Impression Sonderschau Sammlung Frieder Burda "L'Amour fou pour l'Art"
Impression Sonderschau Sammlung Frieder Burda "L'Amour fou pour l'Art" | Foto: KMK/Jürgen Rösner

Preise bis 1,5 Millionen Euro

Preview-Tag der art Karlsruhe

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Unter großem Publikumsandrang ist am Mittwochabend die art Karlsruhe eröffnet worden. Ab diesem Donnerstag ist die Kunstmesse für das allgemeine Publikum geöffnet und bietet bis einschließlich Sonntag ein ebenso dichtes wie vielfältiges Angebot an Malereien, Plastiken oder Fotografien, aber auch an Künstlerpostkarten wie sie etwa die Edition Staeck vorhält. Ein Highlight stellt die eigens für die art zusammengestellte Sonderschau mit Werken aus der Sammlung Frieder Burda dar.

Erdmännchen aus Plastik

 

Er muss es geahnt haben. Oder liegt es einfach daran, dass im Kunststoff-Devotionalien-Shop von Ottmar Hörl so ziemlich alles zu haben ist, was das kultivierte, deko-affine Herz begehrt? Ob Froschkönig oder Franz Josef Strauß, Rose, Rabe oder Dürer-Hase, Karl der Große oder Karl Marx: Hörl hat’s, bzw. seine Galerie, Abtart, Stuttgart (H1/U02).

Nun ist, just wenige Tage vor Eröffnung der art Karlsruhe, das überaus beliebte Erdmännchen im Zoo gestorben, und siehe da: Wer trauert, kann bei Abart als Trost ein Erdmännchen erwerben. Das ist dann zwar aus Plastik, dafür kann man zwischen den Farben Gelb, Orange, Rot, Pink, Weiß, Schwarz, Gold oder Silber wählen, Kostenpunkt 60 Euro, signiert 140 Euro.

Eröffnung der art-Karlsruhe

Am Mittwochabend war die Eröffnung der art Karlsruhe mit Britta Wirtz, der Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH, mit dem Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), sowie Baden-Württembergs Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) als Rednern. Auch Ewald Karl Schrade, der Initiator und Projektleiter der art, kam zu Wort. Ihm ist es tatsächlich gelungen, sein Jahr um Jahr erneuertes Versprechen einzuhalten, die Qualität der Kunstmesse Stück um Stück zu steigern – nur der Blumenschmuck war in früheren Zeiten eindrucksvoller.
art Karlsruhe 2018: Skulptur von Anke Eilergerhard, vertreten durch die Galerie Tammen & Partner in Halle 3 Foto: KMK/Jürgen Rösner
art Karlsruhe 2018: Skulptur von Anke Eilergerhard, vertreten durch die Galerie Tammen & Partner in Halle 3 Foto: KMK/Jürgen Rösner | Foto: KMK/Jürgen Rösner

Kunstsammler: vom Normalverdiener bis zum Millionär

Einer von Schrades Grundsätzen lautet: Auch mit kleinem Geldbeutel kann man zum Kunstsammler werden, und selbst für das schmalste Budget ist auf der Karlsruher Kunstmesse etwas zu finden. Bernd Reiters Crash Installation „Ironie des Schicksals“ bei Michael Schultz (H2/A17) dürfte Schrade kaum gemeint haben – die, so ist zu hören, soll für einen Preis von 1,5 Millionen zu haben sein. Wem das zu viel ist, dem bietet sich die Edition Staeck (H1/W10) an. Dort gibt es für einen Euro Postkarten mit den kritischen Botschaften des Heidelberger Grafikers, Juristen und Joseph-Beuys-Freundes Klaus Staeck, von dem auch Originalcollagen zu erwerben sind etwa die mit der süffisanten Werbebotschaft „es lohnt sich für Ihren Geldbeutel – Sie sparen 33 Prozent“.

Porzellanobjekte im Luftballon-geknoteten-Look

Mit derlei Lockangeboten ist bei Jeff Koons nicht zu rechnen. Der US-Amerikaner, gegen dessen Plan, die Stadt Paris mit einer Großplastik zu beglücken, Künstler und Intellektuelle gerade Sturm laufen, ist bei Premium Modern Art (H1/W03) mit drei Multiples vertreten. Die Preise, so ist von der Galerie zu erfahren, legt der Künstler selbst fest; im Falle von „Balloon Swan“, einem Porzellanobjekt in Form eines aus Luftballon geknoteten Schwans, schlagen bei einer Auflage von 999 Stück 12 495 Euro zu Buche, der „Balloon Rabbit“ kostet 16 065 Euro.

Bunte Kunst

Koons fällt in die Kategorie „Bunte Kunst“. Von der gibt es in den Messehallen genug. Siehe etwa James Rizzi (1950 bis 2011), der von Art 28 (H1/T03) vertreten wird, oder die Arbeit „Cinderella“ von David Gerstein bei der art box berlin (H1/S03): Das ist ein stilisierter Schuh, der von lauter fröhlichfarbenen Schmetterlingen umgeben ist.

Was versteckt sich da?

Dabei muss das Aufeinandertreffen starker Farben nicht notwendigerweise in visueller Banalität enden. Konrad Winter, dem die DavisKlemmGallery aus Wiesbaden (H2/B05) eine Einzelausstellung widmet, „verpixelt“ Bilder so stark, bis die Grenze zur Erkennbarkeit erreicht ist, dann malt er sie mit einem Zwei-Komponenten-Autolack auf Aluminium. Da gibt es dann Fahrräder, Flaschen, Sonnenblumen, und wer genau hinschaut, wird sogar eine Ansicht vom Karlsruher Schloss entdecken.

Preisträger vor zwei Jahren: Werner Schmidt

Deftig geht auch Donald Martiny bei Klaus Braun, Stuttgart, (H2/A01) zur Sache. Einerseits. Modelliert er doch expressive Malgesten aus Polymerschaum. Andererseits zeichnen sich diese plastisch hochgepuschten Pinselzüge durch hohe farbliche Differenzierung aus. Die findet man stilistisch auf völlig andere Wiese auch bei Werner Schmidt, der vor zwei Jahren mit dem art-Karlsruhe-Preis geehrt wurde. Der Maler zeigt bei Wohlhüter (H2/B21) zwei Werke, die eindrucksvolle mit einer Balance zwischen zwei gegensätzlichen Farbabmischungen spielen. Ein paar Schritte weiter trifft man – immer noch bei Wohlhüter – dann auf ein hammerhartes Kontrastprogramm: Thomas Deyle wartet mit monochromen Farbarealen auf, die direkt auf die Netzhaut zielen.

Winterliche Verkehrsszenarien

Wer danach Beruhigung sucht, der kann etwa bei den Angeboten an exzellenter Schwarzweiß-Fotografie in Halle Zuflucht nehmen, auch wenn die Motive selbst nicht unbedingt anheimelnd sind: So hat Arnold Odermatt (Springer Berlin, H1/B08) winterliche Autounfälle fotografiert und dabei Aufnahmen von einer Skurrilität zuwege gebracht, die später (diesmal in Farbe) noch eine zusätzliche humorige Dimension erhält, etwa wenn ein Schweizer Ordnungshüter mit einem Besen bei Stans Verkehrsschilder vom Schnee reinigt. Wobei der heute 92-Jährige als Insider agierte: Er war Polizist. Die wache Aufmerksamkeit, mit der er mit der Kamera durch die Welt ging, darf man sich gern zum Vorbild nehmen. Sie nutzt auch beim Gang durch die art.