Furioser Auftritt: LaBrassBanda läuteten am Sonntagabend die Schlussrunde ein. | Foto: Mori Monteiro

Rückblick auf die „Fest“-Bands

Frei von Berührungsängsten

Was wird vom „Fest“ 2017 bleiben? Bei manchem Besucher vielleicht das Bild des im Groove mitwiegenden Ordners beim Auftritt von Äl Jawala, das für ein paar Sekunden auf den Videowalls zu sehen war – ein Symbol der rundum beglückenden Kraft, die Musik entfalten kann, wenn sie so beseelt vorgetragen wird. Ein anderes Symbol jener Kraft war Äl Jawalas Ausflug ins Publikum: Die straßenmusik-erprobte Balkan-Beats-Formation zog zwischen den Besuchern durch und formierte sich mitten unter ihnen zum Kreis, der positive Energie über den ganzen Hügel aussendete.

Passten perfekt zum „Fest“: Äl Jawala boten am Samstag zu später Stunde mitreißende Weltmusik. | Foto: Hora

Ohnehin passte die Freiburger Band, die den Samstag als „Night Club“ ausklingen ließ, perfekt zur „Fest“-Tradition, denn sie kennt keine Berührungsängste. Nicht musikalisch, indem sie Balkanmelodien, Reggae und elektronische Dance-Bässe mischen (was ähnlich elektrisierend wirkte wie das Crossover von Techno und Marching-Band-Sound von Meute am Vortag). Und auch nicht körperlich, indem sie sich direkt in die Menge begibt.

Eine beeindruckende Mischung aus Blasmusik und Techno präsentiert die Band "Meute" zum Abschluss des ersten "Fest"-Tages.
Beeindruckende Mischung aus Blasmusik und Techno: Meute am Abschluss des ersten „Fest“-Tages. | Foto: Hora

Ohne Berührungsängste erschien auch Sido. Erst am Nachmittag, als er entspannt übers Gelände schlenderte und bereitwillig für Selfies posierte. Und dann auf der Bühne, wo der einstige böse Bube des Deutsch-Rap keine Scheu vor äußerst radiotauglichem Pop zeigte und sich eher als junggebliebener Onkel mit grauem Hipster-Bart, flapsigen Sprüchen („So viele Zahnspangen in der ersten Reihe – ich dachte erst, das wären Handys oder Feuerzeuge“) und altbewährten Mitsingspielchen (Wer kann lauter – der Hügel oder die ersten Reihen?) präsentierte.

Am Anfang noch mit Maske, später mit Cap und Sonnenbrille, aber immer mit goldenem Mikro: Rapper Sido auf der „Fest“-Bühne. | Foto: Hora

Sowieso völlig frei von Berührungsängsten sind die Jungs von „Feine Sahne Fischfilet“, die sich mit voller Energie in ihren Auftritt warfen und dem Publikum ordentlich Gründe gaben, sich mit voller Energie aufeinander zu werfen. Auch wenn in den Texten stets klare Kante gegen Rechts angesagt ist (die Berührungsangst wird da, je nach Gegenüber, auch mal mit der Faust aufgehoben) – zumindest in Karlsruhe war ihr Konzert vor allem ein Anlass zu kontrolliertem kollektiven Ausrasten vor der Bühne, das mit dem letzten Akkord der letzten Zugabe wieder beendet war.

Mit Volldampf voraus: „Feine Sahne Fischfilet“ und ihre Fans. | Foto: Hora

Noch authentischer, weil nicht durch lange Vorabdiskussionen herbeigefiebert, war der berührungsangstfreie Pogo des Publikums am späteren Samstagabend vor der Feldbühne bei „Django S“, einem entfesselt aufspielenden bayerischen Bastard aus messerscharfer Waveband und Brass-Kapelle. Sänger Dr. Faxe war so angetan von den dabei geschwenkten blauen Luftgitarren, die es am BNN-Stand für Teilnehmer des Spiels „Gitarrero“ gab, dass er deren Träger umgehend auf die Bühne bat, worauf die Band drei Songs lang mit optischer Verstärkung weiterrockte.

BNN-Luftgitarren auf der Feldbühne: „Django S“ rockten drei Songs lang mit optischer Verstärkung. | Foto: Jüttner

Selbst beim Klassik-Vormittag mit der Badischen Staatskapelle waren Berührungsängste Fehlanzeige: Zu Croissant und Kaffee gab’s nicht Mozart und Wagner, sondern neben Auszügen aus Operetten und Ballettmusik auch Musicals – zu Recht schmetterte Eddie Gaunt „What a beautiful morning“ in die Runde. „Zwischen den Welten“ lautete der Programmtitel, der auch für Thomas Sifflings Konzert zwischen Triphop und Jazz gepasst hätte – „Flow“ traf den Sound aber auch ganz gut.

Ganz nah an den Stars: BNN-Meet&Greet-Gewinnerin Marion Westermann backstage bei LaBrassBanda. | Foto: Mori Monteiro

Und die Weltenbummler LaBrassBanda, die das Publikum am Sonntag kurz vor Amy Macdonald aufs Finale einschworen, hatten keine Hemmungen, direkt nach ihrem schweißtreibenden Auftritt mit furiosen Grooves, virtuosen Bläsersätzen und zungenbrecherischem Bayern-Rap die Gewinner der BNN-Meet&Greet-Verlosung zu empfangen. Einer der vielen Momente beim „Fest“ 2017, die bestätigten: Musik verbindet.

Sympathische Schottin: Amy Macdonald war am Sonntag der letzte Act dreier rundum erfolgreicher“Fest“-Tage. | Foto: Hora