Naser Hossaini
Naser Hossaini zeigt ein Foto seiner Tochter. Vor mehr als einem Jahr hat er sie zuletzt gesehen. | Foto: Prinz

Wo ist Maryam?

Flüchtling sucht von Rheinau aus seine Tochter

Vor mehr als einem Jahr hat er seine Tochter zuletzt gesehen, sagt Naser Hossaini und deutet auf ein Foto, das ihn mit der zehnjährigen Maryam zeigt. Auf der Flucht aus dem Iran wurden beide getrennt. In Rheinau-Freistett, wo der 46-Jährige in der Anschlussunterbringung wohnt, hilft ihm der Ehrenamtliche Gerd Hirschberg bei der Suche – aber alle Bemühungen, Maryam zu finden, waren erfolglos. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort: Malmö in Schweden.

Familie floh 2010 aus dem Iran

Naser Hossaini hat mehr als eine Flucht hinter sich: Mit zehn Jahren flieht er aus Afghanistan in den Iran, 2010 verlässt er das Land. Er habe die Unterdrückung der Afghanen im Iran nicht mehr ausgehalten und keine Perspektive für seine Familie gesehen, sagt er. Durch die Türkei geht es nach Griechenland. Dort werden Maryam und Naser von seiner damals schwangeren Frau Ameneh Mussawi und dem jüngeren Sohn getrennt, die von Schleusern zurück an die iranische Grenze gebracht werden. Zwei Monate später wird der jüngste Sohn geboren – die Familie kommt seitdem nicht wieder zusammen. Vater und Tochter bleiben mehrere Jahre in Griechenland, bis sie es 2015 nach Mazedonien schaffen. „Dort wurden die Grenzen damals nur einmal am Tag für höchstens 150 Personen geöffnet“, erzählt Gerd Hirschberg.

Ich unterstelle ihnen gute Absichten

Nur kurz einkaufen sei er gewesen, sagt Naser, und genau zu dieser Zeit sei die Grenze nach Serbien kurz offen gewesen. Iranische Freunde, die an diesem Tag auf Maryam aufpassen, nehmen das Mädchen mit. „Ich unterstelle ihnen nur gute Absichten, dass sie sie nicht allein lassen wollten“, meint Hirschberg. Lange gibt es keine Telefonverbindung, dann kann Naser endlich mit seiner Tochter sprechen, die inzwischen in Ungarn ist. Die Freunde wollen sich mit ihm in Deutschland treffen, aber einen Tag später entscheiden sie sich anders: Schweden ist das neue Ziel. Anfang Juni vergangenen Jahres hört Naser zum letzten Mal von seiner Tochter. Die angeblichen Freunde kündigen an, Maryam als unbegleiteten minderjährigen Flüchtling der schwedischen Polizei in Malmö zu übergeben. Dann bricht der Kontakt ab.

Maryam soll in Malmö in Schweden sein

Seit mittlerweile sechs Monaten lebt Naser Hossaini in Freistett. Er spricht kaum Deutsch, deshalb helfen drei Mitbewohner beim Übersetzen. Über mehrere Ecken geht das, über die arabischen Sprachen Farsi und Urdu, dann bruchstückhaft auf Deutsch. Aufs Sprachenlernen kann sich der Vater nicht konzentrieren, denn alle Gedanken kreisen um die verschwundene Tochter. „Er hat auch körperlich abgebaut, seit er hier ist“, erzählt Gerd Hirschberg. Wenn er jetzt mit Maryam sprechen könnte, würde er fragen, ob sie sich in Schweden gut aufgehoben fühlt, sagt Naser.

Von einer Behörde zur nächsten

Hirschberg unterstützt die Suche seit vergangenem Februar – und wird von einem Amt zum nächsten verwiesen. „Die meisten Behörden wollten kooperieren“, erklärt der ehrenamtliche Helfer, aber längst nicht von allen bekommen die Männer überhaupt eine Antwort. Erst versucht Hirschberg es in der Region, aber Polizei, Amtsgericht und Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe können nicht helfen. Vom Deutschen Roten Kreuz erfahren die Suchenden dann, dass Maryam in Schweden bei einer Pflegefamilie sei. Kontakt: nicht möglich. Auch über die Plattform „Trace the Face“, die das Rote Kreuz Suchenden im Internet anbietet, versucht Hirschberg es. Und er wendet sich an die Stadt Malmö. „Die richtige Art, mit dieser Situation umzugehen, wäre, dass die deutschen Behörden eine offizielle Anfrage zu Maryams Verbleib an die schwedischen Behörden stellen“, schreibt die Stadtverwaltung. Vom Bundesamt für Migration (Bamf) gibt es zunächst keine Antwort. Dann heißt es: Man suche in einer schwedischen Kartei nach Maryam. Das sei aber nicht einfach, sagt Kira Gehrmann von der Bamf-Pressestelle den BNN. „Es ist ja nicht sicher, ob sie auch wirklich dort gemeldet wurde.“