MIT NEUGIERIGEN BLICKEN verfolgen die Besucher mit Schutzhelm und Warnweste, wie Bohringenieur Klaus Stuhlberger die verschiedenen Bohrmeißel erklärt.
MIT NEUGIERIGEN BLICKEN verfolgen die Besucher mit Schutzhelm und Warnweste, wie Bohringenieur Klaus Stuhlberger die verschiedenen Bohrmeißel erklärt. | Foto: Alàbiso

Schwarzer Schatz in der Tiefe

Erdölbohrung bei Graben-Neudorf

Edle Tropfen reifen in Baden nicht nur an den sanften Hängen am Rand des Rheingrabens. Tief im Boden lagert in der Region ein anderer hochwertiger Stoff: Knapp 2 000 Meter unter dem bewaldeten Kammerforst an der B 35 bei Neudorf soll sich Öl des Typs „sweet and light“ finden lassen. Deshalb hat die Heidelberger Firma Rhein Petroleum vor knapp drei Wochen (die BNN berichteten) mit Probebohrungen begonnen. Die Bohranlage „Hofwiese“ besichtigten rund 400 Bürger beim „Tag der offenen Tür“ und informierten sich über die Arbeiten aus erster Hand.

Zu schade für Kraftstoff

Das hochwertige Erdöl, dessen Typisierung auch einen exquisiten Rotwein charakterisieren könnte, ist schwefelarm (sweet) und niedrigsiedend (light). Aus diesem Grund ist dieses Öl zu schade, um es als Kraftstoff zu verbrennen. „Als Rohstoff ist Erdöl extrem wichtig“, betonte Geschäftsführer Michael Suana. Es sei ökologisch, wirtschaftlich und geopolitisch sinnvoll, heimisches Erdöl zu suchen und zu fördern. Zumal ohnehin in fast jedem Produkt Erdöl zu finden ist.

„Der Energiewandel wäre ohne Erdöl nicht machbar“, stellt Suana beispielhaft fest, denn: „die Rotorblätter der Windkraftanlagen lassen sich nicht ohne diesen Rohstoff produzieren“. Ohne Erdöl gäbe es auch keine Kosmetik, Smartphones oder Solaranlagen. Falls Rhein Petroleum Erdöl im Kammerforst findet, „wird eine Testförderanlage, die kleiner als der jetzige Probebohrturm ist, errichtet“, erklärte Pressesprecher Michael Gernsbeck. Wenn das Vorkommen ergiebig ist, wird die Heidelberger Firma wie auch im hessischen Schwarzbach eine Erdölförderanlage aufbauen und fünf bis 15 Jahre das schwarze Gold aus der Erde fördern.

In einem Winkel von 45 Grad in die Tiefe

Derzeit hat der Bohrer eine Tiefe von 1 085 Metern erreicht und schafft circa sieben Meter pro Stunde. Das Faszinierende dabei ist, dass das Bohrloch nicht senkrecht nach unten getrieben wird, sondern in einem Winkel von 45 Grad nach Nordwesten. „In den nächsten zehn Tagen werden wir die Segmente erreichen, in denen sich Erdöl befinden kann“, sagte Geologe Carsten Reinhold. Mit Hilfe der 1,5 Millionen Euro teuren „Schaltzentrale“, die Teil der Bohrstange ist, werden Radioaktivität, Widerstand und Dichte der Materialien gemessen. „So wissen wir, um welche Gesteinstypen und Flüssigkeiten es sich da unten handelt“, erläuterte Reinhold. Aber auch im Spülwasser könne man unter dem Mikroskop fluoriszierende Teilchen erkennen, die auf Erdöl schließen lassen. „Das Öl schießt also nicht wie in Filmen einfach aus einem Loch heraus“, meinte der Geologe. Vielmehr werde es mit Wasser aus den Hohlräumen der Sandsteine herausgepresst und nach oben befördert.

„Konventionelle Erdölförderung statt Fracking“

Die einzelnen technischen Elemente wie etwa Bohrköpfe, Stabilisatoren und den „Topdrive“-Antrieb der 35 Meter hohen Bohranlage erklärte Bohringenieur und Projektleiter Klaus Stuhlberger. Die drei circa 3 000 PS starken Generatoren „verbrauchen täglich je nach Auslastung 2 500 bis 4 500 Liter Diesel“, sagte Stuhlberger. Ferner erklärte der Bohringenieur, dass das Bohrloch permanent mit Wasserdruck bespült werden müsse, um mit diesem Druck einen Einsturz zu verhindern. Geschäftsführer Suana wies nachdrücklich darauf hin, dass das kein „Fracking“, sondern konventionelle Erdölförderung sei.