Die feministische Rapperin Sookee sprach im Interview über Frauen im Hip-Hop.
Die feministische Rapperin Sookee sprach im Interview über Frauen im Hip-Hop. | Foto: Bodamer

Interview auf dem „Fest“

Sookee ist nicht nur die „Deko obendrauf“

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Die feministische Rapperin Sookee hatte am Freitag den Headliner-Slot auf der Feldbühne. In ihren Texten spricht Sookee gesellschaftliche Tabuthemen wie Prostitution von Müttern oder faschistische Indoktrination von Kindern an und nimmt kein Blatt vor den Mund. 2013 hat sie mit einem Song die Kampagne „One Billion Rising“ unterstützt, die sich für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Kinder einsetzt. Warum sie es lieber hätte, wenn sie sich in der „Männerdomäne Rap“ nicht durchbeißen müsste, erzählte sie unseren Volontärinnen Renan Sarah Frankenreiter und Eva-Christin Scheu.

Wenn man Leute auf der Straße fragt, was sie mit Feminismus assoziieren, antworten die meisten: Alice Schwarzer, verbrannte BHs, Achselhaare – für was für einen Feminismus stehst du?

Sookee: Also, dass das noch so stark mit Alice Schwarzer verbunden wird, erstaunt mich eigentlich, weil ich dachte darüber sind wir hinweg. Beim Feminismus geht es für mich um Fragen von Freiheit und Gleichheit im weitesten Sinne und um Geschlechtergerechtigkeit im feineren Sinne. Feminismus kümmert sich ja nicht nur um Frauenfragen, sondern insgesamt um die Frage, wie leben Menschen in der Gesellschaft miteinander. Ich finde, das mit einer Person zu assoziieren, viel zu mau. Wer sich das abgewöhnen mag, Feminismus mit Alice Schwarzer zu verbinden, ist hiermit herzlich dazu eingeladen, zu schauen, was gibt es eigentlich noch dazu zu sagen.

Hast du da eine bestimmte Form von Feminismus, die du bevorzugst? Ordnest du dich da irgendwo ein oder sagst du, Schubladen sind nichts für mich?

Sookee: Ich finde das wichtig, einen queer-feministischen Akzent zu setzen, weil es eben nicht nur darum geht, weiße Mittelstands-Hetero-Frauen möglichst weit nach oben zu bringen im System, sondern zu schauen, wie verhält es sich mit Körperpolitik, wie dürfen Menschen aussehen, wie nicht, was wird sozusagen gesellschaftlich sanktioniert. Das betrifft ganz viel sowas wie Schönheitsideale, aber auch Fragen rund um sexuelle Selbstbestimmung. Abtreibung ist ein großes Thema, aber auch die Frage, wie verhält es sich mit Entlohnung, also die Gender Pay Gap und so, wie werden Frauen wahrgenommen, wie sind Geschlechterbilder tradiert, warum ist es überhaupt ein Ding, dass Feminismus und Hip-Hop als Kombination – irgendwie so häh geht denn das – also wenn mir diese Frage nicht mehr gestellt würde, wüsste ich, dass wir einen Schritt weiter sind. Alle Menschen müssen überall so leben dürfen wie sie es wollen, mit Blick auf ihre individuelle Selbstbestimmung bei einem gleichzeitigen Bewusstsein für ein kollektives Miteinander.

Du als Frau in der Männerdomäne Rap – wie funktioniert das für dich? Wie beißt du dich da durch?

Sookee: Im Hip-Hop ist es leider eben so, dass Frauen als Körper verstanden werden und nicht als Personen, die irgendwie eine Kompetenz haben. Frauen dürfen mittanzen und schön aussehen, dabei sein, aber nicht als diejenigen die Sachen entscheiden, die die Maßstäbe setzen. Das ist ein bisschen wie die Deko obendrauf. Und das ist was, das mich total stört, dass Frauen nicht als Menschen gesehen werden, die einen inspirieren, zu denen man aufschauen kann. Das ist eine Ungleichbehandlung. Es ist ein bisschen schwierig, weil die Begriffe so abgenutzt sind: Ungerechtigkeit, meine Güte, die Welt ist halt so schlecht, Gleichberechtigung, ja dann bemüht euch doch, dann schafft ihr das schon, kämpft euch durch, beißt euch durch. Ja nee, habe ich keinen Bock. Ich fände es voll geil, wenn ich mich nicht durchbeißen muss, sondern wenn Leute von vornherein ihre inneren Vorurteile abzubauen lernen.

Du warst ja bereits 2013 in Karlsruhe beim „Holla die Waldfee Festival“. Ist dir irgendwas von den Leuten oder der Stadt hier in Erinnerung geblieben?

Sookee: Ja, es gab einen sehr besonderen Moment auf dem Konzert, ich war zu der Zeit sehr schwanger und es gab einen Mann im Publikum, der mich aufgefordert hat, mich auszuziehen. Damit ich meinen Bauch zeigen soll. Da gab es tolle Reaktionen im Publikum. Da hat sich eine Traube von Frauen um ihn gestellt und die haben sich mit dem einfach so rausbewegt, er mittendrin und musste mitgehen, sodass ich in Ruhe mein Konzert spielen konnte und die Crowd hat sich darum gekümmert, dass der aufhört zu nerven. Und das fand ich sehr, sehr schön.

Wenn du jetzt hier auf dem „Fest“ spielst – hast du davor schon einmal davon gehört gehabt?

Sookee: Soweit ich weiß, ist es das älteste „Umsonst und Draußen“-Festival im deutschsprachigen Raum. Und das finde ich schon sehr schön, dass es da so eine Tradition gibt und dass Leute das seit vielen Jahren nutzen können. Und dass es einen freien Zugang zu Kultur und Musik gibt, das ist natürlich immer sehr, sehr schön.