Bernhard Kölmel blickt in die Zukunft. Als Professor an der Hochschule Pforzheim liegt sein Fokus auf den Innovationen von Firmen; Immer unterstützend mit dabei sind sein Team und seine Studenten.
Bernhard Kölmel blickt in die Zukunft. Als Professor an der Hochschule Pforzheim liegt sein Fokus auf den Innovationen von Firmen; Immer unterstützend mit dabei sind sein Team und seine Studenten. | Foto: Starck

Digitale Köpfe Bernhard Kölmel

„Mit gedrucktem Essen gegen die Fettleibigkeit“

Anzeige

Wer das Gespräch mit Bernhard Kölmel sucht, der spürt seine Begeisterung für Zukunftsthemen. Immer wieder hinterfragt er für die Lehre, aber auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen, welche digitalen Innovationen als nächstes anstehen und wie diese Menschen helfen können. Als Professor an der Hochschule Pforzheim lehrt er im Fachgebiet Global Process Management. Dieses beschäftigt sich mit der Optimierung von Prozessen in Produktionen.

Seine Themen sind breit gefächert: von Ernährung – Apps, die Kalorien erkennen, oder 3-D-Drucker, die das Essen drucken –, über Gesundheit – personalisierte Gesundheits-Anwendungen wie Schrittzähler – bis zu Autos – Stichwort autonomes Fahren – ist eigentlich alles dabei. Dem Professor geht es nicht um die inhaltliche Ausrichtung einer Firma, sondern um die Zukunftsfähigkeit im Bereich der digitalen Transformation.

„Digitalen Zuckerguss“ vermeiden

Betrachtet er die einzelnen Themen, spricht er von der „alten“ und der „neuen“ Welt. Dabei stünden viele Unternehmen noch am Anfang dieses Wandels. Gerade Vernetzungen von Systemen würden viel zu kurz gedacht, weil etwa die Apps, die entwickelt werden, nur Einzellösungen bieten, aber keine vollständige Vernetzung, die für die Zielgruppe und damit den Erfolg entscheidend wäre. „Nur wer es schafft, eine Gewinnsituation für den Kunden zu kreieren, der wird auch Erfolg haben“, ist sich Kölmel sicher.

Doch wie kann Unternehmen dies gelingen? Firmen sollten weiter ihr aktuelles Produkt verbessern, aber auch zukunftsfähige Einzelprojekte starten. Das Problem an Innovationen sei, dass die neue Technologie die alte vertreibe, noch ehe der Nachfolger ganz ausgereift sei. Ein Beispiel sei etwa die verlorene Marktmacht von Nokia nach der Einführung von Smartphones. Dabei geht es Kölmel auch darum, „digitalen Zuckerguss“ zu vermeiden. Firmen würden oft etwas digital veredeln, ohne die Technik dahinter zu verstehen – und so eine Entwicklung vortäuschen, die keinen Bestand habe.

Teamspieler Bernhard Kölmel

Genau diesen Zusammenhang versucht Kölmel seinen Studenten, aber auch den Firmen, die er berät, zu vermitteln. „Die Dinge werden immer komplexer, sodass verschiedene Ansätze durchaus sinnvoll sind“, weiß Kölmel, und ist froh über seine zehn Team-Kollegen, mit denen er regelmäßig den Austausch sucht. Diskutiert wird dann zum Beispiel über die vielen Fachbücher, die er liest. Dank einer Schnelllesetechnik schafft der 49-Jährige ohne Probleme zehn Bücher die Woche. Zu seinem Fachgebiet habe er eigentlich alles gelesen, was veröffentlicht wurde.

Im Team agiert Kölmel auch privat gerne. Etwa beim Fußballspielen im heimischen Garten in Ötigheim mit seinen drei Söhnen oder beim Treffen mit Freunden, mit denen er gerne gemeinsame Kochabende veranstaltet. Inspirationen für seine Gerichte findet er oft auf Reisen. Wobei er bedauert, dass er zu Hause auf viele typische Zutaten verzichten muss. Auch Kochbücher liest er gerne. Allerdings kocht Kölmel nie nach Rezept. Lieber verschafft er sich ein Verständnis über Lebensmittel und wird dann selbst kreativ, ganz ohne Vorgabe oder Waage. Das Thema Essen begleitet ihn auch bei seiner Arbeit.

Ernährungsbereich wird sich stark verändern

Bei Vorträgen nutzt er beispielsweise die Schwarzwälder Kirschtorte als Metapher. Den Kuchen verspeist er gerne, und er erinnert ihn an seine Kindheit, in der seine Eltern den Kirschschnaps noch selbst hergestellt haben. In den kommenden Jahren wird sich seiner Meinung nach der Ernährungsbereich stark verändern: „Meine Hypothese ist, dass die Ernährung aus dem 3-D-Drucker Teil eines vernetzten Angebots der Zukunft sein wird.“

Konkret glaubt Kölmel, dass Essen künftig auf Basis der Arbeitslast, der Bewegung sowie der eigenen Gesundheit an den Menschen angepasst werden kann. Gen- und Blutanalysen helfen, personalisiertes Essen zu drucken, womit Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit in den Griff zu bekommen wären. Einen großen Markt sieht er hier in Altersheimen, wo es ungemein helfen könne, wenn Essen aus den notwendigen Nährbestandteilen gedruckt würde.

Menschen machen Unternehmensgeschichten

Im Gespräch mit dem Professor fällt auf, dass ihm Zusammenhänge für das große Ganze wichtig sind. Der Mensch steht für ihn im Vordergrund. Vorbild für ihn sind die großen Firmen weltweit: „Personen machen den Unterschied. Schaut man sich Unternehmensgeschichten an, sind sie immer mit Namen verbunden. Microsoft und Bill Gates, Apple und Steve Jobs oder Amazon und Jeff Bezos. Wenn die Leute eine Dynamik entwickeln, nehmen sie das Unternehmen mit.“