Dieses Symbolbild zeigt ein Feld im südlichen Landkreis. Am KIT wurde ein Forschungsprojekt zur „Entwicklung von Grundlagen zum Umgang mit PFC-belasteten Flächen“ ausgeschrieben. | Foto: Klatt

PFC in Mittelbaden

„Klare Parallelen zum Dioxin-Problem“

Anzeige

Die Belastung mit fluorierten Chemikalien in Mittelbaden und rund um Mannheim weitet sich immer weiter aus: „Heute, fünf Jahre nach der Entdeckung und sicher zwölf oder mehr Jahre nach Beginn der Belastung, sind drei Ministerien und sechs verschiedene Behörden mit der Bearbeitung und der Verwaltung befasst. Man untersucht den Boden und das Grundwasser, Landwirtschaft und Lebensmittel werden kontrolliert, es gibt Anbauempfehlungen und viele weitere Einschränkungen“, fasst Reiner Söhlmann, der PFC-Beauftragte des Landratsamtes den aktuellen „Stand der Dinge“ zusammen.

PFC-Skandal kostete die öffentliche Hand bereits fünf Millionen Euro

Bis jetzt hat der PFC-Skandal die öffentliche Hand bereits fast fünf Millionen Euro gekostet, von einer Lösung oder Sanierung hingegen ist man immer noch weit entfernt, auch wenn sehr viele umfassende Forschungsprojekte in Auftrag gegeben wurden. „Seit vergangener Woche ist nun bekannt, dass im Landkreis Karlsruhe auf sechs Flächen ebenfalls PFC gefunden wurde, und nun laufen auch dort die Untersuchungen an“, so Söhlmann. Weitere PFC-Belastungen sind bundesweit zu finden, wenn auch nicht in dieser flächenhaften Ausdehnung.

Auch im Landkreis Karlsruhe gibt es Untersuchungen

Das Bundesumweltministerium (BMUB) hat einen Bericht veröffentlicht, der die bislang bekannten Fakten der bundesweiten PFC-Belastung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen zusammengetragen hat und für das BMUB weist die „Umweltrelevanz der PFC nicht nur in Deutschland klare Parallelen zum Dioxin-Problem auf“. Das Umweltbundesamt hält es deshalb für notwendig, die gesamte Stoffgruppe der PFC umgehend in die Untersuchungsprogramme der Länder und des Bundes aufzunehmen, um die Daten endlich auch bundesweit zu sammeln: Wo gibt es eine PFC-Belastung von Wasser und Boden? Kennt man die Ursachen? Welche Konsequenzen hat es? Und welche Sanierungsmöglichkeiten sind denkbar? „Bislang sind nur die Daten von sechs Bundesländern erfasst, da ist noch „Luft nach oben“, ist sich Söhlmann sicher.

PFC-Forschungsprojekt wurde ausgeschrieben

In Mittelbaden sind viele PFC-Probleme ungelöst, wie zum Beispiel der Umgang mit den unbekannten chemischen Vorstufen, den Precursor-Molekülen, für die es so gut wie keine analytischen Bestimmungsmethoden gibt und die ebenfalls mutmaßlich mit den Papierschlämmen auf die Felder gekommen sind. Das baden-württembergische Umweltministerium hat deshalb Anfang 2018 in Zusammenarbeit mit dem Projektträger Karlsruhe am KIT ein umfassendes Forschungsprojekt „Entwicklung von Grundlagen zum Umgang mit PFC-belasteten Flächen“ ausgeschrieben, das explizit „fachlich belastbare Grundlagen erarbeiten soll, um umfassende Lösungen zur Gefahrenabwehr zu erarbeiten.“

Grundlagen sollen erarbeitet werden

„Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes sollen auf andere PFC-Belastungen übertragbar sein. Gleichzeitig gibt es auf Länder- und Bundesebene eine Vielzahl weiterer Forschungen – und es wäre grundsätzlich wünschenswert, wenn die Erkenntnisse dann in Zukunft gezielt auf Bundesebene koordiniert werden würden, um überhaupt Handlungsoptionen erarbeiten zu können“, so Söhlmann.

Papierindustrie beantwortet keine Anfragen zu PFC in Papierschlämmen

Und vielleicht würden sich bei einer bundesweiten Erfassung ja sogar belastbare Zusammenhänge zwischen der Lage von Papierfabriken, die Papierschlämme an diverse Abnehmer lieferten, und PFC-belasteten Flächen finden lassen? Nach wie vor beantwortet die Papierindustrie jedenfalls – mit Hinweis auf laufende Verfahren – keinerlei Anfragen zu PFC in Papierschlämmen und ist bei der Aufarbeitung des Skandals auch im Fokus der Öffentlichkeit irgendwie nicht präsent.

von Patricia Klatt