Grie Soß
Frankfurter "Nationalgericht": die Grie soß.frische Frankfurter grüne Soße mit sieben Kräutern | Foto: Marén Wischnewski/Adobe Stock

Sieben Kräuter müssen’s sein

Aufgegabelt: Frankforder Grie Soß

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Erbarmen, die Hessen kommen. Aber keine Angst, sie haben nur Gutes im Sinn. Nämlich ihre geliebte Grie Soß bekannt zu machen. Was ihnen schon recht gut, und zwar höchstoffiziell gelungen ist, immerhin darf sich das Frankfurter „Nationalheiligtum“ seit März vergangenen Jahres mit dem blau-gelben EU-Siegel „Geschützte geografische Angabe“ schmücken und verfügt somit über ein Alleinstellungsmerkmal in Europa.

Aushängeschild der hessischen Küche

Grünzeug aus dem Garten kommt zwar auch in Salsa verde (Italien), Sauce verte (Frankreich) oder Mojo verde (Spanien) als Aromageber zum Zuge, aber bei diesen ebenfalls schmackhaften Varietäten ist die Zutatenliste nicht so genau definiert wie bei den Bembelschwenkern. Für Grüne Soße, die neben dem Äppler (Äppelwoi bzw. Apfelwein) und Handkäs (mit und ohne Musik) das Aushängeschild der hessischen Küche und Lebensart darstellt, existieren klare Vorgaben, über die Puristen unnachgiebig und mit Adleraugen wachen.

Mayo geht gar nicht

Während es beim Fußball elf Freunde sein müssen, genügen der „Grie Soß“ sieben Kräuter, und die werden vorzugsweise taufrisch abgesäbelt und gepflückt: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch dürfen rein, Dill oder anderes Gewächs ist dagegen mit einem Bann belegt. Bei Mayo-Zugabe rümpfen eingefleischte Grüne-Soße-Genießer ebenfalls die Nase; nur Schmand und saure Sahne, gelegentlich auch Naturjoghurt an deren Stelle finden Eingang ins Geschmacksparadies am Main. Apropos Fleisch: das kann der Grüne-Soße-Jünger gerne sein, dann kombiniert er sie mit saftigem Tafelspitz, muss er aber nicht, dann wählt er die zweite klassische Variante mit halben hartgekochten Eiern. In beiden Fällen darf freilich die Pell- oder Salzkartoffel als Kohlenhydrat-Tüpfelchen nicht fehlen. Und wehe, es kommt einer auf die Idee, die milchig-grüne Creme mit Reis oder Nudeln zu verbandeln, was auch schon vorgekommen sein soll: so ein Banause wird mit sofortigem Grie-Soß-Verbot auf Lebenszeit bedacht. Also, schön aufpassen, was auf den Teller kommt!

Grie Soß
Praktisch: Die Originalkräuter gibt es schon abgepackt zu kaufen, auch übers Internet. Foto: Ludwig

Das Rezept für Grie Soß

Auf der sicheren Seite sind Sie mit unserem klassischen Rezept, für das sie natürlich zuallererst das erforderliche Kräuterblatt- und -halmwerk benötigen. Mit etwas Glück erblicken Sie die Original-Kräuterpackung für die „Grie Soß“ auf dem Markt oder im gut sortierten Gemüseladen, auch außerhalb Hessens. Inzwischen kann man sie sogar online bestellen (siehe Link). Wer freilich im eigenen Garten die passenden Kräuter anbaut oder eine genügend lange Fensterbank für all die Töpfe besitzt, ist fein raus und kann die grünen Sieben top(f)frisch ernten.

Grie Soß geht fix, erfordert aber Handarbeit

Gemacht ist die Grie Soß – sie soll übrigens Goethes Leibgericht gewesen sein – im Handumdrehen: Für 4 Personen 1 Packung Frankfurter-Grüne-Soße-Kräuter oder je eine Handvoll Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch sehr fein hacken (bis der Pflanzensaft austritt). 500 Gramm Sauerrahm und 200 Gramm Schmand mit den Kräutern vermischen. 3 zerriebene hartgekochte Eier unterziehen. Mit 2 Teelöffel Senf, dem Saft einer Zitrone und 2 EL Essig säuern. Mit einer Prise Salz und Zucker sowie Pfeffer abschmecken. Falls die Masse zu fest ist, z.B. etwas Milch unterrühren.

Tipp

Einen Teil der Kräuter mit etwas Milch pürieren und dazugeben, dann wird die Soß wirklich schön „grie“.

 

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