Florian Buzin ist Gründer von Starface. Das Unternehmen ist weltweit tätig, um Unternehmenskommunikation intern wie extern zu verbessern - und das mit großem Erfolg. | Foto: Andrea Fabry

Digitale Köpfe der Region

Strippenzieher mit Headset

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Florian Buzin bringt Menschen zusammen – sehr erfolgreich, vermutlich erfolgreicher als jeder andere Karlsruher. Mit seinem Unternehmen Starface, gegründet 2005 von ihm und Industriedesignerin Barbara Mauve, behauptet sich der Softwareentwickler am stetig wachsenden Markt für Kommunikationslösungen und Telefonanlagen. Über Deutschland hinaus setzen die Karlsruher Lösungen für große Unternehmen um, optimieren deren Wege, intern und extern zu kommunizieren.

Das Telefon spielt dabei immer noch eine große Rolle. Das wird dem Besucher schon bewusst, wenn er in Buzins Büro tritt. In dem Raum mit großer Glasfront, im sechsten Stock über das Mühlburger Tor blickend, ist eine ganze Phalanx von Telefonen hinter dem Schreibtisch aufgebaut, einer Ahnengalerie gleich. Viele Modelle aus den vergangenen zehn Jahren, mit Bildschirm, Kamera und verspiegelten Oberflächen. Aber auch ein alter, klobiger Apparat mit Hörer, Gabel und Wählscheibe findet sich in der Reihe: ein Fernsprechapparat alter Schule. Vertraut ist das gleichmäßige Klackern, wenn die Wählscheibe zurückfährt, und doch ganz anders, als alles, was man heute von Telefonen kennt. Es ist eine spannende Zeit für Unternehmen wie Starface und Buzin weiß das: „Das Telefon gibt es nun bereits etwa 140 Jahre, aber noch nie ist die Entwicklung so schnell vorangeschritten, wie es heute der Fall ist.“ Er selbst greift nicht einmal mehr zum Hörer. „Ich habe mir vor einem halben Jahr das Telefonieren mit dem Headset angewöhnt, nachdem mein bisheriges Telefon kaputt ging“, erklärt er.

„Mein erster Job war in einem Computerladen“

„Eigentlich wollte ich nur zum Studieren nach Karlsruhe kommen, doch jetzt bin ich hier hängengeblieben, mit einem eigenen Unternehmen und einer Familie.“ Ursprünglich kommt Buzin aus Starnberg, im Süden Münchens. Aufgewachsen aber ist er unter anderem in Neuseeland. „Meine Familie wollte einfach reisen, insgesamt waren es elf Stationen, die ich im Laufe meiner Jugend besuchte, aber nirgends war ich länger als in Neuseeland. Ich fand es super, es war toll dort.“ Florian Buzin spricht keinen bayerischen Dialekt, dafür ein sehr gutes Englisch, was ihm heute als Unternehmer zugutekommt. Auch mit der IT kam er recht früh in Kontakt. „Mein Vater war sehr interessiert in Sachen Computer. Mit sechs Jahren war mein erster Rechner ein C116 von Commodore. Während andere Kinder am Computer spielten, beschäftigte ich mich mit der Software, zum Zocken war das Gerät nicht gemacht“, erinnert er sich. Fünf Jahre vor dem Abitur kam Buzin wieder nach München, absolvierte dort die Reifeprüfung. Nebenher jobbte er in einem Computerladen. „Ich kam dadurch in Kontakt mit Unternehmen, die IT-Probleme hatten und die ich lösen konnte. Ich war glücklich und meine Kunden auch. Für mich war das viel Geld. Rückblickend betrachtet wurde ich ausgebeutet.“

Buzin schmunzelt heute darüber. Für ihn sei es eine ganz neue Erfahrung gewesen, denn zum ersten Mal entwickelte er IT-Lösungen gegen Bezahlung. Nach dem Abitur, als Zivildienstleistender, leitete er das IT-Zentrum eines Krankenhauses in Bochum. „Das war befriedigend, mein Wissen so einsetzen zu können.“

Initialzündung mit Auftrag von DaimlerChrysler

Während des Studiums beginnt Buzin mit Softwareentwicklung bei Astarte, einem frühen Mitglied des Cyberforums und Webagentur in Karlsruhe. „Dort lernte ich Barbara Mauve kennen, die schon als Industriedesignerin in vielen Projekten für Astarte User-Interfaces gestaltet hat“, so Buzin. 2003 musste die Firma Insolvenz anmelden, Mauve und Buzin gründeten daraufhin Easywe, und der erste Großauftrag ließ nicht lange auf sich warten. Im Alter von 25 konnte der Jungunternehmer einen ganz großen Fisch an Bord holen: „Ein Auftrag von Daimler Chrysler war für uns die Initialzündung.“ Der Branchenriese T-Systems war Mitbewerber im Auftragsrennen. „Dass wir gegen so einen Global Player antraten, hat den Autokonzern wohl beeindruckt. Wir bekamen den Zuschlag.“ Mitarbeiter wurden eingestellt, das Unternehmen wuchs. „Anders hätten wir das gar nicht stemmen können.“ Heute, als Geschäftsführer bei Starface, genießt er es, überhaupt zum Programmieren zu kommen. „Ich bin glücklich und unglaublich entspannt, am Ende einer Woche etwas entwickelt zu haben. Weil man etwas erschaffen hat. Man weiß einfach, dass man die Software ein Stück besser gemacht hat.“

VR-Brillen könnten die Zukunft sein

Der zweifache Familienvater arbeitet gerne, bezeichnet sich als Workaholic und setzt sich auch neben seiner Arbeit bei Starface für die Branche ein – unter anderem als Mentor für Start-ups im Cyberforum. „Das Netzwerk hier in Karlsruhe ist eng und dicht geknüpft. Ich kann das gut mit München vergleichen und dort ist die Branche nicht so vernetzt wie hier.“ Für den Round Table Karlsruhe engagiert sich Buzin sozial, organisiert unter anderem das Entenrennen im Rahmen von Das Fest.

Das Entenrennen ist eine der Aktionen, für die sich Florian Buzin in Karlsruhe gesellschaftlich engagiert. | Foto: Greß

Ob Florian Buzin in zehn oder 20 Jahren auch noch auf sein Headset schwören wird? „Ich glaube, die Kommunikation wird in den virtuellen Raum abwandern, über VR-Brillen oder ähnliche Geräte.“ Für ein persönliches Gespräch bevorzugt Buzin aber immer noch eine Form vor allen anderen, wie er betont: „Persönlich, von Angesicht zu Angesicht.“