Ein Gipsrelief von von Wilhelm Loth ält der Galerist Christian K. Scheffel vor dem Objekt „Ostfriesland“ von Joana Vasconcelos. Neben ihm Alexander Heil, der Neffe des Bildhauers Wilhelm Loth. | Foto: Rösner

Loth-Skulpturenpreis

Im Zeichen der Frau

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Es sollte auf jeden Fall eine Frau werden – und es wurde eine Frau: Den ersten Loth-Skulpturenpreis der art Karlsruhe erhält die Künstlerin Joana Vasconcelos. Gemeinsam mit der Portugiesin, die 1971 in Paris zur Welt kam, wird ihr Galerist Christian K. Scheffel gewürdigt. Ähnlich wie beim art-Karlsruhe-Preis soll die Auszeichnung neben der künstlerischen Leistung auch das Engagement der jeweiligen Galerie belohnen: Immerhin ist das Platzieren von bildhauerischen Arbeiten mit einem ziemlichen Aufwand verbunden, der auch finanziell zu Buche schlägt. Scheffel zeigte sich denn auch „gerührt“ und lobte ausdrücklich das Bemühen der art, gerade auch Skulptur und Plastik ein Forum zu bieten: „Das macht die Messe aus, und deswegen bin ich so gerne hier“.
Erster Loth-Skulpturenpreis
Damit richtete er seinen Dank indirekt auch an Ewald Karl Schrade, den Kurator und Projektleiter der art, der bei der Preisverleihung noch einmal betonte, dass ihm eine angemessene Präsenz der Skulptur auf der Messe „ein großes Anliegen“ ist. Deswegen kämpfte er von Anfang an für die – insgesamt 20 – Skulpturenplätze, die sich organisch „wie im normalen Leben“ in das Gesamtambiente einfügen sollen. Im Falle von Joana Vasconcelos wird Schrades Bemerkung durch das Werk selbst noch verstärkt. Hat sie doch ihr filigranes Stahlobjekt „Ostfriesland“, mit dem sie auf der art (H3/J03) präsent ist, nicht nur einer Teekanne nachgebildet – das Werk, das sich stilistisch an der Handwerkskunst Portugals orientiert, lässt sich auch als Pavillon für gesellige Zusammenkünfte nutzen.
Gestiftet wird der mit 20 000 Eurodotierte Preis von der L-Bank. Die Staatsbank für Baden-Württemberg bat Alexander Heil, den Neffen von Wilhelm Loth (1920 bis 1993), sich nicht nur an der Jury für die Auszeichnung zu beteiligen, sondern auch die Laudatio zu halten. Heil nutzte die Gelegenheit, zunächst auf den Namensgeber des Loth-Skulpturenpreises einzugehen und die Bedeutung des Themas Frau und der Weiblichkeit für das Werk des Bildhauers zu beleuchten.
In der Konzentration Loths auf das Weibliche, wie sie im Entree der Messehallen mit einer markanten Loth-Plastik zeichenhaft zur Anschauung gebracht wird, habe man eine Verpflichtung gesehen, erläuterte Heil, der nicht zuletzt als Verwalter für den Privatnachlass des Künstlers eingesetzt ist. In Joana Vasconcelos habe man eine Künstlerin gefunden, die diesem Anspruch gerecht wird, etwa indem sie sich in Schloss Versailles mit den Befindlichkeiten der Frauen auseinandergesetzt hat, die dort gelebt haben.
Alle 1 200 Plastiken habe Loth hinterlassen, berichtete Heil, dazu Zeichnungen, Fotografien und sogar knapp 100 Malereien. Weil dieser Fundus so groß ist, gab es zu Scheck und Urkunde noch eine außergewöhnliche Dreingabe: Die (nicht anwesende) Künstlerin und der (anwesende) Galerist erhielten je ein Gips-Relief Formen von Wilhelm Loth, der von sich sagte, er suche „Formen, das reale Leben anbietet und die für mich schön sind, weil sie lebensbejahend sind“.