Weidenfeller
Roman Weidenfeller verabschiedet sich beim letzten Saison-Heimspiel von den BVB-Fans. | Foto: Ina Fassbender

BVB-Ikone

A grandios Abschied: Weidenfeller beendet Karriere

Dortmund (dpa) – Einen derart emotionalen Abschied gab es nur für ganz wenige BVB-Profis. Berauscht vom tosenden Applaus und den leidenschaftlichen Sprechchören der Fans erklomm Roman Weidenfeller die Dortmunder Südtribüne und versuchte sich als Vorsänger.

Obwohl der Wunsch des Torhüters auf einen Einsatz in seinem letzten Heimspiel gegen Mainz nicht erfüllt wurde, empfand er die Atmosphäre als magisch: «Das war auch für mich einmalig. Diese tollen Momente werde ich mein Leben lang nicht vergessen.»

Auch eine Woche später beim Saisonfinale der Borussia in Hoffenheim wurde Weidenfeller von den BVB-Anhängern bejubelt, als ihm der scheidende Trainer Peter Stöger noch einen Kurzeinsatz von zwei Minuten gewährte.

Nach 16 Jahren beim Revierclub beendete der 37-Jährige seine aktive Karriere. Ein endgültiger Abschied vom Fußball war es jedoch nicht. Schließlich bleibt der am Rande des Westerwalds geborene, aber von den Fans als «Dortmunder Junge» gefeierte Weidenfeller dem Verein in offizieller Funktion als Markenbotschafter erhalten.

In den nächsten Monaten wird er jedoch vor allem damit beschäftigt sein, das Abschiedsspiel am 7. September zu organisieren. «Da erwarte ich noch einmal richtig große Emotionen. Das Spiel wird auf jeden Fall mit tollen Spielern bestückt sein, die die Zuschauer begeistern werden», sagte der Routinier. Als erst siebter Spieler der BVB-Vereinshistorie erhält er ein persönliches Abschiedsspiel.

Weidenfeller kann auf eine erfolgreiche Laufbahn zurückblicken. Mit dem BVB gewann er je zweimal die Meisterschaft (2011 und 2012) und den DFB-Pokal (2012, 2017). 2011 war er in Vertretung des lange verletzten Sebastian Kehl auch Kapitän des Teams. Unvergessen bleibt sein damaliger Kultsatz in einem Interview mit einem englischen Journalisten: «We have a grandios Saison gespielt!»

Zu den vielen Lichtblicken seiner Karriere zählt das Champions-League-Finale 2013 gegen den FC Bayern (1:2) und vor allem der Weltmeistertitel von 2014. Zwar kam der Keeper in keinem WM-Spiel zum Einsatz, trug aber als Teamplayer zur guten Stimmung im WM-Quartier Campo Bahia bei. Der erfahrene Weidenfeller hätte im Falle eines bis kurz vor Turnierbeginn drohenden Ausfalls von Stammtorhüter Manuel Neuer den Vorzug von Bundestrainer Joachim Löw vor dem weiteren Ersatztorhüter Ron-Robert Zieler erhalten.

Es gehört zu den Besonderheiten seiner Karriere, dass Weidenfeller erst spät den Weg in die Nationalmannschaft fand. Abgesehen von einem Einsatz im Jahr 2005 für die damalige Perspektivmannschaft 2006 blieb ihm der Weg in die DFB-Elf lange versperrt. Als er 2011 trotz starker Leistungen im Dortmunder Meisterteam erneut keine Nominierung erhielt, reagierte er mit beißender Kritik: «Vielleicht sollte ich mir die Haare schneiden, oder einfach etwas zierlicher werden.»

Die anschließende Aufregung über den plumpen öffentlichen Spott veranlasste ihn wenige Tage später zu einem verbalen Rückzug. «BVB-Torwart Roman Weidenfeller weist Berichte zurück, nach denen er sich angeblich ’schwulenfeindlich‘ geäußert habe», hieß es in einer Erklärung seines Clubs.

Es spricht für die Charakterstärke von Löw, dass er den Dortmunder Schlussmann 2013 im vergleichsweise hohen Alter von 33 Jahren dann doch noch berief. Beim 1:0 gegen England im Wembley-Stadion feierte Weidenfeller sein Debüt. In der Vorbereitung auf das WM-Turnier 2014 absolvierte er zwei Partien. Der Blick zurück auf die märchenhafte Zeit in Brasilien sorgt noch heute für Hochgefühle beim Torwart: «Es war ein großer Glücksmoment.»

Ähnlich wie im Campo Bahia bewies er auch in Dortmund in seinen beiden letzten Jahren Größe, als er sich klaglos hinter dem neuen BVB-Stammkeeper Roman Bürki einordnete. Auch das trug zu seinem Kultstatus in der Revierstadt bei und bestärkte die Vereinsführung in der Entscheidung, den gelernten Bürokaufmann zum Marken-Botschafter zu ernennen. «Das ist eine neue Herausforderung für mich. Ich möchte den Verein auch auf der anderen Seite kennenlernen. Ich glaube, es wird spannend bleiben.»