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Verkehr

18 Kreuzungen in Karlsruhe sind besonders gefährlich für Radfahrer

In Karlsruhe sind 18 Kreuzungen besonders gefährlich für Radfahrer. Etwa die Reinhold-Frank-Straße zwischen Garten- und Moltkestraße. Am häufigsten sind Autofahrer verantwortlich für Unfälle mit Radfahrern – etwa, indem sie ihnen die Vorfahrt nehmen.

Abbiegende Autos bringen Radfahrer besonders oft zu Fall, so wie in den vergangenen Monaten mehrfach an der Sophien- und der Reinhold-Frank-Straße. Die Kreuzung ist ein Unfallschwerpunkt. Die Polizei setzt auf neue Wege bei der Auswertung von Daten, um kritische Passagen besser zu erkennen und zu entschärfen. Foto: privat

Mehr als ein Dutzend Kreuzungen in Karlsruhe sind gefährlich für Radfahrer. Dort erleiden sie besonders häufig Unfälle. 18 solcher Unfallschwerpunkte erkennt die Polizei im Rückblick auf 2018. Problemstrecke ist die Reinhold-Frank-Straße zwischen Garten- und Moltkestraße. Auch da, wo sie die Fahrradstraße Sophienstraße kreuzt, häufen sich Unfälle mit Radelnden.

Viel ist typisch am folgenden aktuellen Unfall: Eine 37-jährige Autofahrerin biegt am Mittwoch gegen 17.10 Uhr in der Theodor-Heuss-Allee nach rechts auf den Adenauerring ab und missachtet laut Polizei, dass ein 31 Jahre alter Radler, der auf dem Fuß- und Radweg parallel zum Adenauerring von links kommt, Vorfahrt hat. Es kommt zur Kollision.

Statistik: Meist verursachen Autofahrer Unfälle mit Fahrrädern

Der Radler stürzt und verletzt sich, in dem Fall laut Polizei nur leicht. So glimpflich gehen Radunfälle oft nicht aus. Knallt es und ist ein Fahrrad im Spiel, liegt die Schuld laut Polizei in etwas mehr als der Hälfte der Fälle (52 Prozent) nicht beim schwächeren Verkehrsteilnehmer.

Meist bringt dann ein Pkw radelnde Unfallopfer zu Fall (70 Prozent). Zu 16 Prozent ist es ein anderer Radfahrer. Abbiegen oder die Vorfahrt nehmen sind mit Abstand häufigste Verursacherfehler. Lösen Radler einen Unfall aus, trifft es Autofahrer in 60 Prozent der Fälle, andere Radfahrer zu 23 Prozent.

Oststadt-Kreisel ist größter Unfallschwerpunkt in Karlsruhe

Als Leiter des Referats Verkehr beim Polizeipräsidium Karlsruhe füttert Joachim Zwirner seit Mitte 2018 ein neues Programm mit Unfalldaten. Im Radlerforum, Karlsruhes interner Expertenrunde zum Thema Radverkehr, geht es am Freitag, 11. Oktober, auch um die Erkenntnisse des bundesweit gefragten Referenten für sichere Radwege.

Details sind entscheidend. „Die Situation muss dem Verkehrsteilnehmer über das Unterbewusstsein alles erklären“, betont Zwirner. Der unechte Oststadt-Kreisel erkläre sich so nicht. Er ist Unfallschwerpunkt Nummer eins in der Stadt. Das trifft alle Verkehrsarten, 2018 auch drei Radfahrer. Sogar vier Radler erwischte es bei der Überquerung der Kapellenstraße an der Kapelle auf dem Alten Friedhof.

Brennpunkte auch in Rüppurr und der Innenstadt

Ein Brennpunkt bei Radunfällen im Osten liegt am Fuß der Ex-Paracelsusklinik an der Killisfeldstraße in Durlach-Aue. In Rüppurr gibt es gehäuft Probleme an der Herrenalber Straße zwischen Diakonissenstraße und Ostendorfplatz. Negativ fällt auch die Kreuzung von Erbprinzen- und Lammstraße auf. Dort endet Karlsruhes einzige Straße, die für Radler reserviert ist. An der Karlstraße aber zeigt sich Besserung – durch Umbau.

Kommentar

Je detaillierter Kenner – von Alltagsradlern bis zu Verkehrsplanern – kritisch das wachsende Radwegenetz in Karlsruhe betrachten, desto besser. Der neue Ansatz der Polizei, die anhaltend hohe Zahl von Unfällen mit Radfahrern auf lineare Zusammenhänge hin zu durchleuchten, ist auf jeden Fall vielversprechend.

Diese Sichtweise ähnelt vielleicht nicht nur zufällig dem Alltag vieler Menschen in der Großstadt. Ob im Fahrradsattel, am Steuer eines Autos oder zu Fuß: Für Wege von und zur Arbeit oder in der Freizeit entwickelt der mobile Stadtmensch mehr oder weniger automatisch eine Route, die zügiges und sicheres Vorankommen verspricht.

Und nicht wenige dürften das leise Unbehagen beim Gedanken an einen kritischen Knotenpunkt auf der Strecke kennen. Da springt sozusagen ein warnendes Blinklicht im Inneren an. In vielen Fällen trügt es nicht. Noch sind viele Unfallschwerpunkte zu entschärfen. Trotz Rückschlägen: Das ist in Karlsruhe auch schon gelungen. Und mit der ungebremst wachsenden Zahl von Radlern zeichnet sich auch deutlicher ab, wo die Probleme liegen.

Der fortwährende Stadtumbau bietet große Chancen auf Abhilfe. Sie werden erkennbar genutzt. Schrittweise erhalten Radfahrer mehr Platz. An immer mehr Kreuzungen sind sie nicht mehr an den Rand gedrängt, geben Autos und Lastwagen Straßenraum ab. Doch sobald sich die Wege der starken und der schwächeren Verkehrsteilnehmer kreuzen, etwa beim Abbiegen, bleibt die Unfallgefahr meist hoch – zu hoch.

Schon lange binden die Förderer des Radverkehrs im Rathaus nicht nur den Datenschatz der Polizei in die Expertenrunde „Radlerforum“ ein. Dort tauschen sich Stadträte, Aktive der Fahrradverbände und Bürgervereine, Senioren, Studenten, Fachleute aus der Stadtverwaltung und Touristiker aus.

Diese qualifizierte Ideenwerkstatt entfaltet bisher positive Wirkung. Dies dürften die Beteiligten künftig gern auch offensiver in die Öffentlichkeit tragen.

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