Jonathan Meese spricht auf der art Karlsruhe. | Foto: Tanja Mori Monteiro

Hans Platschek Preis

Jonathan Meese: „Wir brauchen Liebe zur Kunst“

Der Künstler Jonathan Meese erhält im Forum der art Karlsruhe den 10. Hans Platschek Preis. Das Medien- und Besucher-Echo ist groß, die Ränge sind gut gefüllt: Die Auftritte des Berliners sind berüchtigt, kann man doch nie sicher sein, was passiert – und, ob er tatsächlich erscheint. So warten die Besucher gespannt.

Fotos von und mit Meese sind beliebt

Und er kommt. Meese stellt sich für die Fotografen in Pose, richtet den Mantel und sagt „sonst ist die Mami unzufrieden“. Weiteres Blitzlichtgewitter.

 

„Man muss immer etwas Spaß haben, sonst ist es unerträglich“, sagt der Künstler und genießt das Bad in der Menge. Meese ist – für ihn typisch – schwarz gekleidet, trägt eine schwarze Adidas-Jacke, eine schwarze Schlaghose und Doc Martens.

Karlsruhe und Kunst

In seinem Buch schreibt Meese: „Kunst ist ein kunstfreier Raum, da haben die Deppen von Karlsruhe gar nichts zu melden.“ Ein Wink an das Bundesverfassungsgericht.

Auszeichnung für Jonathan Meese

„Was soll der Künstler tun? Kunstmessen meiden“ – so lautet ein weiteres Zitat des Künstlers. Und gerade heute ist er auf einer Kunstmesse und wird ausgezeichnet. Meese hat eine große Sprachbegabung. Er nutzt Worte immer wieder, kaut sie immer wieder durch – manchmal sogar so lange, bis sie wirklich durchgekaut sind. Zum Beispiel wie Klaus Kinski.

Flammende und polarisierende Rede

Normalerweise nimmt er keine Preise an, diesen schon. Das Geld wolle er seiner Mutter geben, die die Finanzen verwaltet. Dann beginnt er seine flammende und polarisierende Rede. „Es geht nicht um dich, es geht um die Kunst, die überleben wird“, sagt er. „Wir lassen uns nur auf Nostalgien ein. Wir denken noch, dass wir Menschen an die Macht wählen müssen.“

Politiker verbieten das Spiel zur Zukunft hin, so Meese weiter. Die Zukunft kommt, wenn wir uns ihr nicht in den Weg stellen. Seine Forderung lautet: „Wir müssen wieder Spielkinder werden.“ Die Masse wird laut Meese nichts mehr erreichen. Er sagt, dass er mit 18 ein einziges Mal gewählt hat. Damals habe er noch „Lotterie“ gespielt. Er habe seine Stimme abgegeben, alles angekreuzt und so seinen Stimmzettel ungültig gemacht, sagt der für seine Provokationen bekannte Maler.

Meese: „Kunst ist versachlichte Führung“

Revolutionen brauchen wir seiner Meinung nach nicht, sondern Evolutionen. „Jede Ideologie ist gleich scheiße“, erklärt er. „Wir brauchen einfach nur Liebe zur Kunst.“ Donald Trump bezeichnet er als einen der größten Künstler unserer Zeiten und sagt voraus, dass auch er abdanken wird. Kunst sei versachlichte Führung. Irgendwann verschnauft er und sagt, dass er nun noch zweiseitiges Manifest vorlesen werde. Applaus. Die Rede geht weiter und weiter und weiter.

Hier das Ende der Performance von Jonathan Meese: