Auf Asylsuche befinden sich die Grazien aus der Pforzheimer Fußgängerzone. Das Kunstwerk von Wolfgang Thiel muss der Neugestaltung der Fußgängerzone weichen
Auf Asylsuche befinden sich die Grazien aus der Pforzheimer Fußgängerzone. Das Kunstwerk von Wolfgang Thiel muss der Neugestaltung der Fußgängerzone weichen | Foto: Wacker

Kunst muss weichen

Ziehen die Grazien ins Grüne?

Die Grazien müssen weg. Weil die
Stadt in der Fußgängerzone aufräumen
will, muss das Werk des Stuttgarter
Künstlers Wolfgang Thiel weichen.
Noch bieten die beiden ranken Damen
müden Bummlern unmittelbar vor dem
türkischen Imbiss an der Ecke zur Barfüßergasse
einen Sitzplatz an. Doch die
künstlerische Rastgelegenheit aus rotem
Klinker passt nicht ins Konzept der neugestalteten
Fußgängerzone und muss
deshalb weg.

Dürre Damen vor dem Döner

„Ich hätte sie gerne behalten“, räumt
Brigitte Römer offen ein. Römer sitzt für
die FDP in der städtischen Kunstkommission
und ist in dieser Funktion bereits
seit einiger Zeit auf der Suche nach
einer neuen Heimat für die dürren Gestalten
auf dem roten Sockel. „Wir haben
dort oft unseren Infostand und ich
sehe immer wieder Leute, die sich gerne
hinsetzen und Kinder, die gerne dort
spielen“, so Römer.
Gleichwohl hat sie sich bereits mit
Vorschlägen für die Umsiedlung beschäftigt.
„Im Gespräch ist derzeit vor
allem der Enzauenpark. Dort könnten
wir einen Platz für das Kunstwerk finden.“

Brötzingen ist zu eng

Einen genauen Standort hat die
Kunstkommission noch nicht im Sinn
und es ist auch noch nicht klar, ob es am
Ende tatsächlich der Enzauenpark sein
wird. „Wir haben uns auch schon überlegt,
die Figuren in die Brötzinger Fußgängerzone
zu versetzen. Aber dort ist es
doch arg eng überall.“
Nicht begeistert ist der Künstler Wolfgang
Thiel vom bevorstehenden Umzug
seiner „Grazien“. „Die Skulptur ist so
konzipiert, dass sie besessen wird. Auf
dem Podest ist bewusst ein Sitz frei.“ Er
könne sich sein Kunstwerk eigentlich
nur in einer belebten Zone vorstellen.

Sockel muss neuer Umgebung angepasst werden

„Es ist gedacht als eine Oase in einer belebten
Straßenzone.“
Sollte aber der Umzug unumgänglich
sein, dann, so Thiel, müsse man das
Werk der neuen Umgebung anpassen.
Den roten Sockel könne man ja ohnehin
nicht als Ganzes umsetzen. „Man muss
das Kunstwerk dann für einen Standort
in der Landschaft umkonzipieren“, sagt
der Künstler und geht davon aus, dass
die Stadt demnächst auf ihn zukommt.