Nach welchem ethischen Prinzip handelt ein automatisiertes Fahrsystem? Das Ausstellungsstück „Ethical Antonomous Vehicles“ des in Shanghai lebenden Schweizer Künstlers Matthieu Cherubini beinhaltet jeweils einen humanistischen, profitorientierten und einen Schutz-Algorithmus. | Foto: Rake Hora

Verkehr der Zukunft

Immanuel Kant steuert das Auto-Auto

Die Beine aufs Armaturenbrett legen und die Fahrt im automatischen Auto genießen – davon träumen viele. Aber wie entscheidet ein Algorithmus eines selbstfahrenden Vehikels in einer Gefahrensituation? Fährt dann Immanuel Kant im Zweifel das Auto-Auto gegen die Wand?

Brisantes Thema mit aktuellem Bezug

Ein brisantes Thema, gerade jetzt, nachdem ein autonomes Testfahrzeug des US-Fahrdienstes Uber mit einer Fußgängerin auf der Straße zusammenstieß und sie tödlich verletzte.

„Open-Codes“-Stück beschäftigt sich mit ethischen Problemen

Mit den ethischen Problemen des autonomen Fahrens beschäftigt sich in der „Open Codes“-Ausstellung auch das Stück „Ethical Autonomous Vehicles“. In dem interaktiven Kunstwerk des in Shanghai lebenden Schweizer Künstlers Matthieu Cherubini wird der Betrachter in einer virtuellen Welt mit drei unterschiedlichen Algorithmen und vier verschiedenen Dilemmata-Situationen konfrontiert.

Donald Trump ist mittendrin

Es mag ganz komisch sein, wenn US-Präsident Donald Trump Gegenstand der Schadensklassifizierungen ist. Das Lachen bleibt einem aber im Halse stecken, wenn der profitorientierte Algorithmus bei einer Kollision den Tod der Insassen in Kauf nimmt, weil der US-Präsident von emotionslosen Code-Zeilen wertvoller als die Passagiere eingeschätzt wird.

Die Collage zeigt Ausschnitte des Ausstellungsstück „Ethical Autonomous Vehicles“.

Ethikkommission befasst sich mit Dilemmata

Mit Dilemmata-Situationen befasst sich auch die Ethikkommission des Bundesministeriums für Verkehr. In deren Leitlinien wurde unter anderem festgehalten, dass bei unausweichlichen Unfallsituationen jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche und geistige Konstitution) strikt untersagt ist.

Kluft zwischen Theorie und Praxis

Bei solchen unausweichlichen Unfallsituationen offenbart sich die Kluft zwischen Theorie und Praxis. Denn welcher Autofahrer hat schon mal eine derartige Unfallsituation erlebt? Es dürfte klar sein, dass sich der menschliche Fahrer in so einer Konstellation nur falsch entscheiden kann.

Auto-Auto entscheidet nicht selbst

Dennoch führt das Kunstwerk den Betrachtern unmittelbar vor Augen, dass das Auto-Auto eigentlich überhaupt nicht selbst entscheidet. In letzter Konsequenz ist der Algorithmus im selbstfahrenden Wagen nur so schlau wie sein Programmierer und: errare humanum est – irren ist menschlich. Fehler in Algorithmen können tödliche Folgen haben.

Fehlerquelle ist der Mensch

In diesem Zusammenhang muss auch bedacht werden, dass zurzeit knapp 90 Prozent aller Verkehrsunfälle durch menschliche Fehler entstehen. Ob das führerlose Auto den Verkehr sicherer macht, bleibt aber letztlich noch zu beweisen.

Computer ist der bessere Autofahrer

Allerdings ist festzuhalten, dass das autonome Fahrzeug niemals abgelenkt ist, niemals müde ist, eine blitzschnelle Reaktion hat und wohl der bessere Fahrer ist. Zudem ließe sich mit dem Auto-Auto künftig der Verkehrsfluss in Ballungsgebieten flüssiger gestalten.