Ortenau Klinikum
Das Klinikum Achern/Oberkirch schreibt rote Zahlen. Im kommenden Frühsommer steht eine Grundsatzdiskussion über alle Krankenhäuser auf der Tagesordnung. | Foto: red

Klinikum Achern/Oberkirch

Wird das Krankenhaus zum Sorgenkind?

Die Zukunft der neun Kliniken im Ortenaukreis wird Thema einer Strategiesitzung des Kreistags im kommenden Frühsommer. Dies kündigten Landrat Frank Scherer und der neue Klinik-Geschäftsführer Christian Keller in einer Sitzung des Krankenhausausschusses an. Ein zentrales Thema dabei: Das zu Beginn des vergangenen Jahres fusionierte nördlichste Haus in der Ortenau, das Klinikum Achern/Oberkirch.

Klinikum in tiefroten Zahlen

Im Mittelpunkt werden dabei die Perspektiven für die Geburtshilfe nach der Schließung der konkurrierenden Abteilung des Klinikums Mittelbaden in Bühl stehen. Es dürfte aber auch um Geld gehen: Das Doppelhaus hat im vergangenen Jahr 2,27 Millionen Euro „Miese“ geschrieben. Das ist so viel wie keine andere Klinik in der Ortenau. Fragen der Kreisräte nach den Ursachen dieser Zahl, die 2014 sogar noch leicht höher gelegen hatte, blieben unbeantwortet. Landrat Frank Scherer kündigte eine schriftliche Stellungnahme an. Im Übrigen gehe es immer um eine Gesamtbetrachtung: „Das Ziel ist es“, so Scherer, „den Gesamtbetrieb auf einer guten Linie zu halten, wo er fast ist“.

Gewinne in Lahr und Offenburg

Wird das Klinikum in der nördlichen Ortenau zum „Sorgenkind“, wie kurz anklang? Zieht hier ein Haus das andere runter? Eine differenzierte Betrachtung blieb die Verwaltung  schuldig. Die könnte vor allem deshalb interessant sein, weil sich das Defizit der beiden Häuser von 2013 auf 2014, im Zuge der ersten Schritte zu einer Fusion, auf beachtliche 2,42 Millionen Euro im Jahr 2014 mehr als verdreifacht hatte. Die nun vorgelegten Zahlen für 2015 sind kaum besser. Dass das Ortenauklinikum bei einem Umsatz von mehr als 350 Millionen Euro im vergangenen Jahr mit einem Defizit von lediglich 800 000 Euro eine Punktlandung schaffte, liegt an lukrativeren Standorten, die das Defizit ausgleichen konnten: Die beiden größten Häuser in Lahr und Offenburg schreiben solide schwarze Zahlen.

Zahl der Geburten wächst wieder

Ein Aufwärtstrend zeichnet sich bei der Geburtshilfe im Norden der Ortenau ab: Achern wie auch Oberkirch können in den ersten acht Monaten den Jahres eine Zuwachs verzeichnen und liegen damit im Kreistrend. Wie sich danach die Schließung der Geburtshilfe in Bühl auswirkt, darüber könne man, so Keller, noch nichts sagen: „insgesamt aber wachsen beide Standorte“. Und es ist noch Luft nach oben. In Achern sei, so der neue Geschäftsführer, Platz für bis zu 700 Geburten jährlich ohne dass der Kreis größere Investitionen vorsehen müsse. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es, Achern und Oberkirch zusammengenommen, in den beiden Häusern knapp über 900 Neugeborene.

Grundsatzdebatte steht ins Haus

Bei der Frage des Acherner Kreisrats Thomas Kohler (FW), ob man hier über die Einrichtung einer geburtshilflichen Hauptabteilung sprechen könne, verwies Landrat Frank Scherer auf die anstehende Grundsatzdebatte. Angestoßen hatte das Thema die CDU im Kreistag, deren Fraktionschef Klaus Muttach gestern nicht zuletzt die Bemühungen um eine bessere Öffentlichkeitsarbeit des Acherner Hauses lobte. Ihm würden immer wieder Fragen aus dem Raum Bühl zugetragen, ob Achern überhaupt die Kapazitäten habe, zusätzliche Geburten aus dem angrenzenden Landkreis Rastatt aufzunehmen.