Digitale Köpfe in der Region“. Frau Teresa Beck von GoSilico in Karlsruhe.
Das Wetter kann sie simulieren, Frischluft nicht - die genießt Teresa Beck zum Beispiel in der Pause auf dem Balkon des Karlsruher Startups GoSilico.

Digitale Köpfe in der Region

Teresa Beck versucht die Simulation des Himmels

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Meteorologin, Mathematikerin, Managerin: Teresa Beck hat viele, auf den ersten Blick ziemlich unterschiedliche Talente. Und doch machen genau diese interdisziplinären Fähigkeiten ihren Job als Mitgründerin und Chief Operating Officer bei GoSilico aus. Gemeinsam mit Tobias Hahn, Thiemo Huuk und KIT-Professor Jürgen Hubbuch hat Beck das Startup GoSilico gegründet, das seit März diesen Jahres in eigenen Räumen in der Karlsruher Innenstadt sitzt.

Medikamente können schneller hergestellt werden

Der Name der Firma ist Programm – und bedarf einer kurzen Erklärung für Nicht-Wissenschaftler: Der Begriff „in silico“ steht für Experimente, die am Computer simuliert werden (im Unterschied etwa zu „in vitro“-Experimenten im klassischen Reagenzglas). GoSilico verkauft eine von Tobias Hahn entwickelte Software, mit der biotechnologische Experimente am Computer simuliert werden können. Somit wird die Entwicklung von Herstellungsprozessen für neue biopharmazeutische Medikamente, etwa zur Behandlung von Diabetes, Krebs und Alzheimer, stark beschleunigt. Kein Wunder also, dass zu den Kunden von GoSilico einige der größten Pharmakonzerne der Welt zählen. Welche, das verrät Teresa Beck nicht – sie lächelt nur geheimnisvoll. 

Man muss den Himmel doch simulieren können

Ein Blick an den Wolkenhimmel im Alter von 16 Jahren hat den beruflichen Werdegang der zierlichen, aber selbstbewussten Frau aus Weil der Stadt bei Stuttgart bestimmt. „Ich habe in den Himmel gesehen und gedacht: ,Den muss man doch simulieren können!‘“, erzählt sie. Eine Vernunft-Entscheidung führte dann dazu, dass sie nicht Musik, sondern Meteorologie in Karlsruhe studierte. Als vielseitig interessierter Kopf wählte sie im Nebenfach Mathematik und promovierte nach dem Diplom schließlich im Fach Angewandte Mathematik an der Uni Heidelberg, wo sie sich mit der Simulation von Wetter- und Klimaphänomenen befasste. Als dann ihr ehemaliger Studienkollege für die Gründung eines Unternehmens zur Vermarktung seiner Software ChromX bei ihr anklopfte, nahm sie an.

 

 

Das sehr von Pragmatismus geprägte Unternehmerleben sei noch ungewohnt, meint die 29-Jährige. Direkt nach der Promotion, bei der man hundertprozentige Perfektion anstrebe, habe sie umdenken lernen müssen.  „Man wächst aber irgendwie ins Unternehmer-Sein rein. Man lernt, wie das Unternehmen strukturiert sein muss, es ist eigentlich ein sehr natürlicher Prozess.“

Bei GoSilico beschäftigt sie sich mit Vertragsentwürfen, Förderprogrammen, Qualitätsmanagement und Personalfragen. Besonders herausfordernd sei es, gute Mitarbeiter mit einer interdisziplinären Qualifikation in Biotechnologie und Simulation zu finden. „Das gibt es sehr selten, deshalb suchen wir im internationalen Umfeld. Unsere Arbeitssprache ist sowieso Englisch.“ Management- und Kommunikationsaufgaben also, für die Beck keine akademische Ausbildung erfahren hat. „Gelernt habe ich nur, das Wetter vorherzusagen und es zu simulieren“, lacht Teresa Beck. Was sie an ihrer jetzigen Tätigkeit jedoch sehr genieße, sei der Umgang mit Menschen.

Digitalisierung im Labor – offline in der Freizeit

Die Digitalisierung schreitet auch in den Testlaboren für die Medikamente der Zukunft schnell voran. Die Simulation von biochemischen Prozessen am Computer stelle Labormitarbeiter vor Herausforderungen, sagt Beck, auch sie müssten umlernen. Deshalb bietet GoSilico zusätzlich zur Software Usability-Workshops für die Kunden an.

Privat setzt Teresa Beck auf analoges Kontrastprogramm. Sie ist viel und gerne draußen, läuft an ihrem Wohnort bei Philippsburg über die Dämme oder paddelt auch schon mal auf dem Altrhein ums Atomkraftwerk herum – für sie die perfekte Entschleunigung nach aufregenden Arbeitstagen in der Stadt. „Ich genieße es, in meiner Freizeit offline zu sein, und versuche, auch im Urlaub keine geschäftlichen Mails zu lesen“, sagt sie. Alles im Leben lässt sich eben (noch?) nicht simulieren.