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Zufriedenheit der Verkehrsteilnehmer

ADAC-Mobilitätsranking: Karlsruhe ist ganz hinten und ganz vorne dabei

Beim Thema Zufriedenheit bewerteten die Karlsruher und Pendler die Lage in der Fächerstadt unterschiedlich – je nach Verkehrsmittel.

Viele Baustellen: Radfahrer in der südlichen Hirschstraße in Karlsruhe müssen warten. Grün an der Ampel neben Autospur erlaubt ihnen nicht, die Kriegsstraße zu überqueren: Dafür ist die Extraampel für Fußgänger und Radfahrer zuständig (rechts am Bildrand). Foto: Jörg Donecker

Baustellen und verzögerte Ankunftszeiten sorgen bei den einheimischen Autofahrern und den Pendlern in Karlsruhe für Unmut. Beim ADAC-Mobilitätsranking mit 29 mittelgroßen Städten belegt die Fächerstadt bei der Zufriedenheit der Autofahrer den vorletzten Platz. Potsdam ist Schlusslicht. Bei der Zufriedenheit der Radfahrer liegt Karlsruhe auf Platz zwei, nach Münster.

Nach Angaben des ADAC Nordbaden ist diese Bewertungsschere bei den 29 Städten einmalig. Im Gesamtranking, dem eine Befragung von Autofahrern, Radfahrern, Fußgängern und ÖPNV-Nutzern zugrunde liegt, holt Karlsruhe Platz 13 – vor Mannheim (15) und nach Freiburg (4). Sieger der Umfrage unter etwa 12.000 Teilnehmern waren Münster und Rostock.

Bei den Autofahrern falle die Unzufriedenheit über die Großbaustellen für die U-Bahn und die Untertunnelung der für den Stadtverkehr wichtigen Kriegsstraße sehr ins Gewicht: „Alles in allem eine sehr schlechte Situation für Autofahrer, die sich voraussichtlich auch 2021 nicht bessern wird“, sagt Thomas Hätty, Leiter Verkehr und Technik im ADAC Nordbaden.

Radwege sind breit und gut vernetzt

Für das gute Abschneiden bei der Zufriedenheit der Radfahrer sei die Ursache, dass die Stadt seit 15 Jahren in den Radverkehr investiere – sowohl beim Ausbau von Radwegen als auch bei der Umwandlung mehrerer innerstädtischer Achsen in Fahrradstraßen. Das jedenfalls vermutet der ADAC.

Beim Ranking wurden das Radwegenetz sowie der gute Zustand und die Breite der Radwege positiv bewertet. Die Radfahrer in der Fächerstadt fühlen sich zudem sicher. Bei der Fußgängerbefragung landete Karlsruhe, was die Zufriedenheit angeht, im Mittelfeld.

Der ADAC-Mobilitätscheck machte in einer Expertenrunde auf die große Konkurrenz der drei Verkehrsteilnehmer in den Innenstädten und auf die Lage der öffentlichen Verkehrsmittel aufmerksam. Der Fokus bei den Experten lag auf den kleinen Innenstadtflächen. „Um sie streiten sich gewohnheitsmäßig Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger“, sagt Holger Matthäus, Senator für Infrastruktur in Rostock.

Um die Innenstädte autofrei zu machen, sei „Park&Ride“ eine gute Lösung, erklärt ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. „Alternativen zum Auto müssen attraktiver gemacht werden“, sagt er. Das geschehe durch flexible Ticketangebote neben den Einzelfahrscheinen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis müsse beim ÖPNV, aber auch bei den Autofahrern ausgeglichen sein.

Die Benzinpreise, die laut ADAC Nordbaden in der Region zwischen 5 und 8 Uhr am teuersten und zwischen 18 und 22 Uhr am günstigsten sind, stellen laut Automobilclub auch einen Faktor zur Zufriedenheit dar. In Karlsruhe wurde das Benzin in dieser Woche für bis zu vier Cent günstiger angeboten als in der Vorwoche.

In Baden-Baden blieben die Preise auf dem Niveau vom vergangenen Freitag, in Pforzheim war eine Korrekturspanne von minus vier bis plus einen Cent zu beobachten. Diesel kostete gegenüber dem Vorwochentag in Karlsruhe bis zu fünf Cent weniger. In Baden-Baden wurden die Preise nach Angaben des ADAC um einheitlich einen Cent und in Pforzheim um zwei Cent gesenkt.

Corona hat Auswirkungen auf Stadtverkehr

Auch die Corona-Pandemie habe positive Auswirkungen auf den Stadtverkehr, erklärt Holger Matthäus, Senator in Rostock. „Zurzeit läuft der Verkehr flüssig. Wenn wir diesen Anteil, der jetzt weniger fährt, in die öffentlichen Verkehrsmittel bekommen, haben wir viel erreicht“, sagt er.

Konsens bei den Experten ist die Verlagerung des Parkens aus der der Innenstadt, wo die Flächen ohnehin begrenzt seien. Jürgen Gerlach, Professor im Bereich Verkehr an der Universität Wuppertal, sieht Parkstrukturen um die Kernstadt vor allem im Hinblick auf E-Mobilität und Ladesäulen als notwendig.

„Der Verkehr muss ganzheitlich betrachtet werden“, sagt der Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe (CDU). Die verschiedenen Transportmittel sollten miteinander verknüpft werden: „Der Ausbau der Fahrradwege ist zum Beispiel immer ein Antistau-Programm.“ Auch bei der Verkehrssicherheit sei ein ganzheitliches Konzept vonnöten, das das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme noch weiter stärkt, sagt ADAC-Präsident Hillebrand, das schaffe Zufriedenheit bei allen Teilnehmern.

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