Auf der Suche nach einem neuen Revier könnten Wölfe bald wieder durch die Region ziehen.
Auf der Suche nach einem neuen Revier könnten Wölfe bald wieder durch die Region ziehen. | Foto: Franz Lechner

Wolf-Botschafter klären auf

Streifen Wölfe bald durch Bruchsal?

Der letzte baden-württembergische Wolf wurde am 10. März 1847 im Stromberg-Gebiet in Cleebronn, also keine 50 Kilometer entfernt von Bruchsal, erlegt. Noch heute macht dort im Wald ein großer Gedenkstein, der sogenannte Wolfsstein, auf dieses Ereignis aufmerksam. Knapp 170 Jahre später ist Baden-Württemberg wieder Wolfs-Erwartungsland. Das haben nicht Naturschützer so bestimmt – das ist eine offizielle Einschätzung der Landesregierung.

Vorbereitung auf die Rückkehr der Wölfe im Land

Dass sich ausgerechnet in der dicht besiedelten Bruchsaler Region jemals ein Wolfsrudel niederlässt, ist aber dennoch schwer vorstellbar, aber dass irgendwann Wölfe auf der Suche nach einem neuen Revier auch durch die Region ziehen, halten viele für möglich. Der Wolfsbotschafter Bernhard Boegner aus Gondelsheim beispielsweise. „Wölfe werden irgendwann nicht nur durch Baden-Württemberg ziehen, wie wir es ja in den letzten Jahren schon mehrfach erlebt haben, sie werden sich wahrscheinlich bald auch wieder in Baden-Württemberg und vielleicht sogar irgendwann auch im Naturpark Stromberg-Heuchelberg niederlassen“, meint der Gondelsheimer Softwareentwickler. Der 56-Jährige ist einer von mehr als 40 zertifizierten Wolfsbotschaftern im Land. Alle wurden in einem dreitägigen Seminar vom Naturschutzbund Deutschland ausgebildet. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, die Bevölkerung auf die Rückkehr der Wölfe vorzubereiten. (Weitere Informationen zu den Wolfsbotschaftern gibt es hier.)

Der Wolf hat auch heute noch ein schlechtes Image

Keine leichte Aufgabe, schließlich geistert das Bild vom blutgierigen, Kinder fressenden Isegrim sogar noch heute gelegentlich durch die Sensationsmedien. „Wir müssen alles tun, um diese blödsinnigen Vorurteile aus der Welt zu schaffen“, betont Boegner. „Wölfe und Menschen können friedlich und weitgehend problemlos miteinander leben.“ Aber nicht alle sehen das Zusammenleben mit Wölfen so optimistisch wie der Gondelsheimer Wolfsbotschafter. Manchen bereitet die Möglichkeit, dass eines Tages Wölfe durch die Bruchsaler Region ziehen könnten, jetzt schon große Sorgen.
Den Schafhaltern beispielsweise. Immerhin soll der Cleebronner Wolf – so steht es auf dem Gedenkstein – in einem Jahr mehr als 50 Schafe gerissen haben. Nachprüfen kann das heute aber niemand mehr, und in jenen Jahren erzählte man sich bekanntlich gerne Horrorgeschichten über das „Untier“ Wolf. Dass Meister Isegrim auf Schafe steht, bezweifelt aber niemand. Und so ist der Wolf längst wieder Thema auf den Versammlungen der Schäfervereinigung, wie der Kraichtaler Landwirt und Schafhalter Paul Franck berichtet. „Auch ich bin alles andere als begeistert bei dem Gedanken, dass meine Schafe eines Tages Wölfen begegnen könnten“, meint der eigentlich für den Naturschutz aufgeschlossene Landwirt.

All die Maßnahmen, die Wolfsbotschafter wie Boegner, aber auch die Landesregierung zum Schutz der Schafe vorschlagen, sieht Franck eher skeptisch. „Spezielle Hirtenhunde oder gar Esel als Schafschutz mögen für große Schafherden sinnvoll sein, aber hier in der Bruchsaler Region haben wir viele kleine Schafhalter, die vielleicht gerade mal um die fünfzig Schafe oder weniger auf der Koppel halten. Die können sich keine teuren Schutzmaßnahmen leisten“, sagt der Landwirt.
Schafhalter sind aber nicht die einzigen, auch einige Jäger, Hundebesitzer und Jogger wären wohl wenig begeistert über Wölfe in der Region. Da bleibt für den Wolfsbotschafter wohl noch einiges zu tun.

Von Franz Lechner