Überzeugen auf diversen Kanälen: Klaas Heufer-Umlauf und Olli Schulz
Überzeugen auf diversen Kanälen: Klaas Heufer-Umlauf und Olli Schulz | Foto: dpa/ Jenna Dallwitz

Schulz und Heufer-Umlauf

Von ProSieben in die „Klotze“

Anzeige

Während der eine sich in einem Anzug aus Fleisch- und Fischabfällen in den brasilianische Rio Negro wagt, gibt der andere in weißem Bademantel und zurückgegelten Haaren sein Gedicht „Die Mett-Braut“ zu Besten. Klaas Heufer-Umlauf und Olli Schulz – beide sind sie selbstironisch, bewegen sich in ihrem Humor immer wieder an der Grenze des Zumutbaren und sind scheinbar um keinen Witz verlegen.

Von zusammengenähten Lippen und Stromschlägen im Gesicht

Klickt man sich durch Youtube, sieht man Klaas Heufer-Umlauf seinen Co-Moderator Joko Winterscheidt beim „Duell um die Welt“ dazu animieren, sich die Lippen zusammenzunähen, in einem nächsten Beitrag, klärt er über Organspende auf. Er hat eine kindliche Freude dabei, Winterscheidt während einem „Quiz Bizarr“ bei falschen Antworten leichte Stromschläge zu verpassen – doch auf der auf der „Fest“-Bühne wird er mit einem Mal ernst, wenn er von einem toleranten Europa spricht.

 

Ein klares Statement zu Europa kommt von Klaas Heufer-Umlauf bei seinem Auftritt mit Gloria auf der Hauptbühne.
Er bekennt sich klar zu Europa: Klaas Heufer-Umlauf bei seinem Auftritt mit Gloria in der „Klotze“. Foto: Hora | Foto: Hora

„Wenn die Regierungschefs das mit Europa nicht hinbekommen, machen wir das eben selbst“, lautete am Samstagabend seine kämpferische Ansage. Mit Mark Tavassol versorgte er das vom Regen durchnässte Publikum mit warmen Pop-Klängen und leicht daherkommenden, dennoch nicht minder klaren Statements zum politischen Weltgeschehen. Gefühlvoll sang er „Du kennst jetzt meine Art zu schreiben. Doch kennst du auch meine anderen Seiten?“ In solchen Momenten wird klar, dass es Heufer-Umlauf nicht nur um Aufmerksamkeit geht: Er hat ein Anliegen.

Fernab von Ironie und doppeltem Boden

Von seiner vermeintlich anderen Seite, zeigte sich auch Olli Schulz am Sonntagabend auf der Hauptbühne. Dem ProSieben-Zuschauer ist er bekannt als „die perfekte Mischung aus Ryan Gosling und Rocco Siffredi“, die als Sidekick von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in „Neo-Paradise“ Erotik-Gedichte verliest oder als Charles Schulzkowski, der betrunken Besucher auf der Berlinale anpöbelt.

Er mag Musik nur, wenn sie laut ist: Olli Schulz auf der Hauptbühne bei "Das Fest"
Er mag Musik nur, wenn sie laut ist: Olli Schulz auf der Hauptbühne bei „Das Fest“. Foto: Hora | Foto: Hora

Ohne doppelten Boden und fernab jeglicher Ironie wandte er sich bei „Das Fest“, in einer Lobeshymne auf die Musik, an seine Tochter: „Irgendwann da wirst du groß sein und suchst deine Melodie, doch schläfst jetzt gerade auf meinem Schoß ein, und dieser Song – unser Song – endet nie.“ Seine Tochter sei es auch gewesen, die vor Kurzem die ganze Aufmerksamkeit in der U-Bahn auf sich zog. „Ihr wurden zwei Ballons geschenkt – erst später habe ich gesehen, dass die von der AfD waren“, erzählte der 44-Jährige. „Nun erkläre deiner kleinen Tochter einmal, dass du ihr das aus der Hand nehmen musst“, sagte er und schloss mit einer unmissverständlichen Botschaft: „Nicht alle, die die AfD wählen sind Nazis. Aber sie sind dumm. Es ist falsch, diese Partei aus Protest zu unterstützen.“

Tiefgründig, melancholisch und gesellschaftskritisch

Eine Überraschung sind die tiefgründigen, teilweise melancholischen bis hin zu gesellschaftskritischen Texte von Schulz und Heufer-Umlauf jedoch mitnichten. Heufer-Umlauf hat auch während seiner Zeit bei ProSieben kein Geheimnis aus seinem politischen Engagement bei der SPD gemacht, mit der Ansage „Das Leben ist kein U-Bahnhof“ engagiert sich Olli Schulz in der Obdachlosenhilfe.

Weder dem Zusammennähen der Lippen von Heufer-Umlaufs Kumpanen Joko Winterscheidt, noch Olli Schulz Pöbeleien auf der Berlinale 2012 lässt das nachträglich einen tieferen Gehalt abgewinnen – das muss es auch nicht. Es zeigt vielmehr, dass die beiden bereits vor ihrem musikalischen Durchbruch deutlich mehr waren, als alberne „Quatschköpfe“.