstaltungen. Ich bin hier insbesondere dem „Freundeskreis Asyl“ sehr dankbar.

Die Anbindung an den ÖPNV wird für Gemeinden immer wichtiger. Wie sieht es mit einer weiteren Bahn-Haltestelle aus?

Winkel: Da müssen wir endlich zu Potte kommen. In der Vergangenheit hat sich das Projekt „Haltestelle West“ am Waisenrain durch bürokratische Hürden immer wieder verzögert. Ein AVG-Vertreter kommt am 15. Dezember in den Gemeinderat und wird darüber berichten und hoffentlich auch mitteilen, was auf uns als Gemeinde finanziell zukommt.

Die Autobahnraststätte bei Niefern soll in den Bereich zwischen Pforzheim Nord und Pforzheim West verlegt werden. Welche Auswirkungen könnte das auf Ispringen haben?

Winkel: Ich sehe hier hauptsächlich Lärm und möglichen Ersatzverkehr. Bei einer vorgezogenen öffentlichen Bürger-infoveranstaltung vergangene Woche, bei der ich dabei war, hat das Regierungspräsidium Karlsruhe dargelegt, wie es auf diesen Standort gekommen ist. Die Vorgehensweise war nicht zu beanstanden. Trotzdem werden wir – sobald das formelle Verfahren im Gang ist – auf die geplanten Maßnahmen in Bezug auf den Lärmschutz achten und auch darauf, dass kein öffentlicher Verkehr über die Genossenschaftsstraße entsteht.

Ispringen hat gut 6 000 Einwohner: Bekommen diese im Ort alles, was sie brauchen?

Winkel: In Bezug auf die Nahversorgung gibt es bei uns überhaupt keine Probleme. Wir haben – neben dem Einzelhandel im Ort – einen gut frequentierten Einkaufsmarkt, der im kommenden Jahr erweitern möchte, und zwar in Form eines kompletten Neubaus.

Wer Sie kennt, weiß, dass Ihnen auch die Jugendlichen am Herzen liegen …

Winkel: Weshalb ich mich freue, dass wir eine neue Schulsozialarbeiterin haben, die sich mit der Frage auseinandersetzen möchte, wie wir die jungen Leute mit ins Boot holen können.

Zum Beispiel mit einem Jugendgemeinderat?

Winkel: Ich denke, das kommt für Ispringen eher nicht in Frage. Aber wir wollen von den Jugendlichen wissen: Was interessiert euch? Was fehlt in Ispringen noch?

Das interessiert die Jugendlichen wahrscheinlich weniger, aber an neuen Gewerbeflächen fehlt es in Ispringen, hat sich da etwas geändert?

Winkel: Leider nicht. Wir haben mögliche Flächen untersucht und festgestellt: Es stehen einfach keine geeigneten Gebiete mehr zur Verfügung. Deshalb sind wir in Kontakt mit den großen fünf Ispringer Firmen. Alle haben signalisiert, dass sie über Kapazitäten zur Erweiterung verfügen. Es gibt also Entwicklungsmöglichkeiten, wenn auch erst mal keine Neuansiedlung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns als Wohngemeinde positionieren.