Aprikosen
Da lässt man sich gerne einen Korb geben: Aprikosen haben jetzt Saison. | Foto: Adobe Stock/Printemps

Aufgegabelt!

Aprikose und Marille: Sensibelchen mit schönem Teint

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Aprikosen erfreuen schon seit Jahrtausenden den Gaumen des Menschen. Jetzt beginnt wieder die große Zeit der zarten Früchte.

Sie als Zeitschleifenexperten kennen ganz bestimmt den Murmeltiertag. Den Muttertag sowieso. Und den Valentinstag mit Sicherheit auch. Aber den Tag der Aprikose? Nie gehört? Wir auch nicht. Wie auch. Den Jubeltag zur Ehre von prunus armeniaca beanspruchen nämlich die Amerikaner für sich, nicht erst seit neuestem und auch nicht weil Donald Trumps Föhnfrisur farblich gesehen etwas Aprik(a)otisches anhaftet. Jedenfalls hat irgendwer irgendwann in den USA den National Apricot Day ausgerufen und bestimmt, dass dieser immer am 9. Januar zu begehen sei. Ein ungewöhnliches Datum für eine Sommerfrucht. Aber von den Amis sind wir Absurderes gewohnt.

In der Wachau wird die Marille gefeiert

In der Wachau, wo die Aprikose Marille gerufen wird und sich eines der bekanntesten europäischen Anbaugebiete befindet, sieht man das pragmatischer und widmet der sexy gefärbten Frucht mit der angedeuteten erotischen Spalte gleich ein dreitägiges Fest, bei dem alles andere als dröge Theorie und Redenschwingen auf der Tagesordnung steht.

Von Eis bis Bowle

Gemäß dem Motto „Wo eine Marille ist, ist auch ein Weg, sie zu genießen“ wird in Krems an der Donau (heuer vom 13. bis 15. Juli) aufgefahren, was der Dessertwagen hergibt: Marillenknödel, Marilleneis, Marillenkuchen, Marillenbowle, Marillenpalatschinken, Marillenkonfitüre und wer weiß was noch alles an mehr oder weniger Kalorienschwerem.

Die Aprikose Schwester von Pfirsich und Mandel

Auch Pikantes und Scharfes lockt Marillenliebhaber in das niederösterreichische Fruchtparadies. Was vielleicht damit zu tun hat, dass der Schwester von Pfirsich und Mandel seit altersher ein gewisser hormonverwirbelnder Effekt zugeschrieben wird. Sollte unterstellte aphrodisische Wirkung freilich doch nur auf Einbildung beruhen, lässt sich das verkraften. Schmecken tun die Kalium- und Karotenbomben garantiert auch ohne Sex.

Werden sie rot, haben sie Sonne satt gesehen: Aprikosen am Baum. Foto: Adobe Stock/dietwalther

Apropos innere Qualitäten: Aprikosen/Marillen protzen außerdem mit Folsäure und Vitamin B 5 satt. Nicht zu vergessen ihr nicht unerheblicher Gehalt an Mineral- und Ballaststoffen. Im Zusammenhang mit Marillenbrand und Barack Pálinka, wie das Destillat aus Aprikosen in Ungarn genannt wird, verfliegen diese Pluspunkte freilich buchstäblich wieder.

Eine sehr saisonale Frucht

Obwohl die Aprikose ausgezeichnet schmeckt, spielt sie wegen divenhaften Verhaltens und Anfälligkeit für Krankheiten im Erwerbsobstbau keine sehr große Rolle. Auf den Markt gelangt derzeit bereits Ware aus Marokko, Spanien, Italien und Frankreich. Ihren vollen geschmacklichen Trumpf spielt die einst aus dem Reich der Mitte in mittel- und südeuropäische Gefilde gelangte Frucht jedoch erst im Juli und August aus, bevor im September der ganze Zauber vorbei ist und die aprikosengefüllte Blechbüchsenarmee wieder das Kommando übernimmt.

Aprikosen reifen nicht nach

Je nach Sorte ist die Schale rau, samtig oder glatt, hat sie genügend Sonne abbekommen, ist ihr „Teint“ teils rötlich. Das Fruchtfleisch ist meist gelb oder tief gelborange, bei reifen Früchten löst es sich leicht vom Stein. Wichtig: Aprikosen reifen nicht nach.

Druckstellen sind schlecht

Wie erkennen Sie gute Ware? Die Früchte sollten unbeschädigt und weder zu fest noch zu weich sein. Weiße Flecken oder Druckstellen auf der Schale? Liegen lassen, die Früchtchen verderben noch schneller als sonst und sind keinen Pfifferling wert. Aprikosen gelten, wie Pfirsiche und Erdbeeren, als extreme Sensibelchen und sollten deshalb erst kurz vor Zubereitung oder Verzehr eine leichte Dusche erhalten. Haltbar sind Aprikosen leider nur kurz und wegen der Quetschgefahr sollten die Früchte nicht aufeinanderliegen. Seitliches Kuscheln ist freilich erlaubt.

Aufgespießt

Neben der Wachauer Marille und der ungarischen Gönci kajszibarack sind Abricots rouges du Roussillon

Aprikosen
aus Frankreich die einzigen Aprikosen mit EU-Siegel („geschützte
Aprikosen
Ursprungsbezeichnung“ bzw. „geografisch geschützte Angabe“). Außerdem listet Slowfood einige Presídi (P) und Archepassagiere (A) von regionaler Bedeutung auf. Italien: Albicocca di Scillato aus Sizilien  (P), Albicocca di Valleggia aus Ligurien (P), Albicocca di Don Sivestro aus Lazio (A) und Albicocca di Galatone aus Apulien (A). Frankreich: Abricot ampuisais (A, Auvergne-Rhône-Alpes) und Abricot rouget de Sernhac (A, Languedoc-Roussillon-Mîdi Pyrénées.

Aprikosen

 

 

Angeklickt

www.donau.com/de/donau-niederoesterreich
www.kuriose-feiertage.de
www.fondazioneslowfood.de