Bereit für das Russland-Abenteuer sind (von links) Martin Fix, Oliver Warth, Melanie Bauer, Oliver Brannath, Steffen Rudolf und Christian Maier. Ihre Fahnen waren schon während der WM in Brasilien im TV zu sehen. | Foto: Sandbiller

KSC-Fans fahren zur Fußball-WM

Stadionhopping zwischen Wolga und Ostsee

Oliver Warths Russland-Abenteuer beginnt einen Tag nach der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft. Am 15. Juni wird der 35-Jährige mit seiner Verlobten Melanie Bauer in Frankfurt in den Flieger steigen, um über Minsk an sein erstes Ziel zu gelangen: Moskau.

KSC-Anhänger fliegen nach Moskau

Im Olympiastadion Luschniki in Moskau bestreitet die Deutsche Nationalmannschaft am Sonntag, 17. Juni, ihr erstes Vorrundenspiel gegen Mexiko. Dann werden nicht nur Oliver Warth und Melanie Bauer in Russlands größten Stadion mitfiebern: Mit Martin Fix, Oliver Brannath, Steffen Rudolf und Christian Maier werden noch mehr KSC-Anhänger auf den Rängen sitzen und Jogis Jungs anfeuern.

Die Fußball-Touristen aus der Region waren 2014 auch bei der WM in Brasilien dabei

Für die Truppe aus Karlsruhe und Bruchsal ist es nicht die erste WM-Expedition. Bei der Fußball-WM vor vier Jahren fuhren sie per Auto kreuz und quer durch Brasilien, vor acht Jahren ging es ans Kap der Guten Hoffnung nach Südafrika. „Da war ich leider nicht dabei“, bedauert Warth. Auch bei den vergangenen Europameisterschaften waren die Fußball-Touristen aus dem Badischen zu Gast in den Stadien, vor zwei Jahren in Frankreich, vor sechs Jahren in Polen und der Ukraine, 2008 in Österreich und der Schweiz.
Dabei besuchen die KSC-Fans nicht nur die Spiele der deutschen Elf, es zieht sie auch zu anderen Begegnungen, in andere Stadien.

Oliver Warth ist ein „Stadion-Sammler“

Es gibt Menschen, die sammeln Briefmarken oder Schallplatten, andere setzen auf kostspielige Kunst, Oliver Warth, Oliver Brannath und die anderen sammeln Stadien. Sie sind leidenschaftliche Groundhopper. Oliver Brannath („KSC-Freak“) kann bereits auf die stolze Zahl von 1 000 Fußballspielen in 229 Stadien in 47 Ländern zurückblicken. „So viel habe ich noch nicht“, sagt Warth lachend. Der gebürtige Bruchsaler, der jetzt im Karlsruher Stadtteil Neureut lebt, hat bisher 17 Länder bereist und dort 480 Fußballspiele in 144 Stadien angeschaut. In den kommenden Wochen werden einige Stadien dazukommen, darunter das Fisht-Olympiastadion in Sotschi (23. Juni, Deutschland-Schweden) und die Kasan-Arena (27. Juni, Deutschland-Südkorea) in Kasan, der Hauptstadt der Tataren im Südwesten von Russland.

Die Groundhopper Oliver Warth und Melanie Bauer hoffen auf ein sehr gutes Abschneiden der DFB-Elf – Karten sind ihnen bis ins Finale sicher. | Foto: Sandbiller

„Es ist ein Hobby, das nun mal auch Geld kostet. Ich spare gerne dafür, aber ich würde nie einen Kredit deshalb aufnehmen“, sagt der 35-Jährige. „Es sollte sich schon die Waage halten.“ Auch der Urlaub als Angestellter – Warth arbeitet als Schlosser bei der Stadt Bruchsal – ist begrenzt. „Es ist etwas anderes, wenn man selbstständig ist und eine eigene Firma hat – da genießt man mehr Freiheiten.“

Nach der WM-Gruppenauslosung ging die Planung los

Nun also Russland. Kaum war die WM-Gruppenauslosung Anfang Dezember über die Bühne gegangen, gingen bei Oliver Warth und seiner Verlobten auch schon die Planungen los. Sie stellten eine Route zusammen, buchten Flüge und Unterkünfte. Je nach Abschneiden der DFB-Elf haben die beiden Tickets bis zum Finale sicher. Warth rechnet fest damit, dass Deutschland Gruppenerster wird („wenn nicht müssen wir unsere Routen variieren“), und im Idealfall das Finale erreicht, das im Luschniki Stadion in Moskau am 15. Juli ausgetragen wird. Damit würde seine Russland-Expedition dort enden, wo sie sehr bald beginnt.

