Das Wildparkstadion aus der Vogelperspektive, | Foto: MagicPicture-Photography

Wo steht der KSC?

Im Wildpark brennt noch Licht

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Was der frühere Kapitän Dirk Orlishausen beim Karlsruher SC nicht alles schon erlebt hat: Zwei Abstiege, ein Aufstieg und auch das HSV-Relegationsdrama 2015. Kaltherzig sah er sich mit dem KSC kurz vor Ankunft im Oberhaus verpfiffen. Bis heute kratzt ihn das. So twitterte der 35-Jährige jüngst zur HSV-Misere sarkastisch in die Welt: „Jetzt kann nur noch Schiri Gräfe helfen“. Die Frage „Was wäre, wenn“ hatte man sich nach Manuel Gräfes teurem Irr-Ton oft gestellt. In der Dritten Liga, die als „Pleiteliga“ gilt, geht es aber um ganz andere Fragen. Wo steht der KSC fast 25 Jahre nach dem 7:0-Coup gegen Valencia? Der Versuch einer Bestandsaufnahme:

Wie sieht es sportlich aus?

Nunmehr so gut, dass man beim Tabellendritten vor dem 31. von 38. Spieltagen doch wieder auf die sofortige Rückkehr in die Zweite Liga hofft. Unter dem Trainer Alois Schwartz hat sich die Mannschaft ergebnisstabil entwickelt – 19 Partien in Reihe beendete sie ohne Niederlage. Reißt die Serie auch am Samstag im Spiel beim Zweitliga-Mitabsteiger Würzburger Kickers nicht, wäre der Liga-Rekord, von der KSC-Meistermannschaft der Saison 2012/13 um Hakan Calhanoglu hinterlassen, eingestellt. Der KSC holte aus den 24 Punktepartien unter Schwartz 52 Zähler, was 2,2 im Schnitt sind. Unter Vorgänger Marc-Patrick Meister blieben aus den ersten fünf Spielen vier hängen. Als Zlatan Bajramovic aushalf, gab’s ein 1:1 gegen Halle. Macht 57 Punkte – und den KSC-Fans Lust auf mehr. Zwar haben bis auf Fortuna Köln alle Mitbewerber um die beiden direkten Aufstiegsränge Nachholspiele, der 1. FC Magdeburg deren gar zwei, doch muss der KSC sowohl gegen die punktgleichen Magdeburger als auch gegen Spitzenreiter SC Paderborn noch direkt ran. Die frühere KSC-Ikone Maik Franz, im Magdeburger Management beschäftigt, sagt: „Die heiße Phase beginnt jetzt. Ich bin gespannt, wie der KSC mit der Rolle des Gejagten klarkommt. Bleibt er stabil, Hut ab.“ Duelle, in denen sich Aufstiegsaspiranten Punkte gegenseitig klauen, gibt es einige.

Wie plant der KSC wirtschaftlich für die Saison 2018/19, von der er vielleicht erst nach Ende der Relegation am 27. Mai wissen wird, in welcher Liga er sie zubringt?

Der KSC hat den Lizenzgebern seine Planzahlen für die Zweite wie für die Dritte Liga dargelegt. Nach Informationen dieser Zeitung sehen diese einen Lizenzspieleretat von 8,7 Millionen Euro in Liga zwei vor. Die Zuschauererwartung läge dann bei 14 000 im Schnitt, an TV-Einnahmen sind 8,5 Millionen Euro geplant. Während die dazugehörigen Unterlagen gerade das Prüfverfahren der Deutschen Fußball Liga durchlaufen, schaut der Deutsche Fußballbund auf die vom KSC erstellten Ansätze für ein weiteres Drittliga-Jahr. Immer noch überdurchschnittliche, aber wohl auch ambitionierte 4,7 Millionen Euro würden die Kaderausgaben betragen. Aus dem TV-Topf kämen abermals nur 800 000 Euro. Geplant hat der KSC mit 10 500 Besuchern im Schnitt. Nichts gäbe es im zweiten Drittliga-Jahr aus dem DFL-Solidarfonds, aus dem diesmal 500 000 Euro an den KSC flossen. Die Härte für Gefallene nennt KSC-Präsident Ingo Wellenreuther ein „Attentat“. „DFB und DFL lassen bei der Verteilung der Fernsehgelder alle Drittligisten im Regen stehen. Der KSC unterhält trotz der Dritten Liga ein Drei-Sterne Nachwuchsleistungszentrum und bildet junge Spieler für den Profifußball in Deutschland aus. Das hat natürlich seinen Preis“, klagt er. Die Drittligisten erhalten vom DFB in dieser Saison 12,8 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die DFL verteilt an die 36 Erst- und Zweitligisten etwa eine Milliarde Euro.

