Michael Kölmel | Foto: GES

Eine lange Vertragsgeschichte

Kölmel und der KSC

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Er sei nicht nachtragend, und habe seine Hilfsbereitschaft auch in der jüngeren Vergangenheit wieder bewiesen, sagt Michael Kölmel im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. Der Vertrag, der den Karlsruher SC an den gebürtigen Karlsruher bindet, ist inzwischen 18 Jahre alt.

Im nächsten Jahr könnte der Fußball-Drittligist, der an diesem Samstag (14 Uhr) sein Ligaspiel beim VfL Osnabrück bestreitet, den Vertrag ablösen. Dazu müsste er eine Schlusszahlung in Höhe von 7,7 Millionen Euro kreditieren lassen oder andere Finanzierungswege finden um Kölmel ein für allemal loszubekommen. Der Ausstieg  ist für den KSC eine Kann-Möglichkeit und kein Muss, betonte der 64 Jahre alte Unternehmer. Der Kölmel-Vertrag, er ist wirklich eine längere Geschichte. Eine Belastung für den KSC.

Eine lange Geschichte

Es hatte damals alles schnell gehen müssen, so erinnert sich Kölmel im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten am Freitag. Nachts um drei Uhr habe er sich damals in München im Notariat damit befasst gesehen, letzte Details mit dem KSC abzustimmen. Danach flossen die 15 Millionen D-Mark (7,7 Millionen Euro) nach Karlsruhe. Kölmels Geld war die Rettung in letzter Sekunde, die der damals von Detlef Dietrich angeführte Verein Anfang des Jahres 2000 sah, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Anpassungen im Vertrag wollte man, so erinnerte sich der Rechtehändler mit KSC-Mitgliedsausweis später, nachträglich und mit mehr Ruhe erörtern.

So kam es, dass der ursprüngliche Kontrakt mit ihm nicht mal ein Enddatum trug und dieser jahrelang widerspruchslos gelebt wurde. Dazu zählte die Übung, dass Kölmel dem Verein Geld, das ihm zustand, stundete. Für die Einmalzahlung von 15 Millionen D-Mark hatte sich der Sportwelt-Gründer auf Lebzeiten eine 15-prozentige Beteiligung an den zentral vermarkteten TV-Einnahmen erkauft. Erst nach dem zwischenzeitlichen Bundesliga-Aufstieg 2008 focht der KSC den Vertrag an – was Anwälte lange beschäftigte. 700 000 Euro hätten die des KSC daran verdient, sagt Kölmel heute und schüttelt den Kopf. Die Enttäuschung darüber, dass der Verein ihn juristisch angriff, sie war lange groß gewesen, gibt Kölmel im Gespräch zu verstehen.

„Verschlimmbesserung“ 2010

Nach einem vom damaligen Präsidium Paul Metzger schließlich forcierten Vergleich im Jahr 2010, den der amtierende Clubchef Ingo Wellenreuther als „Verschlimmbesserung“ bewertet, galt: „Sämtliche Vertragsbeziehungen“ zwischen dem KSC und Kölmel galten nicht mehr unbegrenzt. Mit der damals aus Rückstellungen an den Kreditgeber ausgezahlten Summe von sechs Millionen Euro hatte der KSC insgesamt über neun Millionen Euro aufgebracht. Der Vergleich sah vor, dass der KSC fortan in der Zweiten Liga nur noch zehn statt 15 Prozent seiner Einnahmen aus dem TV-Topf an Kölmel abzugeben hatte. In der Bundesliga wären dies 15 Prozent – und jede Saison im Oberhaus hätte die bei 21 Millionen Euro verabredete Deckelungssumme um 500 000 Euro erhöht.

Ein Sonderkündigungsrecht verabredeten die Parteien zum 30. Juni 2019 – zu diesem Datum könnte der KSC erstmals seinen Klotz am Bein losbekommen, so er Kölmel die Ausgangssumme von rund 7,7 Millionen Euro überweist. Nimmt der KSC diese Chance nicht wahr, so hat der Club seine TV-Anteile an Kölmel weiter zu zahlen – bis 21 Millionen Euro, so hoch ist die Deckelungssumme, erreicht sind. Derzeit zahle der KSC in etwa 100 000 Euro.

Kölmel half 2017 erneut

In der Folge des Abstiegs im Mai 2017 habe Kölmel dem KSC wieder seine Ansprüche gestundet. „Zusätzlich habe ich mit einem Darlehen ausgeholfen“, betont Kölmel am Freitag. Anzeichen, dass der KSC zu einer „kreativen Lösung“ (Wellenreuther) findet, um den Vertrag 2019 tatsächlich abzulösen, erkennt Kölmel nicht. Wie weit der KSC mit seinen bisherigen Zahlungen von den 21 Millionen Euro noch weg ist? Da muss der Unternehmer passen. „Das wollten wir mal ausrechnen lassen“, sagt Kölmel, der bis 2016 auch Inhaber des Leipziger Zentralstadions war.

Weitere Beiträge zur Frage der Besserungsscheine und zum Auswärtsspiel des KSC beim VfL Osnabrück lesen Sie in der Samstagausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten.