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Fußball

Änis Ben-Hatira kämpft mit dem KSC gegen die eigene Vergangenheit an

Der KSC-Neuzugang Änis Ben-Hatira war als Talent früh erkannt: 2009 wurde er als U21-Nationalspieler Europameister. Zusammen mit Manuel Neuer, Mats Hummels und Mesut Özil. Die Fußballkarriere des gebürtigen Berliners prägten danach jedoch nicht nur atemberaubende Dribblings. Beim KSC will er sich jetzt noch einmal beweisen.

Die Karriere des talentierten Änis Ben-Hatira verlief nicht wie erwartet. Foto: GES

Der KSC-Neuzugang Änis Ben-Hatira war als Talent früh erkannt: Und 2009 wurde er als U21-Nationalspieler Europameister. Zusammen mit den späteren Weltmeistern Manuel Neuer, Mats Hummels und Mesut Özil. Die Fußballkarriere des gebürtigen Berliners prägten danach nicht nur atemberaubende Dribblings und wunderschöne Tore.

Immer wieder eckte Ben-Hatira, dem ein großes Herz und eine eben solche Klappe nachgesagt wurde, an. Zum Karlsruher SC kam er als einer von drei Winter-Zugängen. Dabei hatte man ihn in Deutschland nach 2017 schon abgeschrieben, nachdem sich der SV Darmstadt 98 von ihm wegen seiner angeblichen Nähe zu einer Hilfsorganisation mit salafistischen Hintergrund getrennt hatte.

Eben bekam Änis Ben-Hatira noch Rückmeldung vom Trainerteam des KSC zu seinen Laktatwerten. Sie sind, wie von ihm erwartet, nämlich: „Sehr gut.“ Sein ganzes Leben im Profifußball habe er die Fitness wie alles andere gepflegt: „professionell“.

Auch nach seiner Vertragsauflösung bei Honved Budapest im Dezember ließ er sich daheim in Berlin nicht hängen. Er wollte bereit sein für das ersehnte Comeback in Deutschland.

Ungarischen Club als Sprungbrett genutzt

Warum er Ungarns Erstligisten vorzeitig verließ? „Es war abgesprochen, dass Honved für mich ein Sprungbrett sein wird. Sie haben mir geholfen, ich habe ihnen geholfen“, erklärt Tunesiens Ex-Nationalspieler und verrät, dass zwei Bundesligisten an ihm interessiert gewesen seien.

Daraus ist nichts geworden. Gelandet ist er mit Hilfe aus der Fanszene und unter Fürsprache Necat Aygüns beim KSC – Vertrag bis Saisonende. Abstiegskampf. Am Samstag beim 0:2 gegen seinen Ex-Club Hamburger SV spielte er die letzte Viertelstunde.

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Das erste Training des zuletzt vereinslosen Deutsch-Tunesiers Änis Ben-Hatira beim KSC wird erst in der neuen Woche folgen. Foto: mia

Für KSC-Trainer Eichner gab's als Spieler demütigende Begegnungen

Apropos HSV, das ist kein Fun-Fact aus KSC-Sicht: Als Ben-Hatira 19 war, kam er am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2007/2008 für die letzten zehn Minuten zum Genießen aufs Feld.

Der KSC mit dem Verteidiger Christian Eichner kam mit 0:7 unter HSV-Räder. „Und als Eiche für Köln spielte, habe ich mal zwei Tore gegen ihn gemacht“, erzählt Ben-Hatira grinsend. Natürlich war das dieser Tage auch mal Thema.

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Stress mit Mitchell Weiser und ein fragwürdiges Foto

Ben-Hatira, 31, ist eine schillernde Figur, die immer mal wieder Ärger hatte: Bei Hertha BSC flog er einst raus, weil er den Kollegen Mitchell Weiser geschlagen haben soll.

Im April 2016 geriet er bei Eintracht Frankfurt in ein unglückliches Licht, nachdem er bei „Snapchat“ ein Foto gepostet hatte, auf dem Medikamente, darunter auch ein Behälter mit der Aufschrift „Lipotalon“, zu sehen waren. Lipotalon steht auf der Dopingliste.

An einer Stelle des Gesprächs mit den BNN sagt Ben-Hatira, was er denkt: „Ich möchte darüber nicht reden.“

Das ist eine Fangfrage. Ich sehe keinen Mehrwert darin, darauf einzugehen
Änis Ben-Hatira auf die Frage, ob er Ansaar International noch unterstützt

Dass das so einfach nicht ist, weiß er. Vor drei Jahren wollte kein deutscher Club mehr etwas von ihm wissen. Da war bekannt geworden, dass er die Organisation Ansaar International unterstützt. Der SV Darmstadt 98 trennte sich von ihm. Einvernehmlich, wie es hieß.

Razzia in Ben-Hatiras Wohnung

„Fakt ist, dass nie etwas gegen mich vorgelegen hat“, sagt Ben-Hatira. Ansaar International ist eine in Düsseldorf ansässige islamische Hilfsorganisation, der ein salafistischer Hintergrund nachgesagt und die vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.

Das Bundesinnenministerium sah Anhaltspunkte, dass Ansaar in ein Netzwerk eingebunden ist, das die radikale Hamas-Bewegung unterstützt. Noch vor acht Monaten war Ben-Hatiras Wohnung in Berlin-Charlottenburg Ziel einer Razzia.

Ob er Ansaar noch unterstützt? „Das ist eine Fangfrage. Ich sehe keinen Mehrwert darin, darauf einzugehen.“ Alles sei gesagt. Das Thema habe ihm „alle Türen verschlossen in Deutschland“. Dass er in die Türkei und später zu Esperance Tunis ging, war nichts, was er wollte. Es war, was ihm blieb.

Weggelaufen, das sei er nie, betont Ben-Hatira, den sie bei der Hertha „Champ“ nannten und der auch mal mit einem Bentley vorfuhr.

Jugend war geprägt vom rauen Kiez in Berlin

Wer ihn besser verstehen will, muss wissen, woher er kommt. Aufgewachsen mit fünf Brüdern und einer Schwester in Wedding. „Wir waren zu siebt in einer Zweieinhalbzimmerwohnung“, erzählt er. Natürlich prägte ihn die Jugend im rauen Kiez.

Ben-Hatira, gestählt in Berlins Kick-Käfigen und 2009 mit der U21 des DFB neben Mesut Özil, Manuel Neuer und Mats Hummels als Europameister dekoriert, ist auf Du und Du mit Rappern wie Bushido und gibt sich allzeit selbstbewusst.

Das Bild, das er von sich mag: Keiner, der sich unterkriegen lässt. Am Sonntag gegen den VfL Osnabrück wird er wieder warten – und bereit sein.

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