Wie steht’s um die KSC-Finanzen?

Die Entwicklung ist bedenklich. Die U 23, die in dieser Saison laut Sportchef Oliver Kreuzer eine halbe Million Euro kostet, wird der Verein einsparen. Eine Kooperation mit Oberligist SV Spielberg soll das Vakuum auffangen.

Ist es so dramatisch?

Vorgestellt hatte das Präsidium im Herbst 2017 ein negatives Eigenkapital von 2,5 Millionen Euro (30. Juni 2017). Die laufende Saison mit geplanten Ausgaben von 5,2 Millionen Euro im Lizenzspielbetrieb hat sich auch wegen des frühen Trainerwechsels verteuert. Das geplante Minus von 1,8 Millionen Euro dürfte bei Abschluss zum 30. Juni beträchtlich höher ausfallen. Banken bei Laune zu halten, ist da nicht einfacher geworden. Dass sich der KSC über Wasser hält, verdankt er alleine dem Geld seines Vize-Präsidenten Günter Pilarsky, der auch die nächste Saison absichert. Bemühungen um neue Geldgeber laufen, erste Erfolge gab es. Eine „sehr teure Schlacht“ nennt Helmut Sandrock das Jahr in Liga drei.

Was macht Sandrock eigentlich?

Den früheren Generalsekretär des DFB, seit Juli 2017 Chef der Geschäftsstelle, sieht Wellenreuther als „Entlastung“. Im Herbst hatte der 61-Jährige gegenüber dieser Zeitung dargelegt, wieso er den KSC nur in einer Neuaufstellung als zukunftsfähig ansieht. „Der Blick in den Profifußball zeigt, und nicht nur dort, ehrenamtliche Führungsstrukturen stoßen an ihre Grenzen. Und es gehört auch zur Ehrlichkeit anzumerken, dass mit geänderten Strukturen wirtschaftliche Potenziale gewonnen werden könnten“, erklärte Sandrock. Wie der KSC aufgestellt sein sollte, hat er intern umrissen. Sollte er damit nicht durchdringen, könnten sich die Wege bald trennen. Sandrock genießt im Verwaltungsrat Ansehen und wohl auch Rückhalt auf dem von ihm skizzierten Weg des Kulturwandels. Die Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kommanditgesellschaft wie sie Preußen Münster gerade vollzog, ist indes an wirtschaftliche Voraussetzungen geknüpft. Diese Rechtsform wäre für den KSC nur über Geldgeber zu machen.

Und wie sieht’s beim Stadion aus?

„Niemand hat die Absicht, ein Stadion zu bauen.“ Diese ironische Anspielung auf den Mauer-Satz des DDR-Staats- und Parteichefs Walter Ulbricht hat man im Umfeld schon auf das Stadionprojekt umgemünzt. Dem Verein bleibt da das Lachen im Halse stecken. „Jede Zeitverzögerung geht zu unseren Lasten“, sagt Wellenreuther. Der Bau am jetzigen Standort ist seit Dezember 2016 verbrieft: Der Stadionkörper soll rund 75 Millionen Euro kosten. Insgesamt wurde das Projekt auf 113 Millionen Euro veranschlagt. Die Stadt finanziert vor, der KSC refinanziert innerhalb eines über 33 Jahre Laufdauer angelegten Pachtmodells. Die nächsten Termine: der 17. und der 24. April. Dann werden im gemeinderätlichen Hauptausschuss und im Rat Weichen gestellt. Das Abtragen der das Stadion umgebenden Wälle aus Kriegsschutt erweist sich als Kostentreiber. Alle Bieter gaben an, dass die Wälle beseitigt werden müssten. Die Fraktionen haben abzustimmen, ob die Stadt das Kostenpaket als Infrastrukturmaßnahme übernimmt, da der KSC ja nicht Verursacher dieser Situation ist. Mit einem „Ja“ im Gemeinderat rechnen Beobachter. Eine aufwendige Sanierung der 1955 eröffneten Arena, die längst aus dem Bild der Fußball-Moderne fällt, wäre die Alternative. Jeder, der dem KSC eine Zukunft im Profigeschäft wünscht, der weiß: Es ist keine.