Blick in die Halle 2 mit dem Skulpturenplatz von „Die Galerie“ des Künstlers Aron Demetz
Blick in die Halle 2 mit dem Skulpturenplatz von „Die Galerie“ des Künstlers Aron Demetz | Foto: KMK/Jürgen Rösner

Große Resonanz

art Karlsruhe Fazit: Erfolg und Nachwehen des Wirbels um Erdogan-Karikatur

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Internationale Sammler, fachkundiges Publikum und zahlreiche Verkäufe hätten die 15. Ausgabe der art Karlsruhe geprägt, heißt es in der Bilanzmitteilung der Veranstalter. Befragte Anbieter wie Manuel Ludorff (Düsseldorf) oder Fenna Wehlau (München) äußerten sich sehr zufrieden mit der Anwesenheit von Sammlern auf der Messe. Auf große Resonanz während der fünf Messetage stieß die Sonderausstellung der Sammlung Frieder Burda. Die nächste art ist terminiert für 21. bis 24. Februar 2019.

„Banansprayer“-Karikatur löste Streit aus

Ein Aspekt bei der nun beendeten art war der Streit um die Karikatur „Türkischer Diktator“, zu dem sich jetzt auch Thomas Baumgärtel zu Wort gemeldet hat. Der als „Bananensprayer“ bekannte Kölner Künstler hatte eine unterleibslastige Darstellung von Tayyip Recep Erdogan mit Banane im Anus gemalt, die einen umstrittenen türkischen Journalisten auf den Plan brachte, was dazu führte, dass der Karlsruher Galerist Michael Oess das Bild abhängte.

Dazu Baumgärtel: „Herr Oess hat sich eigenhändig die Despotenserie von mir zum Zeigen auf der Messe rausgesucht. Er war aufgeklärt, was das bedeutet und dass er mit Gegenwind von Erdogans Geheimdienstlern, Erdogananhängern und religiösen Fanatikern rechnen muss. Vor zwei Jahren stand ich deshalb unter Staatsschutz (und es sieht bei den Morddrohungen, die gerade wieder bei mir ankommen danach aus, als würde ab heute wieder der Staatsschutz vor meinem Atelier und bei mir privat vor der Tür stehen müssen)“.

„Demonstration der Kunst- und Meinungsfreiheit“

Baumgärtel weist mit Nachdruck auf die grundgesetzlich verbrieften Freiheitsrechte in der Bundesrepublik hin: „Ein Galerist, der dieses Werk präsentiert – und die Messeleitung eingeschlossen – muss sich klar machen, dass es sich dabei um eine eindeutige Demonstration der Kunst- und Meinungsfreiheit handelt, die wir hier in unserem Land glücklicherweise lange erkämpft haben und schwer verteidigen müssen“.

„Geschäftsvorfall zwischen Künstler und Galerist“

Sowohl Ewald Karl Schrade, der Kurator und Projektleiter der art Karlsruhe, als auch Britta Wirtz, die Geschäftsführerin der Karlsruher Kongress- und Messe GmbH, betonen, dass es einzig und allein die Entscheidung des Galeristen gewesen sei, die Erdogan-Karikatur aus dem Verkehr zu ziehen. Hier handele es sich, so Wirtz, zunächst um einen reinen „Geschäftsvorfall zwischen Künstler und Galerist“. Was eine mögliche Verletzung von Persönlichkeitsrechten anbelangt, so liege es an demjenigen, der sich beleidigt fühle, Rechtsmittel gegen den Urheber einzulegen. Im übrigen betonte Wirtz: „Unser Haus steht für Demokratie und Meinungsfreiheit“. Es sei nicht im Sinne der Messeleitung, wenn etwas am ursprünglichen Gesamtbild verändert wird.