Ein Schule fürs Leben kann das Boxen sein. | Foto: dpa

Comenius Realschule, Karlsruhe

Boxen – mehr als nur ein Sport

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Marlon Schweigle

Merkur Akademie Karlsruhe, Comenius Realschule, Klasse 8b

Es fing alles an einem lauwarmen Sommernachmittag, ich weiß es noch wie gestern, als mein Papa mich wie jeden Mittwoch pünktlich um 15.30 Uhr von der Schule abholte und wir zu meiner ersten Boxstunde fuhren. Ich war  nervös, sodass wir die Fahrzeit über bis zum Boxclub kaum geredet haben. Ich schaute aus dem Fenster und versuchte mich abzulenken. Schließlich war ich bisher nur immer stiller Zuschauer bei meinem Papa oder seinen Freunden.

„Ich war sehr stolz“

Dort angekommen, raste mein Herz so schnell, dass ich das Gefühl hatte, es würde mir gleich herausspringen. Gleichzeitig freute ich mich auch, endlich mal selbst eine Trainingsstunde zu bekommen. Mein Papa hatte mir schließlich kurz zu vor eine komplette Boxausrüstung gekauft. Ich war sehr stolz. Wir gingen den Eingang zum Boxstudio hinein. Es war in einem Hinterhof gelegen, gleich hinter dem Boxclub befand sich eine KFZ Werkstatt, in einem Industriegebiet. Von außen sah es aus wie eine etwas ältere Lagerhalle, die zu einem Boxstudio umfunktioniert wurde. Die Dame am Eingang begrüßte uns herzlich. Wir liefen die Treppen des Boxclubs in den Keller hinunter, dort war der Trainingsraum für Kampfsportarten des Studios. An den Wänden hingen überall Bilder von verschiedenen Boxgrößen. Ich war fasziniert. Der Trainer setze sich mit mir auf den Boden, der mit Sportmatten ausgelegt war und erklärte mir die grundlegenden Dinge über das Boxen. Wir unterhielten uns eine Weile. Ich fing an mich richtig wohl zu fühlen und konnte es kaum abwarten loszulegen. Nachdem wir einige Übungen gemacht hatte, schaute mein Trainer auf die Uhr und meinte, dass das Training vorbei ist. Ich war fix und fertig, mir standen die Schweißperlen auf der Stirn und trotzdem war ich überglücklich. Mir gefiel es so gut, dass mein Papa für mich die Woche darauf ein weiteres Training vereinbarte.

Trainer: Du kannst alle Ziele erreichen

Der Trainer verabschiedete sich von mir und meinem Papa und sagte, dass wir alle Ziele erreichen können,
wenn wir bereit sind einen Weg hinter uns zu bringen. Diesen Satz hatte ich Tage danach und ehrlich gesagt bis heute in meinem Kopf, er ermutig mich einfach immer wieder weiter zu machen auch da, wo andere längst aufgehört haben.

Etwas ungewöhnlich für einen jungen heranwachsenden Mann, sich für das Boxen zu entscheiden. Die meisten Jungen aus meiner Klasse waren im Fußballverein– oder Tennis. Fußball hatte ich kurzzeitig auch mal probiert, musste aber schnell feststellen, dass man bei dieser Sportart nur im Team etwas erreichen kann, da kann man einfach kein Einzelkämpfer sein. Was nicht heißt, dass ich nicht gerne im Team zusammenarbeite, dass tue ich sogar sehr gerne. Ich mag es Gruppenarbeiten mit meinen Freunden und Klassenkameraden zu machen, aber ich denke im Leben gibt es Aufgaben, die man nur alleine bewältigen kann und dann gibt es welche, die man nur gemeinsam schafft.

Marlon Schweigle Foto: pr

 

Manchmal fehlt das Fußballspielen

Zeitweise fehlt mir das Spielen auf dem Fußballplatz mit meinen Fußballkollegen schon, aber zwischen Schule, Sport und Freizeit konnte ich mich langfristig gesehen nur auf eine Sportart konzentrieren, um in dieser so gut wie nur möglich zu sein. Mein Papa erklärte mir viel zum Boxen, welche Techniken es gibt, wie man seinen Körper positionieren muss, welche Ausdauer man benötige und vor allem, dass Boxen nichts mit Gewalt zu tun hat. Boxen ist eine Lebenseinstellung.

Der erste Kampf

Nach einigen schweißaufreibenden Jahren und hartem Training stand mein erster Kampf an. Genauer gesagt vor fast genau zwei Jahren, im November 2015. Mein Trainer erklärte mir oft, dass man in den Ring steigen muss, um das wahre Boxen kennen zu lernen, dass man nur dann lernt, wenn man ins kalte Wasser geschmissen wird. Einen Gegner hat, den man oftmals noch nie zu vorgesehen hat und sich auf jeden einzelnen Gegner anders einstellen muss. Natürlich war es im Training oftmals einfach, man wusste von seinen mit trainierenden die Stärken und Schwächen und konnte dann darauf eingehen. Anders war es im Ring, dort steht man jedes Mal vor einer neuen Herausforderung. Vielleicht ist es genau das, was den Nervenkitzel so ausmacht, was das Boxen so interessant macht, dass man nie weiß welche Techniken der Gegenüber hat. Nach meinen ersten drei Kämpfen, bisher blieb es auch bei diesen, durfte ich einen Sieg, eine Niederlage und ein Unentschieden einstecken. Es sind für mich die besten drei Arten, wie meine ersten Kämpfe hätte ausgehen können. Ich konnte somit das Gefühl des Sieges und das Gefühl der Niederlage erleben.

Niederlagen machen stärker

Ich denke dennoch bis heute, dass die Niederlage mich am weitesten gebracht hat, denn aus dieser konnte
ich lernen. Der erste Sieg hat mir zwar viel Kraft gegeben und ich konnte aus diesem eine Menge Energie und vor allem auch Selbstwertgefühl im Ring schöpfen, aber die Niederlage hat mich viel stärker gemacht. Stärker im Umgang wie ich in Situationen auch im Alltag umgehe, die nicht immer so laufen wie sie sollen. Genau das ist einer der Punkte wo mich mein Sport extrem fördert und fordert. Ich habe jedes Mal aufs Neue eine neue Herausforderung, jedes Training macht mich stärker und jeder Kampf bestätigt mich, dass ich mich für die richtige Sportart entschieden habe. Es war nicht immer einfach, das Boxen. Mal gewinnt man, mal verliert man.

Das Boxen funktioniert genau wie das Leben selbst, du fällst hin, du stehst wieder auf und du tust es immer wieder – bis du auf deinen eigenen Beinen stehen kannst. Als Kind sind wir ja auch oft hingefallen und haben nie angezweifelt ob Laufen das Richtige für uns ist.
Du darfst hinfallen, aber du musst immer wieder aufstehen.