Diabetes mellitus, der "honigsüße Durchfluss", (be-)trifft immer mehr Menschen in Deutschland und weltweit - kleine und große, junge und alte, dicke, aber auch dünne Menschen. | Foto: baranq/ Adobe Stock

Volkskrankheit Diabetes

Die globale Bedrohung

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Der Diabetes mellitus gehört mit rund 6,7 Millionen Patienten und mit vermutlich ebenso vielen Menschen mit unerkanntem Diabetes oder hohem Risiko für diese Stoffwechselerkrankung zu den bedeutsamsten Volkskrankheiten in Deutschland.

Weltweit wird die Zahl der an Diabetes erkrankten Menschen von jetzt 415 Millionen bis zum Jahr 2040 um mehr als 50 Prozent auf etwa 642 Millionen ansteigen. Anhand dieser ernstzunehmenden Prognose wurde Diabetes von den Vereinten Nationen als erste, nicht durch eine Infektion ausgelöste Erkrankung zu einer „globalen Bedrohung der Menschheit“ erklärt.

Analog zur weltweiten Entwicklung  hat in Deutschland die Häufigkeit von Diabetes mellitus in den letzten 50 Jahren stark zugenommen – und wird nach Meinung der Experten weiter  Fahrt aufnehmen. Von fast 1 000 Neuerkrankten täglich ist die Rede. Etwa 95 Prozent der Betroffenen leiden unter Diabetes Typ 2, etwa 312 000 Erwachsene und über 31 000 Kinder und Jugendliche unter Typ-1-Diabetes. Schlecht oder gar  unbehandelt hat Diabetes dramatische Folgen: Die Komplikationsrate für Herzinfarkt-, insuffizienz oder Schlaganfall ist zwei- bis dreifach erhöht. Er ist die Ursache Nummer eins für regelmäßige
Dialysebehandlungen. Laut „Deutschem Gesundheitsbericht Diabetes 2018“ gehen 40 000 Amputationen und 2 000 Erblindungen aufs Konto von Diabetes – pro Jahr!

Zeit, die Notbremse zu ziehen!

Vor diesem Hintergrund hat der Bund im vergangenen Jahr eine Geschäftsstelle „Nationale Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie zu Diabetes mellitus“ eingerichtet, mit der die primäre, sekundäre und tertiäre Prävention vorangetrieben werden soll. Zur Senkung des Erkrankungsrisikos, zu Früherkennung und früherer Behandlung sollen alle relevanten Akteure ganz fest an einem Strang ziehen.

Der Zeitpunkt der Diagnose spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Folgeerkrankungen. Das Risiko dafür ist schon im Vorstadium des Diabetes erhöht. Wer den Grundsatz „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ beherzigt und Taten folgen lässt, kann sich etwa gegen Diabetes vom Typ 2 durchaus wehren. An den Hauptrisikofaktoren gibt’s schließlich nichts zu deuteln: Rauchen, zu viel Alkohol, zu wenig Obst- und Gemüse, zu wenig Bewegung, Übergewicht, zu hohe Cholesterinwerte im Blut und Bluthochdruck – die sieben Übeltäter sind identifiziert und müssen „nur noch“ unschädlich gemacht werden. Eine Veränderung der Lebensgewohnheiten ist freilich dazu notwendig, aber es gibt dafür von vielen Organisationen Unterstützung und Rezepte

Letzteres gilt natürlich genauso für Patienten mit Diabetes Typ 1. Zwar ist die Krankheit, sind ihre Ursachen letztlich immer noch nicht genau erforscht, aber der aktuelle Stand der Forschung ermöglicht in der Regel auch Patienten, die von Kindesbeinen an Insulin zuführen müssen, nicht nur ein langes Leben, sondern auch eine hohe Lebensqualität.

Entsprechend der steigenden Anzahl der Betroffenen sind Gentechniker, Biologen, Mediziner und Experten aus anderen Bereichen weltweit auf Hochtouren damit beschäftigt, Hintergründe zu erhellen und Innovationen zu besserer Diagnose und Therapie zu entwickeln. Zwei Beispiele aus jüngster Zeit: Ein Transplantat aus Fischhaut kann, wie in einem Diabetes-Wundheilungszentrum erfolgreich erprobt wurde, chronische Wunden heilen helfen.  Und: Eine App erlaubt via Smartphone-Vibration eine Neuropathie-Diagnose und zeigt sich in einer Studie sogar herkömmlichen Screening-Methoden überlegen. Über Neuerungen aus Wissenschaft und Forschung informiert unter anderem ein neuer Audio-Podcast für Menschen mit Diabetes, in dem auch der Alltag Betroffener dargestellt wird.

Viele weitere Informationen und nicht zuletzt Mythen über Diabetes sowie andere Gesundheitsthemen finden sich in unserer Gesundheitsbeilage.