Torwart Dirk Orlishausen (KSC) bei seinem letzten Spiel fuer den KSC. | Foto: GES

Interview mit Torwart

Dirk Orlishausen erlebt dritte Relegation mit dem KSC

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Dirk Orlishausen wird den Karlsruher SC nach sieben Jahren verlassen und zur neuen Saison beim FC Hansa Rostock als Nummer drei und Torwarttrainer arbeiten. Die Rückfahrt mit der Mannschaft vom Relegations-Rückspiel in Aue zurück nach Karlsruhe wird die letzte Dienstreise des 35 Jahre alten Torwarts mit den Blau-Weißen sein. Orlishausen erlebt nach 2012 (Regensburg) und 2015 (Hamburger SV) die dritte Relegation mit den Badenern.

Herr Orlishausen, das letzte Training, die letzte Ausfahrt mit den Kollegen. Sind Sie sentimental

Orlishausen: Ach, die letzten Einheiten waren emotionslos. Anders war das im Liga-Heimspiel gegen Jena. Das war sehr emotional, weil ich wusste, wie alles kommt. Und sehr berührt hat mich der endgültige Abschied im Hinspiel gegen Aue, als ich bei den Fans war und Leute zu mir gesagt haben, dass ich ihnen fehlen werde. Am Dienstag wird das Kapitel Karlsruhe erst mal vorbei sein.

Und die Torwartkarriere gleich mit, oder?

Orlishausen: Eine sehr schwierige Entscheidung war das. Ich werde einen Standby-Status in Rostock haben, vielleicht noch ein Freundschaftsspiel bekommen.

Was nehmen Sie mit vom KSC?

Orlishausen: Ach, ich habe so vieles erlebt. Der erste Abstieg. Die Erfahrung, danach auch als Sündenbock dazustehen. Vermummte wollten mir an die Gurgel. Der direkte Wiederaufstieg war dann toll. Das Emotionalste war sicher meine Krankheit 2014 (Diagnose Hodenkrebs; Anm. der Redaktion). Dann ging es Schlag auf Schlag: Im Jahr darauf die Relegation gegen den HSV. Die wird immer in meinem Kopf bleiben.

Danach setzte für den KSC und für Sie eine Abwärtsspirale ein …

Orlishausen: … peu à peu hat man gemerkt, es funktioniert nicht mehr so. Später kam der bittere Abstieg. Obwohl: Was heißt Abstieg? Das war unter aller Sau, wie wir uns als Mannschaft präsentierten. Es fing mit Tomas Oral an. Er hat Dinge knallhart angesprochen. Der Großteil der Mannschaft konnte damit nicht umgehen. Das führte zur Grüppchenbildung, und man hat es dann ja auch wirklich in jedem Spiel gesehen: Ab der 30. Minute hat man eigentlich nur noch auf die Uhr geguckt und gehofft, dass es gleich vorbei sein würde.

Sie waren damals Kapitän. Hätten Sie da nicht moderieren müssen?

Orlishausen: Es sind Dinge passiert in der Mannschaft, die konnte ich alleine nicht mehr aufhalten. In der Truppe hat es am Ende gar nicht mehr gestimmt.

Ein Spiegelbild des Abstiegs 2012?

Orlishausen: Kann man so sagen. Viele Kulturen, viele Sprachen. Das mit den deutschen Tugenden unter einen Hut zu bringen, die du in so einem Abstiegskampf brauchst, ist sehr schwierig.

Vor der Saison hat Sie Hakan Calhanoglu vom AC Mailand besucht. Wie erinnern Sie sich an ihn?

Orlishausen: Hakan war ein Typ, der wusste, was er kann, was er wollte und wie er da hinkommt. Im Aufstiegsjahr hat er mir nach jedem Training die Dinger aus jeder Position reingehauen, da habe ich aus Spaß gesagt: „Hakan, gehe doch bis zur Mittellinie zurück.“ Der dachte, ich wollte ihn veräppeln und hat es getan. Ein Roman Weidenfeller hätte sicher erkannt, wie die Bälle da aufs Tor kommen.

 

Peitz, Mauersberger, Hennings – das waren ja alles Typen. Auch damals haben wir ja nicht immer gut gespielt, aber das war uns scheißegal. Wie sind auf den Platz und haben uns gesagt; „Wir haben 15-mal nicht verloren, und ihr bringt ja gar nichts zustande – egal wie wir spielen.“  Und wenn gar nichts geht, dann war Hakan da.

Dirk Orlishausen über die Drittliga-Saison 2012/2013, die mit dem direkten Aufstieg endete.

Haben Sie das Gefühl, Ihre Möglichketien voll ausgereizt zu haben

Orlishausen: Ja, absolut. Wir haben im Relegations-Jahr 2014/2015 mit der Mannschaft so am Limit gespielt, das war der Wahnsinn. Im Nachhinein bereue ich gar nichts. Auch nicht, dass ich vor zwei Jahren ein Angebot aus den USA von den Tampa Bay Rowdies ausgeschlagen habe. Mir war es wichtiger, in Weingarten mein Haus zu bauen.

Im Sommer 2017 stach Sie der junge Benjamin Uphoff aus…

Orlishausen: … es war klar, dass irgendwann ein Besserer kommen würde. Ich habe Benni in der Vorbereitung unterstützt, ihm mitgegeben; „Du bist gut, aber mache hier keinen auf Zampano, weil du die Nummer eins bist. Sonst zeige ich dir, wie trainiert wird.“ Wenn er so weiter macht, wird auch die Zweite Liga nicht seine Endstation sein.

Wie stellen Sie sich nun einen perfekten Dienstagabend in Aue vor?

Orlishausen: Wir steigen in Aue auf und dann haben wir eine feuchtfröhliche sechs- oder siebenstündige Rückfahrt.

Mit Ihnen am Haartrimmer?

Orlishausen: Auf jeden Fall. Christian Tiffert von Aue hat mich beim Hinspiel gefragt: „Wie siehst du denn aus?“ Ich sagte ihm: „Das ist der Bart, der hängt seit Winter, seit ich dran geglaubt habe.“ Ich werde ihn aber definitiv in Aue lassen. Egal was passiert.

Es gibt Kollegen, die haben Angst vor Ihrem Überschwang und sorgen sich um Ihr Haupthaar…

Orlishausen: … das interessiert mich nicht. Ich habe mir ein Opfer ausgesucht, brauche dafür aber Hilfe. Nur so viel: Es ist kein Spieler.

Die BNN berichten über das Rückspiel der Relegation aus Aue und aus dem Wildpark-Stadion in einem Live-Ticker: