Trio mit Technik: Christoph Amma, Tomt Lenz und Marcus Georgi (von links) entwickelten ein System für die Gestensteuerung.
Trio mit Technik: Christoph Amma, Tomt Lenz und Marcus Georgi (von links) entwickelten ein System für die Gestensteuerung. | Foto: Fabry

Karlsruher Firmen bei Code_n

Eine Handbewegung reicht

Am Dienstag, 20. September, feiert im Karlsruher ZKM das „Code_n new.New Festival“ seine Premiere. Im Mittelpunkt der dreitägigen Veranstaltung steht ein internationaler Start-up-Wettbewerb, in dem junge Unternehmen in kurzen Beiträgen ihre Geschäftsidee einer Fachjury vorstellen. Mit dabei sind auch zwei Karlsruher Firmen. Kinemic will ein System für die Gestensteuerung vor allem in der Industrie etablieren. Die Firma otego fertigt kleine thermoelektrische Generatoren, die Batterien und Akkus ersetzen sollen.

Kinemic will Werkshallen erobern

Ein echter Geheimtipp ist das Karlsruher Start-up Kinemic eigentlich nicht mehr. Obwohl die Räume der jungen Firma auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nicht ganz einfach zu finden sind, hat es das Gründer-Trio schon zu großen Ehren gebracht. Christoph Amma, Marcus Georgi und Tomt Lenz hatten bereits Angela Merkel zu Gast – allerdings nicht in Karlsruhe, sondern bei der IT-Messe CeBIT in Hannover. Dort stellte Kinemic sein System für Gestensteuerung vor. Und die Bundeskanzlerin zeigte sich davon angetan.
Insofern sollte das Start-up auch beim internationalen Wettbewerb auf dem „Code_n new.New Festival“ gute Chancen haben. „Wir haben noch nicht den Bekanntheitsgrad, den wir uns wünschen. Auf dem Festival lässt sich sicher die europäische Ebene erreichen“, sagt Amma. Die nötigen Voraussetzungen besitzt Kinemic allemal. Viele Experten sagen der Gestensteuerung eine große Zukunft voraus. Mit einer Handbewegung den Fernseher anschalten, mit einer anderen die Stereoanlage lauter drehen – für Verbraucher tun sich damit neue Möglichkeiten auf.
Kinemic peilt jedoch in erster Linie eine andere Zielgruppe an: die Industrie. „Im professionellen Umfeld bieten sich viele Einsatzmöglichkeiten, weil man damit die Hände frei hat“, betont Amma. Basis für das Kinemic-System ist ein kleines Armband, das die Bewegung der Hand letztlich in konkrete Befehle umsetzt. Verknüpfen lässt es sich beispielsweise mit einer Datenbrille, wie sie unter anderem Google vorgestellt hat. Muss etwa jemand eine Maschine in einer Werkshalle warten, kann er sich auf der Brille die Bedienungsanleitung einblenden lassen. Die Hände bleiben für die eigentliche Wartung frei. Zum Blättern auf dem in der Brille eingeblendeten Bildschirm reicht eine Handbewegung. So ließen sich auch bei einer Auto-Inspektion digitale Checklisten führen.

Sogar Schrift-Gesten werden erkannt

Diese eher einfachen Elemente hat Kinemic noch mit einer Schriftfunktion verknüpft. Tritt bei der Autoinspektion ein Mangel auf, kann der Werkstattmitarbeiter dank der Kinemic-Technik per Hand in die Luft schreiben. Die Sensoren im Armband erkennen die Schrift und übertragen diese gleich in die digitale Datenbank. „Die Schrifterkennung ist unser großes Steckenpferd“, sagt Amma. Die Industrie signalisiere bereits „sehr großes Interesse“. Was Kinemic mit der Gestensteuerung realisiert, ließe sich zwar theoretisch auch über Sprachsteuerung machen, wie sie Verbraucher bereits von vielen Smartphones kennen. Doch gerade in Industriehallen ist es oft sehr laut. Die Umgebungsgeräusche stören die Sprachsysteme. „Dieses Problem hat man bei der Gestensteuerung nicht“, erklärt Amma.
Wegen des großen Potenzials haben die Karlsruher bereits einige Partner im Boot. Die Automotive-Branche, die Verpackungsindustrie oder auch die Pharma-Branche haben die Möglichkeiten des Kinemic-Systems erkannt. Auch deshalb will das Gründer-Trio es so „einfach wie möglich“ halten, damit möglichst viele Anwender problemlos damit umgehen können.

Hier können sich Interessierte selbst ein Bild von der Kinemic-Technik machen

otegos kleine Energie-Würfel

Das Produkt der Karlsruher Firma otego wirkt äußerst unspektakulär – wie ein Stück gepresstes Stück Zeitungspapier in der Größe eines Würfels. Dass dieser kleine Gegenstand ein wahres Energiebündel ist, wird einem Laien somit nicht auf Anhieb klar. Bei den otego-Würfeln handelt es sich um sogenannte thermoelektrische Generatoren (TEG). Sie verwandeln Wärme in Strom und werden somit zu Batterien oder Akkus für Kleingeräte.
Das otego-Team um Silas Aslan, Frederick Lessmann, André Gall und Matthias Hecht will mit ihren Energie-Würfeln vor allem der Industrie eine kostengünstige Alternative zu den Batterien bieten, die bislang eingesetzt werden. Die TEG können beispielsweise in elektronische Heizkörperthermostate oder Sensoren zum Überwachen von Rohren, Pumpen und Motoren eingesetzt werden. „Kabelgebundene Netzwerke, Batteriewechsel und Akkuladungen verursachen hohe Installations- und Wartungskosten“, sagt Lessmann. Diese Kosten würden mit dem otego-System minimiert. Wie funktioniert der Würfel? Die TEG verwerten Umgebungsenergie. Dies gelinge über elektrisch-leitfähige Kunststoffe, die in großindustriellen Druckmaschinen auf ultradünne Folien gedruckt werden.

Zuversichtlich für Code_n-Wettbewerb

Lessmann ist zuversichtlich, dass sich damit auch die Code_N-Jury überzeugen lässt: „Wir kennen das Bewerberfeld zwar nicht. Aber wir sind gut vorbereitet.“ Von der Teilnahme am Start-up-Wettbewerb versprechen sich die Karlsruher unter anderem Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern. Vielleicht findet sich jedoch auch ein potenzieller Investor. „Die Investorensuche steht für uns nicht im Vordergrund. Es werden aber sicher viele interessante Firmen beim Festival sein“, so Lessmann.