Der Badische Hof in Bühl: Der Kehler Architekt Jürgen Grossmann hat das historische Gebäude erworben und entwickelt ein neues Konzept. | Foto: Ulrich Coenen

Jürgen Grossmanns Bühler Pläne

Neue Ideen für den Badischen Hof

Der denkmalgeschützte Badische Hof in Bühl hat einen neuen Eigentümer. Der aus Bühl stammende Architekt Jürgen Grossmann, dessen Büro sich in Kehl befindet, hat das traditionsreiche Gasthaus gekauft (wir berichteten). Im BNN-Interview spricht Grossmann über sein Konzept für den Badischen Hof und seine weiteren Projekte.

Mit Kloster Erlenbad in Obersasbach und dem „Hirschen“ in Baden-Baden besitzen Sie bereits zwei Hotels. Wollen Sie jetzt in größerem Umfang in das Hotelgeschäft einsteigen?

Grossmann: Nein, und ich will auch kein Hotelier werden. Ich habe mich im Alter von 15 Jahren für den Beruf des Bauzeichners entschieden, danach an der Universität Karlsruhe und in Paris Architektur studiert und bin nunmehr seit 40 Jahren in diesem Metier glücklich und zufrieden.

Die Möglichkeiten des Badischen Hofes wurden in den vergangenen Jahren nicht annähernd ausgeschöpft?

Der Architekt Jürgen Grossmann stammt aus Bühl. | Foto: pr

Grossmann: Ich habe viele Ideen, an denen ich im Moment arbeite. Deshalb kann und möchte ich nicht allzu weit ins Detail gehen. Sicher ist, dass das Erdgeschoss im Badischen Hof erneut eine regionale gastronomische Nutzung erhalten soll und die Hotelzimmer ebenso erhalten werden. In Kehl und im Stadtteil Marlen habe ich den City Campus und Country Campus etabliert. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Konzepte in Bühl ebenso realisierbar sind.

Sie stehen für eine anspruchsvolle Architektur und haben bereits die Hugo-Häring-Auszeichnung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) erhalten. Im Zusammenhang mit Kloster Erlenbad und dem Umbau der früheren Realschule Bühl gab es aber Kritik an der Qualität der Garagen.

Grossmann: Die Hugo-Häring-Auszeichnung empfinde ich als sehr wertvoll, weil ich nicht Mitglied im BDA bin. Und ja, es gab Diskussionen über die Garagen beim Kloster Erlenbad. Kritik ist gut, wenn sie konstruktiv ist. Bei der Villa Erlenbad hatte ich das Gefühl, dass die Berichterstattung dem Motto „Only bad News are good News“ folgte. War das Neid? Ich weiß es nicht! Kürzlich hat mich Fred Gresens, der Bezirksvorsitzende der Architektenkammer Südbaden, wegen der Garagen angesprochen. Sie gefallen ihm außerordentlich gut. Heute sind sie fertig gebaut und wie geplant fast zugewachsen.

Wird es eine bauliche Weiterentwicklung des Badisches Hofs geben oder reicht eine Pinselsanierung?

Grossmann: Der Badische Hof ist in einem sehr gepflegten Zustand, jedoch meines Erachtens nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Daran möchte ich arbeiten.

Gibt es bereits einen Zeitplan?

Grossmann: Frau Weisenburger übergibt mir zum 31. Juli den Badischen Hof. Bis dahin möchte ich die genaue Zukunft definiert und mit Verträgen hinterlegt haben. Wenn mir das gelingt, und da bin ich zuversichtlich, werden die notwendigen Arbeiten direkt im Anschluss ausgeführt werden. Eine komplette Schließung wird, wenn überhaupt, nur für kurze Zeit notwendig sein.

In welcher Form soll der Badische Hof in Zukunft betrieben werden? Suchen Sie einen Pächter?

Grossmann: Ja, ich spreche im Moment mir mehreren Interessenten und je nachdem, mit wem ich an den Start gehe, wird auch der Betrieb aussehen. Gastronomie und Hotel müssen nicht zwangsweise vom selben Betreiber geführt werden, obwohl es zunächst nahe liegt.

Sie haben in der Vergangenheit ein Faible für denkmalgeschützte Gebäude bewiesen und beispielsweise in Rittersbach das mehr als ein Jahrzehnt leer stehende Schloss gerettet. Hängt Ihr Engagement für den Badischen Hof mit dieser Vorliebe für historische Gebäude zusammen?

Grossmann: Definitiv ja. Ich liebe historische Gebäude aus mehreren Gründen. Zum einen wegen ihrer Geschichte, aber auch wegen deren Architektur. Sie sind so anders als das, was wir als Architekten heute bauen. Sie sind in aller Regel wohlproportioniert, ihre Entwerfer arbeiteten mit Harmonien und Symmetrien, ihre Statik versteht unbewusst jeder Mensch und sie besitzen oft kunsthandwerkliche Arbeiten aus regionalen Materialien. All das fiel Anfang des letzten Jahrhunderts der Erfindung des Betons zum Opfer. Heute kann fast alles von jedem überall gebaut werden. Das Ergebnis sieht man tagtäglich. Insbesondere in Bühl sind in den letzten Jahren solche schrecklichen Geschosswohnungsbauten entstanden. Keine Inspiration, kein Gefühl, reine dem monetären Interesse unterworfene Betonklötze. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in 500 Jahren irgendjemand so etwas als historisch wertvoll empfindet und sich dessen Erhalt annimmt.

Welche weiteren Projekte in Mittelbaden haben Sie aktuell?

Grossmann: Wir arbeiten im Moment an einem Projektvolumen von rund 150 Millionen Euro in dem Gebiet zwischen Bad Bellingen und Stuttgart, allerdings mit dem Schwerpunkt im Ortenaukreis und im Landkreis Rastatt. In Bühl gibt es aktuell noch ein weiteres spannendes Projekt, das ich gerne realisieren würde. Das braucht aber noch ein paar Tage, bis ich darüber sprechen kann.

Ist Jürgen Grossmann mehr Architekt oder Projektentwickler?

Grossmann: Wie bereits gesagt: Vor 40 Jahren begann ich mit meiner Ausbildung zum Bauzeichner, seit 27 Jahren darf ich mich Architekt nennen und bin das auch von ganzem Herzen.Unternehmer sollte meines Erachtens jeder selbstständige Architekt sein, und die Projektentwicklung und eigenen Investments verschaffen mir zunehmend die Möglichkeit, für meinen Lieblingsbauherrn zu arbeiten: für mich selbst.