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Projekt von Sportwissenschaftlern

ActivityKIT will Karlsruher Studenten zum Kampf gegen „Corona-Kilos“ motivieren

Pandemie-bedingte Veränderungen treffen nicht nur Arbeitnehmer. Auch Studenten und Studentinnen haben nun deutlich weniger Bewegung. Diesem Mangel entgegenzuwirken – auch unabhängig vom Virus – ist der Anspruch von Jule Kunkel und ihrem Team vom KIT.

Jule Kunkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sportinstitut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und Leiterin von „ActivityKIT“. Foto: Anne Behrendt/IfSS/KIT

Das Arbeiten im Homeoffice kann ganz schön träge machen. Kein Kollegen-Plausch im anderen Büro, der Spaziergang in der Mittagspause fehlt und der Weg in die Kaffeeküche ist zu Hause auch meistens deutlich kürzer. Die Folgen: So manch einer klagt über Rückenschmerzen, und der Begriff „Corona-Kilos“ ist mittlerweile auch schon in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen.

Doch solche Pandemie-bedingten Veränderungen treffen nicht nur Arbeitnehmer. Auch Studenten und Studentinnen haben nun deutlich weniger Bewegung. Diesem Mangel entgegenzuwirken – auch unabhängig vom Virus – ist der Anspruch von Jule Kunkel und ihrem Team. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sportinstitut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist Leiterin von „ActivityKIT“. Das Projekt ist Teil der deutschlandweiten Initiative „Bewegt studieren – Studieren bewegt! 2.0“ der Techniker Krankenkasse und des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands und wird auch darüber finanziert.

150 Minuten pro Woche aktiv sein

„Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, mindestens 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv zu sein – mit moderater Intensität, das bedeutet, ein wenig aus der Puste kommen“, erklärt Kunkel. „Und lange Sitzphasen sollen gemieden beziehungsweise unterbrochen werden. Mit unserem Projekt versuchen wir, diese Vorgabe einfacher im Alltag umzusetzen.“ Konkret bedeutet das zum Beispiel, die Lehrenden zu sensibilisieren, ihre Veranstaltung mit einer Steh- oder Aktivpause zu unterbrechen.

Außerdem gibt es in der Bibliothek mittlerweile Stehpultaufsätze. Trotz solcher bereits umgesetzter Maßnahmen und eingehender Analysen sehen sich die Verantwortlichen allerdings noch am Anfang des eingeschlagenen Weges. Denn das Thema hat nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht immenses Potential. „Unser Körper ist für Bewegung gemacht“, betont Jule Kunkel. „Das stundenlange und vor allem ununterbrochene Sitzen auf Stühlen kann Nebenwirkungen mit sich bringen.“

Zum Beispiel Verspannungen in Nacken und Rücken oder auch Beeinträchtigungen in Motivation, Konzentration und Wachheit. „Wir müssen uns mehr bewegen“, mahnt Kunkel. „Die WHO zählt Inaktivität zu den größten Risikofaktoren für globale Mortalität.“

Situation erfordert neue Ideen

Das Projekt „ActivityKIT“ will hinsichtlich dessen aufklären, und es ist auch angesichts der momentanen Lage „wichtiger denn je“, findet Kunkel. „Eigentlich ist unser Ziel, für mehr Bewegung auf dem Campus zu sorgen. Nun ist unsere Herausforderung, die Studierenden in ihrem Homeoffice zu erreichen“, betont die 41-Jährige.

Das bedeutet aus wissenschaftlicher Sicht allerdings auch eine Steilvorlage. „Es ist spannend, die aktuelle Situation zu erforschen, aber auch neue Ideen zu entwickeln.“ Im Frühjahr wurden verschiedene Gruppen aus Studierenden gebildet, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der neuen Lage befassten.

Eine Studentin entwarf im Rahmen eines Forschungsprojekts eine Stehpause-Intervention für das Arbeiten von zu Hause aus. Außerdem wurden die Auswirkungen des Homeoffice auf das Gesundheitsverhalten der Studierenden untersucht. Und um sich mit den Kommilitonen besser zu vernetzen, startete das Team eine Instagram-Kampagne. Naturgemäß ist der Kontakt mit den Studierenden momentan eingeschränkt. „Wir arbeiten daran, die Menschen über Online-Lehre und Online-Interventionen zu erreichen“, so Kunkel.

Teilprojekt heißt „Inklusiv mobil“

Ein wichtiger Aspekt von „ActivityKIT“ ist auch, bewegungseingeschränkte Studierende miteinzubeziehen, zumal derzeit auch dieser Gesellschaftsgruppe die Alltagsaktivität oft fehlt. So gibt es das Teilprojekt „Inklusiv mobil“, das sich auf die Fahne geschrieben hat, Inklusion im Hochschulsport sowie in der Lehre am Institut für Sport und Sportwissenschaften besser zu verankern.

„Hier musste erst mal viel Grundlagenarbeit geleistet werden, wir haben aber auch schon konkrete Aktionen umgesetzt“, erklärt Jule Kunkel. „Zum Beispiel hatten wir für den Inklusionslauf des Baden-Marathons in den letzten Jahren eine ,Läufer-Börse’, in der sich die Sportler als Teams zusammenfinden konnten. Außerdem haben wir auf der Website eine Sammlung von Übungsvideos, die verbal so gut beschrieben sind, dass auch Menschen mit Sehbeeinträchtigung gut folgen und mitmachen können.“

30 Kniebeugen in 30 Sekunden

Und wie sorgt die Wissenschaftlerin eigentlich konkret selbst dafür, Aktivität in ihren Homeoffice-Alltag zu bringen? „Ich arbeite an einem höhenverstellbaren Schreibtisch“, erzählt Jule Kunkel. „Der ist in der Regel oben. So sitze ich im Wechsel auf einem hohen Stuhl oder stehe beziehungsweise bewege mich zwischendurch. Wenn ich Lehrveranstaltungen oder Konferenzen habe, sind Aktivpausen zum Glück immer integriert, weil das ja unser Thema ist.“ Außerdem geht sie regelmäßig joggen, nutzt Online-Fitnessangebote – und macht Kniebeugen beim Händewaschen. „30 in 30 Sekunden“, lacht sie. Da haben weder Viren noch Corona-Kilos eine Chance.

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