Auf dem Schwarzmarkt bekommt man immer Karten – die Frage ist nur für welchen Preis

In Moskau wollen Oliver und Melanie nicht nur das erste Deutschlandspiel schauen, sondern am Tag vorher auch die Partie Argentinien-Island im Spartak Stadion (Heimspielstätte des Vereins Spartak Moskau) besuchen. „Offiziell ist das Spiel natürlich ausverkauft, aber erfahrungsgemäß bekommt man auf dem Schwarzmarkt immer Karten – es bleibt nur die Frage, was man bereit ist zu bezahlen“, berichtet der Groundhopper. Von der russischen Hauptstadt will der Fußballer, der bei der SV 62 Bruchsal kickt, nach Rostow am Don fliegen, dann weiter in den asiatischen Teil, nach Jekatarinenburg, und natürlich in beiden Städten idealerweise je ein WM-Spiel anschauen. Rückflug nach Sotschi. Dann wartet eine 23 Stunden lange Zugreise nach Wolgograd. „Von dort geht es erneut 22 Stunden mit dem Zug – es werden kostenlose Fanzüge eingesetzt – nach Kasan, dann weiter mit dem Flieger nach St. Petersburg“, berichtet Warth.

Weiße Nächte und das Achtelfinale in St. Petersburg

Wenn sein Plan aufgeht („und wir Gruppensieger sind…“), werden er und Melanie nicht nur die berühmten Weißen Nächte in der Hafenstadt an der Ostsee erleben, sondern auch das Achtelfinalspiel der Deutschen. Für den 4. Juli ist der Rückflug nach Frankfurt gebucht. „Einen Tag arbeiten, Wäsche waschen, Sachen richten… und am 6. Juli geht es zurück nach Russland, nach Samara“, sagt Warth. Wenn…, ja wenn Jogis Jungs nach Warths Plan spielen…

Unvergesslicher Abend im Maracanã Stadion

So ähnlich war es schon in Brasilien 2014. Zwei Wochen verbrachte das Paar in Südamerika, flog zurück. Und dann war alles wie im Traum… Deutschland kam ins Endspiel und Oliver Warth ergatterte von einem Münchner zwei Karten für das WM-Finale im Maracanã Stadion in Rio de Janeiro. „Wir flogen noch einmal für eine Woche nach Rio“. Der Fußballfan grinst wie ein Honigkuchenpferd: „Das war der Wahnsinn!“ Ein unvergessener Abend – an den nun auch ein Tattoo auf seiner linken Wade erinnert: Der WM-Pokal mit der Deutschlandfahne und der Cristo-Statue.

 

Groundhopping
Groundhopping ist eine Sammelleidenschaft von Fußballfans, bei der es darum geht, Fußballspiele in möglichst vielen verschiedenen Stadien rund um den Globus zu besuchen. Die Liga spielt dabei keine Rolle. Die Groundhopping-Szene ist weitgehend unorganisiert. Strikte Regeln gibt es nicht, für die meisten gilt jedoch: Ein Ground muss mit einem Fußballspiel verbunden sein, der bloße Stadionbesuch zählt nicht. Das Wort Groundhopping setzt sich zusammen aus dem englischen Substantiv ground – bezeichnet unter anderem das Spielfeld eines Stadions – und dem Verb to hop, das hüpfen oder springen bedeutet. Groundhopping meint also das Hüpfen von Stadion zu Stadion.
Die Idee, Groundhopping organisiert zu betreiben, hatte der Brite Geoff Rose 1974. Der Sportjournalist schlug er vor, für Fans, die alle 92 Stadien der vier englischen Profiligen besucht hatten, eine spezielle Krawatte zu produzieren. 1978 wurde dann der so genannte „92-Club“ gegründet. In deutschen Fankreisen kam der Groundhopping-Trend während der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien auf.
Einmal im Jahr erscheint der Groundhopping-Informer. Das Buch ist eine Art Adressbuch des Weltfußballs, das nahezu alle Stadien der Welt mit Adresse, Telefonnummer und Fassungsvermögen auflistet.