Vor 20 Jahren wurde das CyberForum aus der Taufe gehoben - als virtuelle Anlaufstelle war es zunächst geplant. Es wurde jedoch so viel mehr daraus: Einer der erfolgreichsten Cluster in Europa. | Foto: CyberForum

Aus den Anfangstagen …

„IT war damals eine Sache für Freaks“

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Starthilfe geben, Schwung vermitteln, Abkürzungen finden auf dem Weg zum Unternehmer, die Motivation war klar: Das CyberForum sollte vor allem Startrampe sein für Unternehmensgründungen, es ihnen leichter machen, um am Markt Fuß zu fassen. „Wenn man in der Startphase ein Jahr einsparen kann, ist das Gold wert“, erläutert Friedrich Georg Hoepfner rückblickend. Er war Initiator des CyberForum, das in diesem September auf seine 20-jährige Geschichte zurückblicken kann.
Das CyberForum hat heute seine Räume in der markanten Hoepfner-Burg in Karlsruhes Oststadt. Geplant war vor zwei Jahrzehnten etwas Anderes: Eigentlich sollte das CyberForum nur eine virtuelle Einrichtung werden, eine Plattform für junge Unternehmer. Hoepfner blickt zurück: „Anlass war 1997 die Idee der damaligen Bürgermeisterin Heinke Salisch, Mercedes nach Karlsruhe zu holen. Ich und mein Bekannter Jakob Karszt waren damals im Osterurlaub, als wir davon mitbekamen. Wir entwarfen ein Konzept, was man machen müsste, um Unternehmen nach Karlsruhe zu holen.“ Auf 30 Seiten formulierten die beiden Unternehmer die Idee des Cyberparks und schickten es an den damaligen Oberbürgermeister Gerhard Seiler. Der lud wenige Monate später Hoepfner ins Rathaus ein und erklärte: „Friedrich, du machsch des.“ Freilich, mit Unterstützung der Stadt.

Friedrich Georg Hoepfner und der damalige OB Gerhard Seiler, 1997, im Gründungsjahr des CyberForums. Ohne die beiden gäbe es das Netzwerk in der heutigen Form wohl nicht. | Foto: CyberForum

„Wahrscheinlich die beste Investition für die Region“

„Von Beginn an war die Idee, die komplette Technologieregion Karlsruhe mit einzubeziehen, ebenso wie Institutionen und Behörden, die als Vereinsmitglieder über Mitgliedsbeiträge die gute Sache finanzieren“, erläutert der Unternehmer. „Aus heutiger Sicht ist das CyberForum die wahrscheinlich beste Investition in die Förderung der Wirtschaft, die die Region je getätigt hat.“
Anfangs habe es noch Verwirrung um das Konzept einer virtuellen Anlaufstelle gegeben. „Der Wirtschaftsminister wollte uns damals mit Mitteln aus dem Altbau-Programm fördern, was uns jedoch nichts brachte. Wir wollten ja gar nicht bauen!“ Der Name CyberForum, der das Konzept einer virtuellen Anlaufstelle besser traf, stammte übrigens von der damaligen Stadtkämmerin Margret Mergen, heute OB in Baden-Baden. „Sie war von Anfang an involviert.“
Hoepfner erinnert sich mit einem Schmunzeln an die Auftaktveranstaltung des CyberForum, eine Mischung aus Vortrag und Networking-Event im alten Hoepfner-Burgsaal. „Ich rechnete im Vorfeld mit etwa 100 Besuchern, 86 kamen dann. Für uns war das ein Erfolg. Gekommen sind die Teilnehmer vor allem aus den Bereichen der Informationstechnologien. Ganz einfach gesagt: Sie kamen, weil sie sich einsam fühlten. IT war damals noch eine Sache für Freaks, überspitzt formuliert. Heute ist es Querschnittstechnologie. Ohne Computer kommt kein Unternehmen mehr aus.“

Veranstaltungen zum Netzwerken gehörten seit Beginn des CyberForums dazu. Hier ein Foto des Infomarkts im Hoepfner Burghof, aus dem Jahr 1999. | Foto: CyberForum

Damals war das Gründen noch mit mehr Hindernissen verbunden

Die erste regelmäßige Veranstaltung des CyberForum war der Infomarkt, der auch heute noch durchgeführt wird. „Es ging am Anfang darum, Geschäftskontakte zu knüpfen. Mit Lauflisten bin ich umhergegangen und habe die einzelnen Partner zusammengebracht“, blickt Hoepfner zurück. Und online waren die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme noch längst nicht so vorhanden wie einige Jahre später. Helfer rekrutierte Friedrich Georg Hoepfner aus einem Kreis zahlreicher Freiwilliger, die sich für die Sache einsetzten.
Die meisten Besucher der Veranstaltungen waren für die Hilfe dankbar. „Die Voraussetzungen für das Gründen eines IT-Unternehmens waren damals deutlich anders als es heute der Fall ist“, betont Hoepfner. Zwar müsse ein Gründer auch heute noch die ausgewogene Mischung aus Sturheit und Anpassungsfähigkeit vorweisen, das Umfeld habe sich aber geändert. „Damals brauchte man unter Umständen ein Rechenzentrum mit Investitionsbedarf, ohne Skalierbarkeit der Leistung. Man musste vom Fleck weg In-frastruktur für die maximal erwartbare Leistungsabfrage bereitstellen. Heute genügt es, den Dienstleister anzurufen und zusätzliche Kapazität steht zur Verfügung.“ Rein finanziell stellte das bereits eine große Hürde da. Auch die Software habe sich weiterentwickelt, die Lösungen flexibel bereitstellen.

Fünf Jahre CyberForum, da durfte auch schon einmal gefeiert werden – 2002 war die Einrichtung den Kinderschuhen entwachsen, war aber noch nicht so strukturiert, wie es heute der Fall ist. | Foto: CyberForum

„Wer in die IT wollte, wurde komisch angeschaut“

Auch die Erwartungen habe sich im Vergleich zu den Anfangstagen im CyberForum geändert: „Wer als junger Mensch Ende der 90er Jahre in ein Start-up wollte, wurde zunächst schief angeschaut. Das hat sich gewandelt, gerade Studienabgänger schätzen flache Hierarchien und hippe Arbeitgeber. Heute ist es cool, in einem Start-up zu arbeiten. Damit veränderte sich im Lauf der Jahre auch das Beratungsangebot. Business-Angel ist heute ein anerkanntes Berufsbild.“ Im Jahr 2000 erreichte die Mitgliederzahl des CyberForums die 500. „Wir haben das groß gefeiert. Zu jenem Zeitpunkt hatte sich die Organisation eingespielt, die Vereinsgeschäfte liefen gut und das CyberForum war den Kinderschuhen entwachsen.“ Die Weichen für die Zukunft waren da schon gestellt.